Es sei die letzte Möglichkeit gewesen, sagt Landrat Christian Meißner (CSU) zum Beitritt des Landkreises in den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN). Die Erleichterung über die erfolgreichen Verhandlungen ist Meißner am Dienstagnachmittag noch anzuhören.

Die Vorgeschichte zum Beitritt, der zum 1. Januar 2015 erfolgt, ist lang: Bereits zu Beginn dieses Jahres wollte der Landkreis Lichtenfels dem (VGN) beitreten. Doch aus diesem Plan ist damals nichts geworden. Der Grund: Die Verkehrsgesellschaft Agilis, die einen Teil der Bahnstrecken im Landkreis Lichtenfels bedient, hatte bis dato noch nicht zugestimmt.

Der Grund für deren zögerliche Haltung ist, dass die Abrechnungsdaten zeitverzögert an sie weitergegeben werden und es ihr deshalb bislang nicht möglich war, eine wirtschaftliche Bewertung vorzunehmen. Ohne eine solche wollte die Geschäftsführung aber einer VGN-Erweiterung nicht zustimmen.
Hätte sich die Agilis mit ihrer Entscheidung nur wenige Tage mehr Zeit gelassen, dann wäre es zu spät gewesen. Denn 2016 sei die Strecke wegen der ICE-Baustelle voraussichtlich neun Monate lang gesperrt, erklärte Meißner. Zudem seien die Zahlen, auf deren Grundlage der VGN-Beitritt jetzt erfolgt ist, in drei Jahren veraltet.

Vorlaufzeit ist notwendig

Agilis habe gewusst, dass der VGN die Beitrittsentscheidung Mitte Juli bekommen musste, denn für eine Erweiterung ihrer Verbindungen brauche der Verkehrsverbund eine gewisse Vorlaufzeit. Das Unternehmen müsse VGN-Automaten aufstellen, ihre Systeme umstellen oder eventuell Busse umrüsten, erklärte Meißner.

Hilfe aus der Politik

"Ich bin Agilis dankbar für ihre Entscheidung", sagte der Landrat. Bei den Verhandlungen hatte Meißner Hilfe von Bundes- und Landespolitikern bekommen. Sein Dank gelte insbesondere Staatsminister Joachim Herrmann, Innenstaatssekretär Gerhard Eck und dem Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner sowie der Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner für die Unterstützung des Landkreises Lichtenfels, so Landrat Meißner.
Die Politik habe deutlich gemacht, dass sie hinter den Wünschen des Landkreises stehe. Meißner betonte, dass die Verhandlungen ohne Druck abgelaufen seien.

"Wir sind am Ziel - Agilis stimmt dem Beitritt des Landkreises Lichtenfels zum VGN zum 1. Januar 2015 zu", sagte Landrat Meißner. Er sei hoch erfreut, dass der Beitritt zu diesem Datum erfolgen könne. Über Zahlen wollte Meißner nichts sagen: "Darüber ist Stillschweigen vereinbart worden."

Der Landrat verspricht sich viel von einem Beitritt zum Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN). Vor allem im touristischen Bereich könnte man profitieren, erklärte Landrat Meißner. "Wir müssen den VGN-Beitritt touristisch maximal nutzen", fuhr er fort. Dies werde bis zum Eintritt Anfang nächsten Jahres passieren: "Den Begriff VGN werden wir in den nächsten Monaten noch oft hören."

Agilis: "wirtschaftlich tragbar"

Der Geschäftsführer von Agilis, Dietmar Knerr, hatte noch im März erklärt, dass die relevanten Erhebungen Ende des Monats abgeschlossen sein werden, so dass bis Ende Juni eine erste Auswertung vorliege. Diese wirtschaftliche Prüfung durch einen eigenen Gutachter sei nun beendet, erklärte jetzt der Pressesprecher von Agilis, Michael Rieger.

Die Positionen seien zunächst unterschiedlich gewesen und Agilis habe grundsätzlich nichts gegen einen Beitritt gehabt, sagt Rieger. "Uns ging es darum zu prüfen, ob ein Beitritt wirtschaftlich tragbar ist. Das ist ein ganz normaler Vorgang", ergänzte der Pressesprecher. Es habe immer wieder Kontakte mit dem Landratsamt in Lichtenfels und dem Landrat Meißner gegeben. Agilis habe auch darauf geachtet, dass sich der Beitritt nicht um ein Jahr verschiebe, so Rieger.

Vorteile für die Fahrgäste

Das Unternehmen verspreche sich vor allem Vorteile für die Fahrgäste. Es werde übersichtlicher und günstiger, betont Rieger. Pünktlich zum Jahresbeginn 2015 können dann Pendler und Touristen das günstige Verbundticket nutzen. "Der Landkreis Lichtenfels rückt dem Ballungsraum Erlangen/Nürnberg ein gutes Stück näher", so Landrat Christian Meißner.

Mit Kritikern, die Probleme durch den VGN-Beitritt sehen, will Meißner noch die näheren Details abklären: "Wir werden auch noch Gespräche mit den örtlichen Busunternehmern führen, die diesem Beitritt zum VGN teilweise skeptisch gegenüber stehen."