Manchmal schreibt das Leben die verrücktesten Geschichten. Soeben noch bei Schnulzensänger Engelbert und ein paar Stunden später im Studio mit Nick Oliveri von den Hardrockern "Queens Of The Stone Age" - so erging es Sir Elton John ("Candle In The Wind") in Los Angeles, der sich prompt im falschen Film wähnte. Auch das Team von "Rock im Wald" hätte wohl nie daran gedacht, dass eines Tage Nick Oliveri auf dem Rasen des VfB Neuensee seinem Bass die tiefsten Töne entlocken würde. Soeben noch in Las Vegas im Studio mit Weltstars wie Elton John oder Dave Grohl ("Foo Fighters"/"Nirvana") gibt er sich ein paar Wochen später in der fränkischen Provinz die Ehre: Am 27. Juli zählt er mit seiner anderen Gruppe "Vista Chino" zu den Top-Attraktionen beim renommierten "Rock im Wald"-Festival in Neuensee.
Wie kommt man als Hobbyveranstalter an solche Musikgrößen? "Durch Vitamin B. Hendrick Wippermann, Sänger der deutschen Gruppe ,Eat The Gun', die zu den Stammgästen bei ,Rock im Wald' zählt, betreibt eine Tournee-Agentur. Er stellte den Kontakt her", erzählt Christian Sünkel. In den 90er Jahren sei er mit der Musik der amerikanischen Rocklegende Kyuss groß geworden, erinnert sich der heute 45-jährige. Die Kulturrocker aus den Vereinigten Staaten, die als Erfinder des Stone Rock gelten, genießen noch immer großes Ansehen bei allen Altersklassen. Am Vorverkauf kann man es ablesen: "Wir haben für unsere Verhältnisse bereits viele Karten verkauft. Vor allem an Fans aus dem Osten Deutschlands gingen bereits hunderte von Tickets."
Zurück zu Oliveri. Das vergangene Jahr brachte eine gute Nachricht für alle Rockfans: Josh Homme, seines Zeichens Frontmann der amerikanischen Rockgiganten "Queens Of The Stone Age", und Oliveri rauchten die Friedenspfeife. Oliveri kehrte wieder zurück zu der Band, die er einst im Zorn verlassen hatte. Diese sorgt dieser Tage für ein Rauschen im internationalen Blätterwald, ob der zahlreichen Gaststars aus dem Rock- und Popuniversum, die sich auf der neuen Scheibe "Like Clockwork" tummeln: Darunter sind der ehemalige "Screaming Trees"-Frontmann Mark Lanegan, "Nine Inch Nails"-Kopf Trent Reznor, "Scissor Sisters"-Sänger Jake Shears, "Foo Fighters"-Schlagzeuger Dave Grohl und der eingangs erwähnte Sir Elton John.
Grohl, der für die US-Talkshow "Chelsea Lately" als Gastmoderator arbeitet, hatte in seiner Sendung vor einem Millionenpublikum und im Beisein von Elton John das Geheimnis gelüftet: "Kürzlich haben Elton und ich etwas zusammen aufgenommen. Etwas, was die Leute von uns beiden nicht erwarten würden." Ein gut gelaunter Elton John plauderte daraufhin aus dem Nähkästchen: "Ich war in Vegas und flog zurück nach Los Angeles. Schlagersänger Engelbert Humperdinck hatte mir einen netten Brief geschrieben, in dem er mich bat, im Duett mit ihm zu singen, was ich auch tat. Dann fuhr ich drei Straßen weiter zu den ,Queens Of The Stone Age', wo ich mit Bassist Oliveri, Sänger Homme und all den anderen im Studio stand und den Song ,Fairweather Friends' aufnahm."
Es war ein Freund von Homme, der den Kontakt zwischen der Poplegende und der amerikanischen Rockband eingefädelt hatte. Gegenüber dem Neuseeländischen Fernsehen erklärte der "Queens Of The Stone Age"-Sänger: "Als ich Elton am Apparat hatte, dachte ich, jemand will mich veräppeln. Er sagte zu mir: ‚Hey Jungs, ihr braucht eine Queen - nehmt mich!' Ich sagte ja, und die ungewöhnlichste musikalische Zusammenarbeit des Jahres nahm ihren Lauf."
Derweil hatte sich im Landkreis Lichtenfels das ehrenamtlich agierende Team von "Rock im Wald" daran gemacht, die Bands für ihr Festival zu buchen. Ganz oben auf der Wunschliste: die Gruppe "Vista Chino". Dahinter verbergen sich die "Kyuss"-Gründungsmitglieder Brant Björk, John Garcia und der genannte Nick Oliveri. Nur Josh Homme, derzeit viel beschäftigt mit "Queens Of The Stone Age", hatte keine Zeit, bei der Reunion mitzumachen. "Aus diesem Grund nannte man sich ‚Vista Chino‘ und nicht ‚Kyuss‘", erklärt Sünkel fachmännisch, für den es das Tüpfelchen auf dem i gewesen wäre, wenn auch noch Josh Homme mit von der Partie gewesen. Auf die Frage, ob dann im nächsten Jahr vielleicht "Queens Of The Stone Age" auf dem Rasen auflaufen werden, antwortet Sünkel, der in Weismainer lebt, ganz bescheiden: "Sind wir erst einmal zufrieden mit dem, was wir haben."