von unserem Mitarbeiter Stefan Lutter

"Auch in einem Alter von jenseits der 70 kann man noch etwas für seinen Körper tun", findet Karin Müller. Diesen Gedanken setzt sie seit einigen Monaten erfolgreich in die Tat um, indem sie ehrenamtlich "Bewegungsstunden" im ASB-Seniorenzentrum anbietet. Mittlerweile hat sich ein fester Teilnehmerstamm entwickelt, der einmal monatlich Körper, Geist und Seele Gutes tut.
Im Gegensatz zu einem "echten" Fitness-Studio muss im Gruppenraum im ersten Stock des Seniorenheims niemand an seine Leistungsgrenzen gehen. Wenn zum "Fliegerlied"-Rhythmus die Hände gehoben werden sollen, bleibt einfach ein Arm unten, wenn die Schulter zwickt. Wer Probleme mit der Hüfte hat, lässt die Skifahr-Übung aus und macht erst beim Fersenheben wieder mit. Immer wieder wird gefragt, ob es allen gut geht, oder ob eine Trinkpause eingelegt werden soll.
"Der Spaß soll im Vordergrund stehen", erklärt Initiatorin Karin Müller die lockere Atmosphäre, die schon beim einleitenden "Ententanz" deutlich wird, und die sich fortsetzt, wenn beim Training viel gelacht wird und sich die Teilnehmer nicht selten gegenseitig necken.
Das soll freilich nicht heißen, dass die "Seniorenbewegung" chaotisch und ungeplant verläuft. Im Gegenteil: Die Gruppenleiterin steckt viel Mühe in die Ausarbeitung des Programms, das zwar immer dem gleichen Schema folgt, in den einzelnen Teilen aber so variiert wird, dass kein Treffen dem anderen gleicht. Auf das Tänzchen zum Aufwärmen folgen einfache Gymnastik-Elemente, bei denen zumeist nur einzelne Körperpartien von den Füßen und Beinen, über die Wirbelsäule, bis hin zu Armen und Händen beansprucht werden. Dann sollen die Teilnehmer bei Geschicklichkeitsübungen ihre Koordination schulen.

Die "zweite Halbzeit"


Auch die geistige Fitness kommt nicht zu kurz. Abschließend gibt es immer ein Gegenstände-Memory, ein Alphabet-Spiel oder Sinnesübungen, bei denen mit verbundenen Augen Objekte ertastet und Kräuter am Geschmack oder Geruch erkannt werden müssen. Neben dem zwanglosen Ablauf ist es gerade diese Mischung, die bei den sechs festen Teilnehmern (teilweise kommen auch doppelt so viele) gut ankommt: "Es wird immer etwas Neues geboten", betonen sie während der "zweiten Halbzeit" des sportlichen Nachmittages: Ein geselliges Miteinander bei Kaffee und Kuchen im "Café Vital" des Seniorenheims ist ebenfalls fester Bestandteil der Gruppe. Außerdem seien die monatlichen Stunden eine "prima Möglichkeit, fit zu bleiben", ohne in einen Sportverein eintreten oder Geld für ein Studio bezahlen zu müssen.
Schon als der Neubau der Einrichtung am Schwarzen Weg bekannt wurde, fasste Karin Müller den Entschluss, sich für die Bewohner zu engagieren. Sie besuchte daraufhin ein Betreuungsseminar in Köln, das sie auf die Idee zur Seniorenbewegung brachte. Zwar gebe es im Jura städtchen bereits mehrere Aktivitäten für ältere Mitbürger, diese zielten jedoch eher auf Unterhaltung und Information ab. Ein sportliches Angebot vermisste die 52-Jährige Büro-Angestellte, die im April 2011 zur ersten "Bewegungsstunde" einlud.
Diese hielt sie zunächst im ASB-Schulungsraum in der Niestener Straße ab. Nach Einweihung des Seniorenzentrums im Juni wurde das Training dort fortgesetzt, um auch den Bewohnern die Möglichkeit zu geben, mitzumachen. Allerdings versichert Müller, dass das Angebot jedermann offen stehe. Bei der Mehrzahl der Teilnehmer, deren Alter zwischen 53 und 81 Jahren liegt, handele es sich gar nicht um Heimbewohner, sondern um aktive Senioren.
Wer Freude an Bewegung hat, kann bereits am morgen, Mittwoch, ab 14 Uhr, im ASB-Seniorenzentrum bei der nächsten "Bewegungsstunde" mitmachen. Allerdings bittet Karin Müller wegen des begrenzten Raumangebotes um vorherige Absprache unter Rufnummer 09575/981691. Mittelfristig sei auch ein Umzug an einen anderen Trainingsort kein Problem, falls sich noch mehr fitte Senioren bei "Fliegerlied" und "Ententanz" wohlfühlen wollen.