"Eine Zäsur setzt natürlich auch das Jahr 1945. Die genuin nationalsozialistischen Romane der Blunck, Ettighoffer, Goote, Grimm, Kolbenheyer, Schenzinger, Tremel-Eggert. Zöberlein und Vesper wurden sofort verboten und nach 1945 nur noch ganz vereinzelt aufgelegt", schrieb Tobias Schneider unter dem Titel "Bestseller im Dritten Reich" 2004 in den "Vierteljahresheften für Zeitgeschichte".

Nach Kuni Tremel-Eggert ist in ihrem Geburtsort Burgkunstadt eine Straße benannt. Mitten in der Stadt, am Marktplatz, biegt das Seitensträßlein ab. Unter der emaillierten Namenstafel prangt ein Täfelchen, auf dem Kuni Tremel-Eggert als Heimatdichterin und Schriftstellerin ausgewiesen wird.

Doch welcher Art ist ihre Literatur? Angesichts der jüngsten Debatte um die Rolle des Coburgers Max Brose im Dritten Reich und die daraus resultierende Forderung, die Max-Brose-Straße umzubenennen bestünde auch in Burgkunstadt Diskussionsbedarf. Sollte die Stadt nicht kritisch darüber nachdenken, die Kuni-Tremel-Eggert-Straße umzubenennen?

Literatur hat ihre eigene Zeit

Tobias Schneider schreibt: "Hat es in der damaligen deutschen Literatur tatsächlich diese scharfe Trennung gegeben? Propaganda-, Kriegs- und Blut-und-Boden-Literatur auf der einen Seite, auf der anderen die Literatur der Inneren Emigration und nichts dazwischen? Die Wirklichkeit sah indes anders aus. Es gab diese andere Literatur und sie war im Dritten Reich weitaus erfolgreicher als gemeinhin angenommen."

Vorsicht ist also angebracht, vorschnelles Urteilen empfiehlt sich nicht. Bezirksheimatpfleger Günter Dippold sagt, Kuni Tremel-Eggert sei eine Erfolgsautorin mit sechsstelligen Auflagen gewesen. Das Streben nach immer größerem Erfolg habe sie offenbar verführt, im Dritten Reich ihren Verlag zu wechseln: Sie ging vom Langen-Verlag - in dem auch der "Simplicissimus" erschien - zum Eher-Verlag, dem Parteiverlag der NSDAP. "Sie passte sich an und profitierte so vom NS-Regime."

Eigenmeinung oder Romanstoff?

Das sei aber nur die eine Seite, fährt Günter Dippold fort. "Ihre Romane in Bausch und Bogen als Naziliteratur abzutun, ist allzu einfach." Antisemitische Aussagen in ihrem Roman "Freund Sansibar" seien nicht die Meinung der Erzählerin, sondern Zitate einer handelnden Person, und zwar einer nicht durchweg positiv gezeichneten Gestalt, sagt Dippold. Man dürfe ferner nicht übersehen, dass die drei letzten Romane Kuni Tremel-Eggerts vom Eher-Verlag wegen ihrer christlichen Grundhaltung abgelehnt wurden.

"Aktionismus ist, wenn es um Straßennamen geht, ohnehin immer falsch am Platz", resümiert der Bezirksheimatpfleger. Wichtiger sei, dass man zuerst - und zwar ohne Schaum vor dem Mund, sondern wissenschaftlich abwägend - die Geschichte bearbeitet. Dann erst seien Beschlüsse angebracht.

"Es gibt übrigens Autoren, die landesweit geehrt werden, ohne dass ihre weit schlimmere, hetzerische Publizistik eine Rolle spielt", fügt Dippold an. Dass es ein nach Ludwig Thoma benanntes Gymnasium gebe, halte er angesichts dessen antidemokratischen und grob antisemitischen Artikeln im Miesbacher Anzeiger in den Jahren 1920/21 für höchst bedenklich.

In Burgkunstadt ist derzeit eine Umbenennung kein Thema. Bürgermeisterin Christine Frieß (CSU) sagte auf Anfrage unserer Zeitung: "Meines Wissens denken wir nicht darüber nach."


Kuni Tremel-Eggert und ihr Werk

Lebenslauf Kuni Tremel-Eggert (geboren 24. Februar 1889 in Burgkunstadt; gestorben 14. April 1957 in München) war eine deutsche Schriftstellerin. Sie wurde als fünftes Kind einer Schusterfamilie geboren. Sie hatte drei Brüder und eine Schwester. Nachdem 1900 ihre Mutter gestorben war und drei Jahre später ihre ältere Schwester geheiratet hatte, musste sie mit 14 Jahren den Haushalt alleine führen. Dadurch konnte sie nur die Sonn- und Feiertagsschule besuchen. Im Ersten Weltkrieg starb ihr Vater und sie musste mit ansehen, wie Schulkameraden in den Krieg zogen. Aus diesen Erfahrungen veröffentlichte sie ihre ersten Erzählungen von den Münchner Propyläen. Weil sie als Schauspielerin nicht erfolgreich war, zog sie 1917 mit ihrem späteren Mann, Josef A. Eggert, nach München, wo dieser als Großkaufmann tätig war.

Verlage Ab dem 4. März 1920 bis 1928 arbeitete sie für den Münchner Verlag Albert Langen. Sie veröffentlichte zahlreiche Romane und Erzählungen. Ihr größter literarischer Erfolg war 1933 der Roman "Barb - Roman einer deutschen Frau", der über eine Million Mal verkauft wurde. Ab 1933 veröffentlicht sie im nationalsozialistischen Eher-Verlag. Der frühe Nazi Dietrich Eckart sagte 1921 zu ihr: "Schreiben Sie nie anders. Bleiben Sie sich treu. Ihre Zeit kommt, und wenn's noch zehn Jahre dauert."

Kriegsende Am 18. Januar 1944 fiel ihr Sohn Günter an der Ostfront, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde ihr Haus in der Münchner Villenkolonie Menterschwaige beschlagnahmt und Tremel-Eggert wegen antisemitischer Hetze angeklagt und zu Schreibverbot verurteilt. Sie legte Revision ein, wurde jedoch schwer krank. Auf eigenen Wunsch wurde sie in Burgkunstadt beigesetzt.

Distanziert In der Sowjetischen Besatzungszone wurde Tremel-Eggerts Buch "Freund Sansibar" (Eher, München 1942) und in der Deutschen Demokratischen Republik ihr "Barb" (Eher, München 1934) auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.

Kontroverse Eine Ehrung der Autorin an ihrem 50. Todestag in Burgkunstadt führte zu einer Kontroverse. Kritiker forderten, dass Kuni Tremel-Eggert aufgrund ihrer antisemitischen Schriften keine Würdigung erfahren dürfe. Die Stadt Burgkunstadt verteidigte die Ehrung damit, dass man Tremel-Eggert nur für ihre nicht antisemitischen Werke ehre.

Bücher "Die Rotmansteiner", Roman aus dem Frankenland, 1921; "Sanna Spitzenpfeil", Roman, 1922; "Fazer Rapps und seine Peiniger", eine Erzählung aus dem Frankenland, 1923; "Die Straße des Lebens. Das Schicksal einer Mutter", Roman, 1928; " Barb. Der Roman einer deutschen Frau", 1934, letzte, 54. Auflage 1942; "Sonnige Heimat", Erzählungen, 1935; "Der Schmied von Haßberg", Roman, 1937; "Freund Sansibar - Roman aus unseren Tagen", 1938.