"Mein Mandant möchte Stellung nehmen gemäß seiner Aussage bei Polizei und Ermittlungsrichter", erklärt Regina Taubert, Verteidigerin eines 37-jährigen Kraftfahrers aus Lichtenfels am Donnerstag am Landgericht Coburg. So bleibt möglicherweise mindestens fünf Kindern und Jugendlichen die Zeugenaussage vor Gericht erspart.
Die Minderjährigen, allesamt Jungen, soll der Angeklagte in den Jahren von 2013 bis 2015 sexuell missbraucht haben. Der laut Anklage "pädophil veranlagte" Mann soll seit Sommer 2013 Kinder und Jugendliche in seine Wohnung in Lichtenfels zum Übernachten eingeladen haben. "Lockmittel" sei eine Playstation für Computerspiele gewesen. Um die Jungen gefügiger zu machen, habe er ihnen zudem alkoholische Getränke gegeben und ihnen Geschenke versprochen.


Playstation versprochen

Das erste Opfer war erst zwölf Jahre alt. Dem Jungen soll er eine Playstation-Konsole versprochen haben, wenn er zehn Mal bei ihm übernachte. Nachdem der Zwölfjährige in der Wohnung eingeschlafen war, soll sich der Beschuldigte an ihm vergangen haben.
In den Sommerferien 2014 soll der Jungen mit einem Schulkameraden wieder bei dem Angeklagten genächtigt haben. Wieder habe der 37-Jährige den Jungen erst "Zocken" an der Konsole und schließlich Bier angeboten. Er habe sie aufgefordert, das Bier "auf ex" zu trinken.
Für die Coburger Staatsanwaltschaft verfolgte der Angeklagte damit ein ganz bestimmtes Ziel: "Er erhoffte sich, dass die Wirkung des Alkohols durch den schnellen Genuss stärker sein würde." Nachdem die Buben eingeschlafen waren, ist es laut Anklage erneut zu sexuellen Übergriffen gekommen. In insgesamt neun Fällen hat der Beschuldigte nach den Erkenntnissen der Ermittler dieselbe Methode angewandt.
Jedes Mal habe der 37-Jährige die Wehrlosigkeit der eingeschlafenen Jungen ausgenutzt, um sich an ihnen zu vergehen. Erst als sie erwachten und sich gegen die Übergriffe wehrten, habe der Angeklagte von ihnen abgelassen.
Weitere Indizien für die pädophilen Neigungen des 37-Jährigen fand die Polizei auf der Festplatte seines Computers. 129 Bilddateien und zwei Videodateien zeigten den sexuellen Missbrauch von Kindern. Somit wird der Angeklagte des sexuellen Missbrauchs in neun Fällen beschuldigt sowie wegen des Besitzes kinderpornographischer Schriften.
"Bei einer geständigen Einlassung brauchen wir die Kinder nicht", antwortet der Vorsitzende Richter Christoph Gillot auf das Angebot der Verteidigerin. Allerdings macht der Richter auch deutlich, dass es sich um ein umfassendes Geständnis handeln müsse. Was der 37-Jährige zu Protokoll gebe, dürfe nur in unwesentlichen Punkten von den Anklagevorwürfen abweichen. Denn die Kammer sei zur Wahrheitsfindung verpflichtet und könne nur in einem solchen Fall auf Zeugen verzichten.
Der 37-Jährige bekommt Zeit, über seine Aussage zu den Vorwürfen nachzudenken. Erst am nächsten Verhandlungstag, dem 25. Juli, wird er Stellung nehmen. Richter Gillot betont, dass es dem Beschuldigten freistehe, ob er sich zur Anklage äußere oder nicht. Ein Geständnis, das zum Verzicht der Kinder als Zeugen führen würde, wirke sich freilich positiv auf das Strafmaß aus.