"Ab ins Wasser und zum Aufwärmen zwölf Runden!" Ute Schubert übergeht das Jammern und Feilschen der Kinder, um doch wenigstens eine Runde weniger herausschlagen zu können.

Denn was die Mitglieder der Staffelsteiner DLRG-Ortsgruppe jeden Donnerstagabend im großen Becken des "Aqua Riese" machen, ist nicht nur spaßiges Herumplanschen, sondern das Einüben lebensrettender Handlungen. Und wenn an diesem Wochenende die Temperaturen wieder auf über 30 Grad klettern, sind die Rettungsschwimmer der DLRG bereit, sich in die Fluten zu stürzen.

Bronze, Silber, Gold

"Die jüngeren Schwimmer lernen Schwimmtechniken oder machen Spiele im Wasser", erklärt Trainerin Ute Schubert. "Wenn sie regelmäßig zu den Übungsstunden kommen, verbessern sie sich auch immer sehr schnell."

Daneben können die Mitglieder je nach Alter die Prüfungen für verschiedene Schwimmabzeichen absolvieren: Nach dem Seepferdchen folgen beispielsweise die Jugendabzeichen in Bronze, Silber und Gold. Das gleiche Prinzip gilt auch für die Rettungsschwimmerscheine.

"Die Prüfung für Gold ist aber schon sehr anspruchsvoll", räumt Ute Schubert ein. Dazu gehören unter anderem die Handhabung von Rettungsgeräten, Erste-Hilfe-Maßnahmen, verschiedene Schwimm disziplinen, Strecken- und Tieftauchen, Transportschwimmen in Kleidung - und das in genau vorgegebenen Zeit- und Streckeneinheiten. Jan, Josef und Stefan gehören bereits zu den alten Hasen, die die komplexe Prüfung bestanden und somit das Rettungsschwimmer-Gold erreicht haben. "Wir dürfen schon die Trainingsstunden leiten, aber noch keine Prüfungen abnehmen", erklärt Josef.

Gurtretter und Rettungsbrett

In dieser Stunde bringen sie den anderen Schwimmern die richtige Verwendung des Gurtretters bei: Dabei handelt es sich um ein Schaumstoffbrett, an dem Seil und Gurt befestigt sind. Nachdem der Rettungsschwimmer sich den Gurt umgelegt hat, wirft er der Person im Wasser entweder das Brett zu und zieht sie heraus oder er umgreift sie mit dem flexiblen Brett und schwimmt in Rückenlage an Land.

Daneben gibt es das Rettungsbrett, auf dem man wie mit einem Surfbrett bäuchlings ins Wasser paddelt und die Person dann auf das Brett legt. "Es ist das beste Gerät für kurze Strecken, weil man damit schnell an Geschwindigkeit gewinnt", erklärt Ute Schubert die Funktionsweise.

Auch die Handhabung des Leinenretters wurde trainiert, den sich die Rettungsschwimmer wie einen Rucksack aufsetzen. Mit dem daran befestigten Seil können weitere Helfer an Land den Schwimmer wieder aus dem Wasser ziehen. "Dafür braucht man aber wirklich Kraft und am besten mehrere Personen zur Unterstützung", betont Josef.

Gefährliche Selbstüberschätzung

Zusätzlich zum wöchentlichen Training gibt es jährlich vor Saisonbeginn eine Auffrischung der Erste-Hilfe-Kenntnisse. Diese sind auch außerhalb des Wassers bei Schnittverletzungen und Ähnlichem gefragt. Oftmals kommt es zu Unfällen, weil die Badegäste ihre Ausdauer überschätzen und dann einen Kreislaufkollaps oder Schwächeanfall erleiden.

Zur Badesaison unterstützt die DLRG die Hallenmeister des "Aqua Riese" jeden Tag am Baggersee, am Wochenende halten die Wasserretter zudem am Ebensfelder Altmainsee von 11 bis 18 Uhr Wachdienst. "Auch wenn ein Tag mal unfallfrei bleibt, ist der Dienst sehr anstrengend, weil wir uns ständig konzentrieren müssen", erzählt Ute Schubert. "Da fehlt es dann wirklich an Rettungsschwimmern."

Die Staffelsteiner Ortsgruppe zählt etwa 180 Mitglieder, davon seien aber die wenigsten noch aktiv. Besonders in der Altersspanne von 20 bis 40 mangele es an Schwimmern, so Ute Schubert. "Dabei wäre das die Phase, in der die Mitglieder Weiterbildungsmaßnahmen wie den Boots-, Taucher- oder Lehrerschein machen und wirklich im Verein mitarbeiten."

Mit Tauchern abgesichert

Diese Unterstützung wäre auch bei Aktionen wie dem Drachenboot-Rennen oder der Schaumparty nötig, bei der die DLRG mit Tauchern für die Absicherung unter Wasser zuständig ist. Bei allen Einsätzen ist es Ute Schubert wichtig, dass ihre Rettungsschwimmer auch die eigene Kraft einschätzen können und sich nicht zu viel zumuten.

Und Goldjunge Jan fügt hinzu: "Wenn Leute zu ertrinken drohen, sind sie vor lauter Panik adrenalingeladen und ziehen den Rettungsschwimmer im schlimmsten Fall mit unter Wasser. Deshalb muss der Einsatz kontrolliert ablaufen: Zuerst wird die Person beruhigt und erst dann aus dem Wasser gezogen." Und das sehe dann ganz anders aus als in "Baywatch".



Trainingsstunden der DLRG


Termine Die DLRG-Ortsgruppe Bad Staffelstein trainiert jeden Donnerstagabend im "Aqua Riese". Die Übungseinheit für Kinder und Jugendliche dauert von 18.30 bis 19.30 Uhr, für Erwachsene von 19.30 bis 20.30 Uhr. In den Schulferien findet das Training nicht statt.

Kontakt Wer zu einem "Schnupper-Training" vorbeikommen möchte, kann sich bei Stephan Murmann unter der Telefonnummer 09573/ 239301 oder 0175/4448848 informieren oder eine Mail an stephan.murmann@staffelstein.dlrg.de bzw. unter ute.schubert@staffelstein.dlrg.de schreiben.
Weitere Informationen gibt es auf der Facebook-Seite der DLRG Bad Staffelstein. Die Teilnehmer sollten mindestens sechs Jahre alt sein und das Seepferdchen-Abzeichen vorweisen können.