"Informieren über die empfohlene Lebensführung bei Atemwegserkrankungen", möchte sich Judith Pechtold. Dafür kommt sie jedes Jahr mit hunderten Interessierten zum Lungentag aufs Gelände des Bezirksklinikums Obermain (BKO). Auf dem Kutzenberg lockte am Samstag zum 16. Deutschen Lungentag eine Gesundheitsmesse mit Angeboten und Informationen zu Gesundheit von Lunge, Herz, Kreislauf und Blutgefäßen.

"Früherkennung von Lungenkrebs - eine Chance für das Leben" lautete das Thema, über das Chefarzt Gernot Habich eingangs referierte. "Die Bevölkerung sollte noch mehr sensibilisiert werden", meint Rudolf Burger, Direktor der Bezirksverwaltung Oberfranken. In Kutzenberg befinde sich ein "hochspezifiziertes Therapiezentrum", dessen Abteilungen Hand in Hand arbeiten, wie die Klinik für Erkrankungen der Atmungsorgane, Allergologie, Umweltmedizin und Schlafmedizin um Chefarzt Habich und die Abteilung für Thorax- und Gefäßchirurgie mit Chefarzt Steffen Gerlach. Unterstützt werden sie von Chefarzt Christoph Sommer und seiner Abteilung für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie sowie vielen Berufsgruppen, um den Patienten multiprofessionell und umfassend therapieren zu können.

Auch beim Lungenkrebs sei dies wichtig, sagte Habich. Rund 50.000 Menschen erkranken jährlich daran - zunehmend auch Frauen. Er sei die dritthäufigste Todesursache. "Rauchen ist das Hauptrisiko." Daneben begegne man im Arbeitsleben krebsauslösenden Stoffen, zum Beispiel Asbest oder Nickel.

Den Arzt frühzeitig aufsuchen

Lungenkrebs entstehe, weil gesunde Zellen durch erwähnte Risikofaktoren geschädigt werden. Am Entstehungsort breiten sich bösartige Tumore aus, sogenannte Metastasen. Diese beginnen, sich unter anderem über Blut- und Lymphbahnen oder die Leber zu verbreiten.

Alarmsymptome gebe es viele: Länger dauernder Husten, ungewollter Gewichtsverlust, Belastungsluftnot, Lustlosigkeit, oder Bluthusten sind die wichtigsten. Freilich können andere Krankheiten dahinter stecken. "Keines der genannten Symptome tritt nur bei Lungenkrebs auf. Es sind viele Diagnosen nötig, die wir einkreisen müssen. Als Patient sollte man nicht locker lassen und den Arzt nerven: ‚Bitte klär‘ das ab!‘" Wichtig sei ein frühzeitiges Aufsuchen des Arztes samt vollständiger Berichterstattung der Symptome. "Die sicherste Methode, Lungenkrebs zu entgehen, ist, nicht zu rauchen. Aber es addieren sich viele Risiken."

Multimodal werde ein Krebspatient behandelt. "Es gibt nicht nur eine Therapie. Es gibt nicht nur Operation, Chemotherapie und Bestrahlung. Kombiniertes Vorgehen verbessert die Lebenszeit in 50 bis 80 Prozent der Fälle über fünf Jahre." Zur sozialen Unterstützung gehöre psychosoziale, psycho-onkologische und seelsorgerische Betreuung. Neben Physiotherapie seien unterstützende Maßnahmen wie gesunde Ernährung gut. Begleiterkrankungen könnten optimiert und eine Schmerztherapie angewandt werden.

Mit Schulklassen gekommen

"Ich hoffe, dass mich das Thema nie betrifft", gab Judith Pechtold zu. "Aber es ist gut zu wissen, was man tun kann, wenn es auftritt." Schon öfter sei sie als Lehrerin mit Schulklassen gekommen. Gernot Habich biete Präventionsveranstaltungen an, in denen er über Gefahren des Rauchens spricht, wie die Atmung funktioniert und wie man die Lunge fit halten kann.

Darüber informierten sich hunderte Besucher am Lungentag. Stefan Schramm etwa pustete kräftig bei der Lungenfunktionsmessung. Auf dem Ausdruck sieht er Volumen der Lunge und Strömungsgeschwindigkeit. Nach Demonstrationen von Lungenfunktionsmessung, Bronchoskopie und Inhalationstherapie freute sich der neunjährige Luca über Röntgensaal und Schlaflabor, die vorgestellt wurden. Natürlich stand Fachpersonal bei Fragen Rede und Antwort. Kein Wunder, dass die Verantwortlichen des neuen Lungenfachzentrums bei der 16. Auflage des überregionalen Lungentags einmal mehr ein überaus positives Fazit ihrer "Gesundheitsmesse" zogen.