Einmal wurde er dabei von einem Polizisten ermahnt. Sechs weitere Male fuhr er unter dessen Fenster auf dem Weg zu diesem Weg durch. Und wurde von ihm bemerkt. Bei Gericht gab sich der Lichtenfelser streitbar.
15 Euro, 40 Euro, wieder 40 Euro und erneut und noch drei weitere Male - immer wieder ergingen gegen den vielseitigen Unternehmer Bußgelder wegen seiner Wegbefahrungen, immer wieder legte er Einspruch gegen sie ein. Dabei führte er vor Richter Armin Wagner ins Feld, dass seine Besichtigungsfahrten zum Zweck des möglichen Erwerbs von Grund und Boden sehr wohl landwirtschaftliche Fahrten seien. "Das Gucken ist kein landwirtschaftlicher Verkehr", konterte Wagner. Es sollte diese Frage sein, um die sich das nahezu zweieinhalbstündige Verfahren drehte.
"Vom Landratsamt hat mir eine Frau gesagt, ich darf dort hochfahren - dort oben stehen immer 20 Pkw", so der Mann. "Oder soll ich Sie anrufen?", so sein streitbarer Nachsatz, an Wagner gewandt, versehen mit der Bemerkung, wen er denn in solcher Angelegenheit noch fragen solle.

Streit um den Abwasch

Zudem wollte der 49-Jährige wissen, wie es sein könne, dass ihm ein Polizist dort oben sechs Anzeigen anhängen konnte. Er wohnte dort, so des Rätsels Lösung. Einmal hat der Beamte den Lichtenfelser auf seine Ordnungswidrigkeit aufmerksam gemacht, ab da war er für das Nahen des ihm nun bekannten Fahrzeuges wohl sensibilisiert. "Er war beratungsresistent und aufbrausend", schilderte der 37-jährige Beamte das ihm gegenüber gezeigte Verhalten. Zumeist beim Spülen des Abwasches habe er den Lichtenfelser nahen und passieren sehen.
Eine gewisse Eloquenz und ein paar mitunter trotzige Antworten lieferte der 49-Jährige auch im Gerichtssaal. In anderer Sache hatte er sich zu einer Unregelmäßigkeit rund um ein Nummernschild zu erklären. "Da müsste die Polizei jede Woche 200 Bauern im Landkreis anzeigen - aber da kann ich ja behilflich sein."
Keine Diskussion ließ Wagner in der Frage aufkommen, ob der Polizeibeamte, der den Geschäftsmann auf sein Fehlverhalten hingewiesen hatte, rechtens handelte. "Im Verkehr gilt, was der Polizist anordnet - er kann vom Verwaltungsgericht korrigiert werden. Aber vor Ort gilt die polizeiliche Anweisung." Wie es sein könne, dass der Polizist immer zu unterschiedlichen Zeiten Geschirr spült, warf der Geschäftsmann ein und bot an, "ihn mal mit Infrarot überwachen" zu wollen.

Urteil: 120 Euro Strafe

Dass der Polizist immer dann Geschirr gespült haben wollte, wenn sein Mandant unter seinem Fenster durchfuhr, wollte auch Rechtsanwalt Reinhard Schübel nicht glauben. Und er zeigte sich davon überzeugt, dass das Erkunden, ob Fläche zum Verkauf für mögliche agrarische Nutzung steht, dem "unmittelbaren Zweck der Landwirtschaft" dient, somit ein Befahren des nutzungsbeschränkten Weges also keine Ordnungswidrigkeit sei. Ist sie aber doch, argumentierte Wagner in seinem Urteil. Es sei eine Besichtigung der Landschaft zum Zwecke der Immobiliengewinnung und dies habe keinen unmittelbaren landwirtschaftlichen Zweck. 120 Euro wegen fahrlässiger Benutzung eines Kfz auf für ihn gesperrtem Weg, wird der Geschäftsmann nun zu zahlen haben.