Radtourpur - von Autos keine Spur. So lautet der Slogan, mit dem für den besonderen Radlertag geworben wird. Bis sich aber am Pfingstmontag Tausende Radfahrer, Wanderer und auch Inline-Skater auf die für den motorisierten Verkehr gesperrten Strecken machen können, gibt es viel zu tun.
Andrea Göldner, bei der Stadtverwaltung zuständig für die Tourist-Information, das Nordjura-Museum und das Stadtarchiv, ist diejenige, bei der die Fäden zusammenlaufen. Sie kümmert sich um den Internet-Auftritt, über den sich auch Gäste schon lange im Voraus über die Aktion informieren können ( www.stadt-weismain.de/radtourpur.htm) . Doch die Radtourpur, 1999 vom damaligen Bürgermeister Peter Riedel initiiert, ist keine spezielle touristische Veranstaltung. Zwei Drittel der Teilnehmer, schätzt Göldner, kommen aus Weismain und dem heimischen Landkreis. Dennoch: Anrufe oder E-Mails von Auswärtigen, die bestimmte Fragen dazu haben, gehen regelmäßig ein.

Die größte Hürde am Anfang

Eine erste Vorbesprechung mit Vertretern der drei beteiligten Kommunen war bereits im Februar. Burgkunstadt und Altenkunstadt sind seit der dritten Auflage 2001 mit im Boot. In jenem Jahr fand der erste Baur-Triathlon statt, der nun stets am Pfingstsonntag den Auftakt für das große Radlerwochenende macht. Der Tenor bei den Planungen laute inzwischen "alles wie gehabt", erzählt Göldner, denn man habe Routine erlangt.
Die größte Hürde stand ganz am Anfang: Das Sperren der Staatsstraße 2191 zwischen Weismain und Kleinziegenfeld für den Autoverkehr. Eine solche Fernstraßenverbindung kurzzeitig zu kappen, ist nicht so ohne Weiteres möglich. Beim Landratsamt als zuständige Behörde muss erst die verkehrsrechtliche Genehmigung eingeholt werden. Dies sei damals mit Überzeugungsarbeit verbunden gewesen, erinnert sich Andrea Göldner, in den Folgejahren sei es dann jedoch kein großes Problem mehr gewesen. Das gefürchtete Verkehrschaos blieb aus.
Die Resonanz gab dem früheren Bürgermeister Recht, der bei einem Urlaub an der Mosel einen Radeltag erlebt und sich Ähnliches für Weismain gewünscht hatte. Beim ersten Mal bezifferte man die Zahl der Radler und Wanderer auf rund 10 000, im zweiten Jahr sogar auf 15 000. Das Angebot steht und fällt natürlich mit dem Wetter. Während die Radler kühleren Temperaturen durchaus trotzten, wurde die Veranstaltung 2007 wegen Dauerregens vorzeitig abgebrochen. Das Wetter ist aber so ziemlich der einzige Aspekt, bei dem die inzwischen routinierten Helfer nur abwarten können. Ansonsten gibt es in den Wochen vorher einiges zu tun. Schon um Ostern sind die Briefe an mehrere Bauhöfe im Landkreis rausgegangen. Die wurden angeschrieben und um Unterstützung durch den Verleih von Verkehrszeichen gebeten. Gefragt sind Baken, mit oder ohne Beleuchtung, und das Schild "Durchfahrt verboten". Die auswärtigen Kollegen melden dann, wie viel sie davon abgeben können und vereinbaren einen Abholtermin mit dem Weismainer Bauhof.
Angeschrieben wurde auch ein gutes Dutzend Gastwirte an den insgesamt 37 Kilometer langen Strecken. Sie werden um einen Obolus gebeten und zahlen - je nach Lage - 25 oder 50 Euro. Schließlich würden sie auch von den Einnahmen durch die radfahrenden Gäste profitieren. Diese Regelung zur Mitfinanzierung des Feuerwehreinsatzes fußt auf dem Gedanken, dass bei der Radtourpur ganz bewusst auf Bratwurstbuden und sonstige Imbissstationen verzichtet wird, wie Andrea Göldner erläutert. Derlei Konkurrenz gibt es in den Sommermonaten allein durch diverse Vereinsfeste für Gastwirte ohnedies schon zuhauf. Zu den Beteiligten der ersten Stunde gehört auch das Rote Kreuz. Für eventuell benötigte erste Hilfe steht am Pfingstmontag ein Zelt auf dem Weismainer Marktplatz bereit. Zwischenzeitlich werden laut Andrea Göldner im Vorfeld BRK und der in Weismain ebenfalls vertretene Arbeitersamariterbund angesprochen. Während der Veranstaltung seien Ersthelfer mit Fahrzeugen auf den Strecken unterwegs.

Wie kommen die Pilger zum Bus?

Manches ist aber trotz aller Umsicht nicht vorhersehbar und erfordert spezielle Bemühungen. Heuer startet beispielsweise eine Wallfahrt nach Lourdes, deren Teilnehmer am Vormittag mit dem Bus zum Nürnberger Flughafen gebracht werden müssen. Bei der Planung war man davon ausgegangen, dass die Abfahrt - wie in früheren Jahren - weit vor der Straßensperrung ab 9 Uhr sein würde, doch aufgrund einer späteren Abflugzeit musste man die veränderten Umstände berücksichtigen. Der Bus fährt nun von Modschiedel auf einer nicht gesperrten Strecke über Neudorf nach Weismain zum Einstieg am alten Feuerwehrhaus. Über Schleichwege kommen Ortskundige voran, und wer sich nicht sicher ist, für den findet Organisatorin Marianne Marzog bestimmt eine Lösung.
Um die hundert Leute, manche länger, manche nur stundenweise, sind von der Feuerwehr bei der Radtourpur involviert. Die Erfahrungen haben nämlich gezeigt: So eine Absperrung alleine hält niemanden auf. Deshalb werden Helfer auf die Posten gestellt, ist die Polizei eingebunden.
Andrea Göldner druckt einen Stapel Tourenpläne aus, die sich Interessierte am Infostand auf dem Marktplatz mitnehmen können. Im vergangenen Jahr hätten 500 gereicht, es seien aber auch schon 2000 Stück davon gebraucht worden, berichtet sie. Es heißt also, flexibel sein, bei Bedarf kurzfristig nachlegen. Auch an die Einladungen an Ehrengäste muss gedacht werden. Sehr kurzfristig und mit vereinten Kräften werden die Absperrungen aufgestellt. Diese maßgeblichen Vorarbeiten erledigen die Stadtarbeiter. Sie liefern auch den Informationsstand am Marktplatz an, stellen daneben noch eine Birke zur Zierde auf. Georg Krapp, Leiter des Bauhofes in Weismain, ist von Anbeginn an dabei. Eine Urlaubssperre brauchte er noch nie zu verhängen. Den Kollegen sei die Bedeutung des Aktionstages klar, und dass da viele Helfer gebraucht werden, sagt er.

Ein besonderes Flair

"Die Radtourpur ist für Weismain eine ganz wichtige Sache", bekräftigt auch Andrea Göldner. Weil dies so eine positive Veranstaltung sei. Entsprechend sei stets auch das Feedback gewesen, das sie erhalten habe. Die meisten Teilnehmer würden sich immer schon aufs nächste Jahr freuen. Es ist eben etwas Besonderes, die schöne Juralandschaft mit ihren Felsformationen, Wiesen, Bächen und Wacholderhängen von der Straße aus, aber doch ungestört vom motorisierten Verkehr, erleben zu können. Um dieses Flair weiß Andrea Göldner allerdings nur vom Hörensagen, denn sie selbst hat jenen Tag noch nie im Tal erlebt: "Wir stehen die ganze Zeit über im Infostand am Marktplatz", sagt sie mit einem Lachen.