Bad StaffelsteinVor Ladenschluss noch schnell was im Supermarkt kaufen. Auto abgestellt, in den Laden gerannt - puh, das war knapp. Doch was ist das? Oh nein, ein Knöllchen. Mist, ein Behinderten-Parkplatz, einfach übersehen! Aber wo war denn da ein Schild? Ach da, ein Baum hat es verdeckt.

In etwa so muss sich Uwe Kraus aus Lichtenfels gefühlt haben, als er nach einem Ausflug am Badesee in Bad Staffelstein ein Knöllchen hinter den Scheibenwischern seines Wagens fand - das Schild für die Behinderten-Parkplätze war verhängt, sagt er.

Eine "Schutzbehauptung", glaubt Alfred Meixner, Hauptkommissar bei der Polizei in Bad Staffelstein. "Wir würden nicht tätig werden, wenn das Schild unerkennbar wäre. Außerdem prüfen die Beamten vorab die Örtlichkeit", erklärt Meixner. Sollte einmal ein Schild verhängt oder verdreht sein, dann würden die Beamten das an die Stadt weitergeben - von einer Bußgeldstrafe würde die Polizei in solch einem Fall Abstand nehmen.


60 Fälle jährlich in Lichtenfels

Um die 50 beklebte Schilder und zehn verdrehte Schilder werden im Jahr beim Stadtbauhof Lichtenfels gemeldet, sagt Andreas Dierauf, stellvertretender Bauhofleiter. Falschparker werden in solchen Fällen nicht von der Polizei belangt, erklärt Jürgen Kremer, Sachbearbeiter Verkehr in Lichtenfels. "Man kann es Fahrern nicht zumuten, dass sie alles wissen, was die Regelung des Verkehrs betrifft."

Aber Kremer sagt auch: "Es gibt kein Gewohnheitsrecht." Den Satz: "Das war schon immer so", lassen die Beamten dann nicht gelten. Der Fahrer muss nämlich Wege von 100 bis 200 Metern auf sich nehmen, wenn er sich bei der Beschilderung nicht sicher ist. Anders sieht es beim fließenden Verkehr aus. Sind dort Schilder unkenntlich, zählen sie nicht. Und bei Baustellen, erklärt der Sachbearbeiter, ist das öfter der Fall, weil die alten Schilder verdreht werden.

Besonders gut aufpassen, sollten Autofahrer hingegen im Winter. Auch wenn das Stoppschild und das Vorfahrt-gewähren-Schild verschneit sind, fallen sie trotzdem durch ihre einzigartige Form auf. "Da kann man sich nicht darauf berufen, dass man das Schild nicht erkennen konnte", sagt Kremer. Also gibt es kaum Fälle von Selbstverschulden? Nicht ganz. Ändern sich die Parkvorschriften während der Autobesitzer im Urlaub ist, gilt das als Selbstverschulden. Der Grund: Ist der Besitzer länger als 96 Stunden weg, muss jemand anders einen Blick auf den Wagen haben - und ihn im Notfall auch mal wegfahren.

Willkürlich Schilder ändern darf eine Gemeinde übrigens nicht. Wird die Parkregelung geändert, werden die bereits parkenden Fahrzeuge notiert - so kann nachvollzogen werden, wem zu Unrecht ein Bußgeldbescheid hinter den Scheibenwischer gesteckt wurde. Das Falschparken auf einem Behinderten-Platz kostet in Bad Staffelstein 35 Euro, im Halteverbot fallen 15 Euro an.

Kommentar Sarah Stieranka

Die zuständigen Beamten der Polizei in Lichtenfels und Bad Staffelstein sagen: Schilder müssen für den Fahrer gut sichtbar sein, ansonsten sind sie ungültig. Verständlich, aber was ist mit den ganz Schlauen - solchen, die im Halteverbot parken, das Schild verdrehen und behaupten, das sei bereits so gewesen. So etwas soll es ja auch geben. So zuvorkommend und ritterlich die Vorgehensweise der Polizei im Landkreis auch ist, eine Absicherung sieht anders aus.
Ich will es wissen und suche die besagten Behinderten-Parkplätze am Badesee auf - Äste verhängen das Schild, ein Sticker mit der Aufschrift "Bad Staffelstein" klebt unten dran. Übersehen kann ich es trotzdem nicht, das Blau strahlt zu stark. Außerdem prüfe ich bereits beim Einparken, wo ich stehen darf - notfalls laufe ich einige Meter zum Schild. Also reines Selbstverschulden? Naja, sagen wir mal so: Unwissenheit schützt halt vor Strafe nicht. Doch wer bestraft wird und wer nicht, darüber scheinen sind sich die Polizisten in Lichtenfels und Bad Staffelstein nicht ganz einig. Nach meiner Recherche bin ich leicht verwirrt: Ja, wie lange darf ich denn nun in den Urlaub fahren, ohne einen Aufpasser für mein Auto suchen zu müssen? Zwei bis vier Wochen oder doch 96 Stunden? Ein kleiner aber feiner Unterschied, der mich viel Geld kosten könnte. Dann doch lieber Urlaub am Badesee - wo die Behinderten-Parkplätze sind, weiß ich ja.