Lange Zeit hatte Winfred Bogdahn keine Ahnung. Keine Ahnung von den versteckten Qualitäten seines heute 32-jährigen Sohnes Philip. "Man lebt zwar jeden Tag miteinander, aber ich habe lange Zeit gar nicht gemerkt, wie gut der Kerl eigentlich kochen kann", sagt der ehemalige Lichtenfelser Bürgermeister.

Mittlerweile stehen die beiden Hobbyköche regelmäßig zusammen in der Küche. Sowohl am Wochenende, wenn Menüs für die ganze Familie aufgetischt werden, als auch im Lichtenfelser Club der Hobbyköche, dem seit einigen Monaten auch Sohn Philip angehört. "Wir hatten zuletzt einen Generationswechsel, viele Ältere sind ausgetreten, dafür sind junge Leute wie mein Sohn dazugekommen", erklärt Winfred Bogdahn. Zuletzt konnte Philip seinen Vater mit einem indischen Menü begeistern. In der Küche ergänzen sie sich hervorragend, da Philip der Kreative und Wagemutige sei und er eher den konservativen Part einnehme. Ihr gutes Zusammenspiel möchten sie nun auch beim Promi-Kochduell am Montag um 19 Uhr im Möbelhaus Schmolke beweisen. Aus einem vorher festgelegten Warenkorb gilt es, in zweieinhalb Stunden ein schmackhaftes Drei-Gänge-Menü zu zaubern und sich im Duell gegen zwei FT-Leser durchzusetzen.


Gewissenhafte Vorbereitung

Damit das gelingt, bereiten sich Vater und Sohn akribisch auf den großen Kochabend vor. "Natürlich haben wir nicht die Zeit, vier Tage Probe zu kochen, aber wir werden schon einige Sachen ausprobieren, um zu sehen, ob das geschmacklich zusammenpasst", sagt Bogdahn. Vor der ungewohnten Küche im Möbelhaus hat der Gymnasiallehrer etwas Respekt: "Ich weiß, dass vor Ort alles top vorbereitet sein wird, bin aber beruhigt, dass ich eigene Messer, Kartoffelschäler und Fleischthermometer mitbringen darf." Der Warenkorb für die Kandidaten ist bunt gemischt und mit saisonalen Produkten wie Spargel und Erdbeeren bestückt. Außerdem beinhaltet die Zutatenliste unter anderem Schweinefilet, Speck, Kartoffeln und allerhand Gemüse- und Salatsorten. Für den süßen Gaumen stehen Äpfel, Vanille, Honig, Kakao und Schokolade zur Verfügung. "Wir möchten eine klassische, fränkische Küche kochen, die nicht ganz in Fett ersäuft", schmunzelt Winfred Bogdahn. Solange man mit der Portionsgröße nicht übertreibe, könne auch die heimische Küche durchaus gesund sein.

Mit dem vorhandenen Warenkorb zeigt sich der 62-Jährige insgesamt zufrieden: "Erwartungsgemäß sind die Zutaten saisonal und regional, was auch gut ist. Ich hoffe, uns gelingt was Ordentliches." Vater und Sohn haben zwar bereits ein grobes Menükonzept im Kopf, halten sich aber auch die Möglichkeit offen, kurzfristig alles noch mal umzuwerfen.
Viele konkrete Bestandteile des Menüs möchte Winfred Bogdahn noch nicht preisgeben: "Ich kann verraten, dass wir die Erdbeeren nicht im Dessert, sondern in der Vorspeise verwenden." Für die Nachspeise ist eine "Tarte Tatin", ein traditioneller fränzösischer Apfelkuchen aus Mürbteig, vorgesehen.

Der französischen Küche ist Bogdahn schon länger äußerst zugetan. Lieben gelernt hat er diese im Rahmen der Städtepartnerschaft zwischen Lichtenfels und dem französischen Städtchen Cournon in der Auvergne. Beim Besuch in Frankreich im Jahr 1992 wurde den deutschen Gästen sämtliche regionale Spezialitäten aufgetischt. Bogdahn: "Die Franzosen lassen sich schon mehr Zeit zum Genießen, bei uns geht das ja meist ruckizucki." Trotzdem lasse sich die Art der deftigen Küche in der Auvergne sogar mit der Fränkischen vergleichen.

Doch nicht alle Delikatessen waren nach dem Geschmack des 62-Jährigen. So reichte er seine reichhaltigen Portionen von Schweinsfüßen und sogenannten Tripoux - zu einem Päckchen zusammengewickelte Schafsinnereien - höflich an seine Freunde weiter. Allgemein ist fettiges Fleisch überhaupt nicht der Fall des ehemaligen Bürgermeisters: "Da dreht sich mir der Magen seit frühster Kindheit um." Eine weitere französische Spezialität, Froschschenkel, hat er bisher einmal probiert. Und zwar nicht in Frankreich, sondern in Deutschland. Die Schenkel würden wie zartes Hühnchenfleisch schmecken. Bogdahn erklärt, dass die vermeintliche Delikatesse früher in Deutschland durchaus präsent war. "Mir wurde erzählt, dass in den 1950er Jahren auch hier in der Gegend Frösche an Weihern gefangen wurden und als Arme-Leute-Essen dienten."


Sauerkraut selbst gemacht

Bogdahn selbst schätzt vor allem die Klassiker. Lieblingsgerichte sind unter anderem Rindfleisch mit Kren und Linsen mit Mehlspatzen. Eine besondere Tradition in der Familie Bogdahn ist seit 15 Jahren die eigene Produktion von Sauerkraut. Zusammen mit einigen befreundeten Paaren werden zweimal im Jahr rund zwei Zentner Kraut hergestellt. Zelebriert wird jede Produktion mit einem großen Familienfest. "An den Festen habe ich dann noch mehr Spaß als am Sauerkraut selbst ", lacht Bogdahn.

Grund zu lachen wird es für Philip und Winfred beim Kochduell allemal geben. "Die Freude und der Spaß stehen im Vordergrund", sagt er. "Aber wir machen natürlich nicht mit, um uns zu blamieren. Wir möchten schon ein gutes Bild abgeben."