Annette von Bamberg ist zum ersten Mal Gast der Kultur-Initiative Bad Staffelstein. In ihrem knapp zweistündigen Programm plaudert die Kabarettistin über Bankautomaten, verstopfte Rohrleitungen und was ihr sonst auf der Seele brennt.
"Rück die Karte raus, du Drecksack": Ein Satz, der an diesen Abend mehr als einmal zu hören ist. Der Bankautomat gibt weder die EC-Karte noch Geld heraus. Nicht das einzige Problem, mit dem sich Annette plagen muss. Zuhause ist die Toilette verstopft, danach die Badewanne und schließlich auch die Dusche. Was die Kabarettistin zu der Überzeugung gelangen lässt, dass es in ihrer Wohnung Kanäle gibt, die miteinander kommunizieren.
Irgendwann gerät frau an einen Punkt, wo nur noch ein Fachmann helfen kann. Und schon erfährt das Bad Staffelsteiner Publikum eine weitere unumstößliche Erkenntnis. "Der Beruf, den du ergreifst, färbt auf dich ab." Der Lehrer beispielsweise weiß alles, kann alles, nur er hört nicht zu. Oder die Fleischereifachverkäuferin, knallrotes Gesicht, blasse Finger, sieht aus wie das Steak, das sie verkauft. Ähnliches gilt auch für die Bäckereifachverkäuferin, die nach 20 Berufsjahren mit blondgefärbten Haaren einer Torte ähnelt: "süß, aber fett." Gewisse Gemeinsamkeiten erkennt Annette auch im Berufsbild des Urologen und des Rohrreinigers. Das Staffelsteiner Publikum amüsierte sich prächtig, was auch daran gelegen haben dürfte, dass die Kabarettistin immer wieder die Zuhörer in ihre Überlegungen mit einbezog.


Der letzte Versuch

Doch bevor ein Fachmann sich mit dem Problem verstopfter Leitungen beschäftigt, wagt Frau einen letzten Versuch, selbst damit fertig zu werden. In einem entsprechenden Fachgeschäft will sie sich mit dem entsprechenden Spezialwerkzeug eindecken und gerät dabei in eine reine Männerwelt mit eigener Sprache. Unterdessen verweigert der Bankautomat weiterhin seinen Dienst. Dafür erfährt das Publikum etwas über die Nöte einer Mutter beim Mensch-ärgere-dich-nicht Spiel. Ihr Tobsuchtsanfall wird von den Kindern mit einen Verweis aus dem Zimmer geahndet. Ausflippende Mütter soll es heutzutage öfter geben. In so einem Fall rät die Erziehungsberatung zu Ritalin.
Seit einigen Wochen gibt es Lebkuchen, Nikoläuse und Jahreskalender in den Geschäften. "Jahreskalender brauchen keinen Akku und stürzen nicht ab", sagt Annette von Bamberg. Ein ideales Geschenk für Familie und Freunde. Der Mann erhält einen Wochenkalender mit den 52 schönsten Toiletten der Welt, die Freundinnen werden mit einem Ikea-Kalender bedacht und der Schwager, Bayern München Fan, bekommt einen Kalender von Borussia Dortmund.
Annette von Bamberg braucht kaum Requisiten, nur einige Seidentücher und einen Stuhl. Die Seidentücher kommen am Ende in einer Jonglage zum Einsatz. Der Stuhl dient als Mittel, um an die obersten Fächer eines imaginären Schrankes zu gelangen. Eine artistische Glanzleistung. Dem Publikum hat ihr witziges Programm bestens gefallen und der KIS ein volles Haus beschert.