"Ich habe in 46 Jahren nur ganze sechs Heimspiele vom Club verpasst", sagt Otto Scheer und fügt direkt energisch hinzu: "Aber nur, weil ich da auf Kur musste". Der Vorsitzende des 1. FCN-Fanclubs Wiesen und Umgebung ist laut Aussage der anderen Mitglieder eine lebende Legende. So hatte er zum Beispiel zu seinem 60. Geburtstag über 1000 Gäste, die ihn gefeiert haben. "Die Leute kamen aus ganz Deutschland", erzählt der heute 68-Jährige stolz.

Dass der 1. FC Nürnberg sein Leben ist, wird dem neutralen Betrachter schon deutlich, wenn man Otto Scheer zu Hause in Mürsbach besucht. Ein ganzes Zimmer ist hier für "seinen" Club reserviert. So sind sämtliche Wände mit Auszeichnungen, Wimpeln und Autogrammkarten bedeckt. Auf einer Komode stehen außerdem etliche Pokale, die der Fanclub Wiesen und Umgebung gewonnen hat. "Der absolute sportliche Knaller unserer Vereinsgeschichte war der Gewinn der deutschen Fan club-Meisterschaft 2004 in Bitburg", sagt Ottmar Kerner, der Zweite Vorsitzende des Fanclubs.


Größter FCN-Fanclub überhaupt



Heute, knapp 36 Jahre nach Gründung, zählt der Fanclub Wiesen und Umgebung unglaubliche 1066 Mitglieder. "Wir sind damit der größte FCN-Fanclub in ganz Deutschland", betont der Staffelsteiner Ottmar Kerner. Angefangen hat alles am 1. November 1976 im Gasthaus Hellmuth in Wiesen, als sich neun Fans trafen. "Nach einem verlängerten Frühschoppen kamen wir auf die Idee, einen Wiesener Fanclub zu gründen", erzählt Georg Scheer. Sein Bruder Otto war damals natürlich auch dabei.

Im Laufe der Jahre traten immer mehr Leute in den Fanclub ein, bis vor ungefähr zwei Jahren die magische 1000-Mitglieder-Grenze durchbrochen werden konnte. Klaus Wehling zeigt dabei auf den Vorsitzenden und sagt: "Das ist Ottos Verdienst. Wir haben sogar Fanclub-Mitglieder aus Holland, Belgien und Bali. Die sind alle nur wegen Otto eingetreten."


Promis auf der Mitgliederliste



Dabei konnte "Kaiser Otto", wie er auch von manchen genannt wird, sogar viele Prominente für den Fanclub Wiesen und Umgebung gewinnen. Bekannte Politiker wie Günther Beckstein, Karl-Theodor zu Guttenberg oder Markus Söder finden sich auf der Mitgliederliste. Manager Martin Bader und die Aufsichtsratsmitglieder Klaus Schramm und Hanns-Thomas Schamel vom 1. FC Nürnberg sind auch dabei. Hinzu kommen auch der ehemalige Lichtenfelser Landrat Reinhard Leutner, sein Nachfolger Christian Meißner und der Bamberger Landrat Günther Denzler. Sogar Geistliche wie Ludwig Schick, der Erzbischof von Bamberg, und Helmut Bauer, der emeritierte Weihbischof aus Würzburg, sind Mitglieder im Wiesener Fanclub.

"Wir haben sogar mal den Papst angeschrieben, aber leider kam keine Antwort zurück. Unsere geistlichen Mitglieder wollen ihn aber nochmal darauf ansprechen, wenn sie ihn das nächste Mal treffen", sagt Otto Scheer.
Sogar ins Fernsehen hat es der Fanclub Wiesen schon geschafft. "Vor zwei Jahren waren Otto und ich bei Blickpunkt Sport eingeladen", erzählt Ottmar Kerner, "da konnten wir unseren Fanclub etwas näher vorstellen". Spätestens seit diesem TV-Auftritt sei "Kaiser Otto" in ganz Deutschland bekannt. "Mich kennen nahezu alle Fans und Verantwortlichen des 1. FC Nürnberg. Wenn ich im Stadion bin, darf ich überall im Innenbereich rumlaufen", sagt Otto Scheer. Dann ergänzt er noch: "Leute aus ganz Deutschland kommen zu mir nach Hause. Ich hab' sogar einmal gehört, dass mich Franz Beckenbauer irgendwann besuchen möchte."


Er singt vor über 60.000 Fans



Die traditionelle Fanfreundschaft des 1. FC Nürnberg mit Schalke 04 hat ihn darüber hinaus auch im Ruhrgebiet bekannt gemacht. Immer, wenn diese beiden Mannschaften gegeneinander spielen, ist Otto Scheer dabei. In Gelsenkirchen kann ihn dann das ganze Stadion sehen und hören. "Beim Auswärtsspiel auf Schalke singt Otto immer vor dem Spiel das Lied der Fanfreundschaft. Dieser Gesang wird dann in der Halbzeitpause auf dem Videowürfel im Stadion vor über 60.000 Zuschauern abgespielt", erzählt Ottmar Kerner. Da überrascht es nicht, dass Otto Scheer sich und seinen Fanclub Wiesen in den vergangenen Jahrzehnten in ganz Deutschland bekannt gemacht hat.

Man darf daher gespannt sein, wie viele Leute ihm in zwei Jahren zu seinem dann 70. Geburtstag persönlich gratulieren möchten. Es ist gut möglich, dass er dann, wie vor acht Jahren, wieder über 1000 Gäste begrüßen darf.