Die schmucke Dorfkirche in Loffeld dürfte um einiges größer sein, als der Orchestergraben im Festspielhaus in Bayreuth. Einen Eindruck davon, wie sehr sich Posaunisten in dem relativ begrenzten Raum der Bayreuther Opernbühne anstrengen müssen, vermittelte am Mittwochabend das Posaunenquartett "Consortium Musicum". Nicht das einzige "Ah-Erlebnis" welches die Zuhörer in der gut besetzten Loffelder Kirche erlebten.
Unter der Leitung von Professor Harry Ries spielten Luc Scholtes, Dion Kowalski und Dominique Steins unter anderem Werke von Valentin Rathgeber, Richard Wagner und Hans Mielenz. Das Programm stand unter dem vielversprechenden Titel "Klangwelten in Fränkischer Tradition". Für ihr mehr als einstündiges Konzert hatten die vier Musiker die stolze Anzahl von 20 Instrumenten mitgebracht, darunter auch ein Alphorn. Hauptakteur war jedoch die Posaune. In einem kleinen Streifzug durch verschiedene Stilrichtungen zeigte das "Consortium Musicum", dass dieses Instrument an Vielseitigkeit kaum zu unterbieten ist. Schon gar nicht, wenn so ein versierter Musiker wie Professor Harry Ries sich für das Programm verantwortlich zeichnete.


"Klangwelten in Fränkischer Tradition"

Zu den "Klangwelten in Fränkischer Tradition" zählten auch drei Werke des bekannten Benediktinerpaters und Komponisten Valentin Rathgeber (1682-1750), der sich besonders um die Kirchenmusik verdient machte. Bei einem Aufenthalt außerhalb der Banzer Klostermauern entstand auch eine Reihe von weltlichen Kompositionen, von denen drei kurze tänzerisch anmutende Werke zu Gehör kamen. "Eine außergewöhnliche Musik, das hat Rathgeber bestimmt nicht in Banz komponiert", stellte Harry Ries dazu schmunzelnd fest.
Im Kontrast zu den Bläsern stand das "Loffelder Damenquartett", das unter Orgelbegleitung einige bekannte Lieder zu Gehör brachte, darunter "Tochter Zion", "Vor langer Zeit in Bethlehem" sowie ein Friedenslied. Im Gegensatz zu den schönen und ausdrucksstarken Frauenstimmen wurde es bei einer sich anschließenden akustischen Demonstration so richtig laut. Zwar stellte es Professor Harry Ries jeden Zuhörer frei, sich dabei auch die Ohren zuzuhalten, aber die taten dann doch die wenigsten.

Rund 80 Musiker sorgen im Orchestergraben des Festspielhauses für den richtigen Ton. Mit welchen Elan und welcher Lautstärke dabei die Posaunisten ihr Instrument bespielen müssen, um Gehör zu finden, demonstrierten die vier Musiker mit einem kleinen Ausschnitt aus Richard Wagners Orchesterwerk "Der Walkürenritt". "Ich wollte das dem Publikum unbedingt einmal zu Gehör bringen", erklärte Ries auf Nachfrage. Deutlich dezenter entfaltete sich dagegen das anschließende Hirtenlied in der Besetzung für Alphorn und drei Posaunen.


Quartett für vier Posaunen

Der 1909 in Berlin geborene und 1996 in Aschau im Chiemgau verstorbene Komponist, Arrangeur, Dirigent und Musiker, Hans Mielenz, zählt zwar nicht zu den fränkischen Tonkünstlern. Den Bezug zu Franken stellte die Uraufführung eines Werkes des hierzulande kaum bekannten Komponisten dar. Allerdings stellte Mielenz rund sechs Minuten dauerndes "Quartett für vier Posaunen" hohe Ansprüche an die Musiker des "Consortium Musicum". Den Namen Hans Mielenz sollte man sich merken. 2018 plant seine Wohnortgemeinde zu seinen Ehren eine große Veranstaltung, dabei ist auch ein Konzert in Bad Staffelstein geplant, wie Professor Harry Ries verriet.
Die "Klangwelten in Fränkischer Tradition" beinhalteten auch eine Hommage an heimische Musikgruppen. Ein Stück für vier Posaunen entpuppte sich als Ode an den Bad Staffelsteiner Gospelchor "Good News". Dass Blechbläser auch Zupfinstrumente imitieren können, das überraschte dann doch. Zwei Zugaben mussten Ries, Scholtes, Kowalski und Steins geben, bevor das Publikum in der Loffelder Dorfkirche zufrieden war. Ein beachtenswertes Konzert, welches die Klangwelten fränkischer Traditionen aus einem breiten Blickwinkel heraus beleuchtete.