Als einmaliges Gebäude bezeichnete Günter Knorr (CSU) das ehemalige Brau- und Schulhaus in Mainroth. Dafür erntete er zustimmendes Nicken vom Hollfelder Architekten Georg Schilling. Die Kombination aus massivem Sandsteinmauerwerk, barockem Fachwerk und Mansardendach sei durchaus ungewöhnlich.

Schilling hatte die Voruntersuchung zur Sanierung durchgeführt, die Ergebnisse stellte sein Mitarbeiter Frank Forkel vor: Das Simsgebälk am Dach sei teilweise kollabiert, vor allem die Traufe habe undichte Stellen, auch in Kaminnähe dringe Wasser ein. Daher sind im Inneren Balken vermodert, die Decke im Obergeschoss hat sogar ein Loch. Am auffälligsten seien die Schäden auf der Südseite. Die Kosten, um das Gebäude zu konservieren, schätzen die Architekten auf 154 700 Euro plus zehn Prozent für unvorhersehbare Arbeiten. "Das ist ja fast ein Schnäppchen", sagte Ulrike Koch (SPD). Architekt Schilling zufolge besteht Handlungsbedarf, denn: "Je länger wir warten, desto schlimmer wird es." Einstimmig beschloss der Stadtrat, die Schäden zu beheben. Die Verwaltung soll Förderanträge beim Landesamt für Denkmalpflege einreichen.

Schilling wies darauf hin, dass weiterführende Maßnahmen für die Gebäudenutzung dabei nicht eingerechnet seien. Dafür muss schnellstmöglich ein Konzept gefunden werden, denn erst dann wird das Amt für Denkmalpflege über die Förderhöhe entscheiden, die bis zu 90 Prozent betragen könnte. Ebenfalls einstimmig beschloss der Stadtrat, den Auftrag des Architekten Schilling um den Teil der Konzeptfindung zu erweitern.

Um den Stadträten und Architekten Ideen für ein Raumnutzungskonzept zu liefern, hatte Marco Hennemann (CSU) eine Befragung von 17 örtlichen Vereinen durchgeführt. Das Ergebnis: Über 300 Veranstaltungen finden jährlich statt. Hennemann zufolge treffen sich viele Vereine derzeit in den Wirtshäusern. Jedoch werden die Wirte diese Vereinslokale in den kommenden Jahren schließen. "Für die langfristige Aufrechterhaltung des Vereinslebens ist die Schaffung einer Versammlungsstätte von zentraler Bedeutung", sagte Hennemann.

Ulf Müller (FW) schlug vor, nachzufragen, wie die Wirte der Gaststätten dazu stehen, immerhin seien 50 Prozent der Veranstaltungen solche, die man auch im Wirtshaus abhalten könnte. Bürgermeisterin Frieß sagte: "Leider wird es uns im Laufe der Zeit nicht immer gelingen, Läden und Wirtshäuser in den Ortsteilen zu erhalten."


Abrisspläne verworfen

Zusammen mit Ulrich Kahle vom Amt für Denkmalpflege hat Schilling das alte Lehrerhaus besichtigt. Die ursprünglichen Abrisspläne seien nun "vom Winde verweht", denn auch dieses Gebäude ist erhaltenswert. An Süd- und Westwand hätten die beiden Bauteile der alten Friedhofsmauer gefunden, insgesamt sei die Bausubstanz tadellos. Schilling stellte die Frage zur Diskussion, ob man das alte Lehrerhaus dem Brauhaus anschließen wolle, anstatt anzubauen.

Thomas Müller (Bürgerverein) fragte, ob man das Lehrerhaus integrieren könne, wenn der Mieter darin wohnen bleibt. Der Mann lebt dort bereits seit 1974. Schilling schlug vor, dem Mieter eine Einliegerwohnung im Obergeschoss anzubieten und das Erdgeschoss für Sanitäranlagen oder eine Teeküche zu verwenden.
Uneinig waren sich die Stadträte bei der Vorgehensweise zur Sanierung des Kirchplatzes. Um eine Förderung bis zu 60 Prozent vom Amt für Ländliche Entwicklung zu erhalten, muss bis September ein Vorentwurf vorliegen. Aufgrund des engen Zeitkorsetts hatte man der Stadt empfohlen, den Planungsauftrag dafür schnellstmöglich zu vergeben.

Da die Situation mit dem Mieter des Lehrerwohnhauses noch nicht geklärt war, sollte die Stadt zwei Entwürfe machen lassen - einen mit und einen ohne Abbruch des Lehrerwohnhauses. Hinsichtlich der neuen Bewertung des Lehrerwohnhauses wollten einige Stadträte auf dieses zweigleisige Vorgehen nicht verzichten. Koch sagte: "Wir stehen dazu, dass der Kirchplatz noch nicht saniert werden soll. Man sollte das im Nachhinein angehen, damit das Konzept zum Brauhaus passt."

Andere Stadträte machten sich um die Schäden Sorgen, die bei einer Gebäudesanierung auf dem Kirchplatz entstehen könnten. Katrin Weißmann (CSU) warf ein: "Den Plan brauchen wir sowieso, deshalb können wir den Beschluss auch fassen." Gesagt, getan. Mehrheitlich mit zwei Gegenstimmen beschloss der Stadtrat, das Büro HTS zu beauftragen, die Sanierung des Kirchplatzes Mainroth zweigleisig zu planen, mit und ohne Abbruch des Lehrerwohnhauses.


Erlebnisbrücke als Alternative?

Kopfzerbrechen bereiteten den Stadträten die Mainbrücken bei Theisau und Mainklein. Auf der Suche nach Fördermitteln hat die Stadt vergebens an verschiedene Türen geklopft. Nirgendwo ist mit Geldern zu rechnen.
Lediglich das Amt für Ländliche Entwicklung stellte für den Neubau einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke bis zu 50 000 Euro in Aussicht. Doch selbst die günstigste Variante koste 270 000 Euro je Brücke. Frieß erklärte, sie sehe die Notwendigkeit, doch: "Leider ist das dieses Jahr nicht drin." Koch schlug vor, das Projekt zurückzustellen, aber nicht aus den Augen zu verlieren.

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Sie schlug vor, sich bei der Sanierung auf die Brücke in Theisau zu konzentrieren und betonte deren touristischen Nutzen. Hennemann überraschte die Stadträte mit einem gewagten Vorschlag: Eine Erlebnisbrücke soll her. Die besteht aus einer Schwebevorrichtung mit Kabine, die groß genug ist für Personen und Fahrräder. Mit Hilfe eines Schleppseils befördern sich die Passagiere durch eigene Muskelkraft ans andere Ufer. Solche Brücken gibt es bereits in Neuwerk-Donk bei Mönchengladbach und im hessischen Bad Vilbel. Laut Hennemann sind Erlebnisbrücken aufgrund der einfachen Bauweise erheblich preiswerter.

"In ganz Bayern ist keine derartige Brücke bekannt", sagte Hennemann, eine solche Konstruktion könne zu einem "Touristenmagneten" werden. Generell stieß der Vorschlag auf offene Ohren. Allerdings gab Frieß zu Bedenken, dass ein solch abenteuerlicher Übergang nicht für die ältere Generation geeignet sei, auch nicht für angetrunkene Heimkehrer nach Feierlichkeiten. Marcus Dinglreiter (Bürgerverein) schlug vor, sich umzuhören, was die Bürger von dieser Option hielten. Um Hennemanns Idee weiter zu verfolgen, wird sich die Verwaltung mit dem Architektur-Büro im Rheinland in Verbindung setzen und Informationen zu Erlebnisbrücken einholen.

Weitere Themen:

Entwässerungssatzung Der Stadtrat beschloss die Neufassung der Entwässerungssatzung mehrheitlich mit drei Gegenstimmen aus dem Bürgerverein (Veronika Flierl, Thomas Müller und Marcus Dinglreiter). Fraktionsvorsitzender Dinglreiter sagte, die Satzung sei verfassungswidrig, da Paragraf 20 Betretungsrecht einräume. Geschäftsleitender Beamter Sven Dietel räumte ein, dass sich um eine Mustersatzung handle, herausgegeben vom Bayerischen Staatsministerium des Inneren. Mehr als 2000 Kommunen im Freistaat verwenden sie.

Strombündelausschreibung Der Stadtrat nahm Kenntnis vom Ergebnis der Ausschreibung des Bayerischen Gemeindetages für die Lieferjahre 2017 bis 2019. Der Arbeitspreis für RLM-Anlagen und Straßenbeleuchtung beträgt 2,3130 beziehungsweise 2,0500 Cent pro Kilowattstunde, beides vom Anbieter Stadtwerke Burg GmbH. Für Heizstrom von E.ON Energie Deutschland GmbH beträgt der Arbeitspreis 2,1650 Cent pro Kilowattstunde. Für SLP-Anlagen wurden 2,5544 Cent pro Kilowattstunde von der Stadtwerke Augsburg Energie GmbH angeboten. Diese Arbeitspreise entsprechen Ersparnissen von 34 bis 44 Prozent im Vergleich zur Ausschreibung 2014 bis 2016.

Haushalt Bürgermeisterin Frieß gab bekannt, dass das Landratsamt Lichtenfels, den Haushalt für das Jahr 2016 genehmigt hatte.