Etwa 150 Zuhörer fanden vergangenen Sonntag ihren Weg durch den Regen in den Kaisersaal von Kloster Banz zum Konzert "Violinsonaten um 11" mit Violinist Peter Rosenberg und Pianist Ge rgö Nagy.

Vergessen kann man das Grau des Himmels und des Alltags, wenn man ihnen bei der ruhigen Melodie des zweiten Satzes von Beethovens "Frühlingssonate" zuhört, oder wenn man von der Vitalität in Charles Ives' vierter Violinsonate angesteckt wird oder den beiden Musikern fasziniert zusieht und -hört, mit welcher Perfektion und Hingabe sie die "Kreutzersonate" von Beethoven spielen.

Je zwei Stücke von Ludwig van Beethoven und Charles Ives standen alternierend auf dem Programm. Ives als amerikanischer, an der Universität Yale ausgebildeter Komponist, passt hervorragend in die Konzertreihe "Kammerkonzerte auf Kloster Banz", die in dieser Saison unter dem Motto "Amerika" steht.

Ives wurde zwar rund 100 Jahre nach Beethoven geboren, trotzdem bestehen Verbindungen. Er zitierte gern Werke anderer Komponisten und verwendete häufig Ausschnitte aus Beethovens Kompositionen. Allerdings wurde er für die Sonate für Violine und Klavier Nr. 4 von Musik seiner Gegenwart inspiriert, denn er verarbeitete unter anderem Lieder, die Kinder beim Gottesdienst sangen. Auch hier zeigt sich Ives' Stil, Spannungen bewusst beizubehalten. Achim Melzer, künstlerischer Leiter der Konzertreihe und selbst Cellist bei den Bamberger Symphonikern, wandte sich vorab ans Publikum.

Im "Largo" für Violine und Klavier, dem zweiten Stück von Ives bei diesem Konzert, setzt er Dissonanzen besonders effektvoll ein. Rosenberg verleiht dem Klang mal eine schale, dann wieder eine brillante Farbe, wechselt oft unvermittelt. Obwohl in ihrem Stil und ihrer Technik 100 Jahre auseinander, erinnert der Kopfsatz von Beethovens "Frühlingssonate" mit seiner jugendlichen Frische und Verspieltheit charakterlich auch an Ives' Violinsonate Nr. 4.


Tüchtige Geiger auf der Bühne

Der Wohlklang dieser klassischen Sonate lud dazu ein, mit geschlossenen Augen zu lauschen - dem kamen auch einige Zuhörer nach. Virtuosität und Ausdauer bewiesen beide Musiker bei Beethovens "Kreutzersonate" in A-Dur, op. 47. Laut Beethoven ist die Sonate "für einen tüchtigen Geiger geschrieben" und beide Musiker zeigten sich mehr als tüchtig. Nicht nur in der Technik, sondern auch im Ausdruck waren sie brillant.

Beide Musiker beherrschen ihr Fach. Rosenberg war über 30 Jahre lang erster Konzertmeister der Bamberger Symphoniker, gewann zahlreiche Preise, unter anderem beim Deutschen Musikwettbewerb in Bonn, und widmet sich auch der Lehre. Obgleich einiges jünger, kann auch Nagy einen hervorragenden Werdegang vorweisen.
Nach seinem ersten Unterricht in seiner Heimat Rumänien studierte er in Lausanne, nahm europaweit an Meisterkursen teil und trat als Pianist in vielen europäischen Ländern auf. Eine Verbindung zwischen den beiden Musikern besteht durch Rosenbergs Stiftung, die den musikalischen Nachwuchs in Rumänien fördert.

Rosenberg selbst wurde im rumänischen Klausenburg geboren und auch Nagy ist dort aufgewachsen. Mit "Bravo"-Rufen honorierte das Publikum die Leistung der beiden Musiker.