Selten sind so viele junge Leute dabei, wenn politische Gremien tagen. Diesmal übernahmen sie während der Kreistagssitzung sogar einen tragenden Part. Acht Schüler der Gymnasien Lichtenfels und Burgkunstadt präsentierten den Kreisräten die Ergebnisse des Jugendforums auf Kloster Banz vom Januar und März unter der Regie des Lüneburger Professors Waldemar Stange. Jener war ebenfalls nach Lichtenfels gekommen und voll des Lobes über das Engagement der Jugendlichen hier. Eine Besonderheit stellte er voran: Von allen vier Landkreisen, in denen im Zuge der Demografiestrategie der Bundesregierung mit jungen Leuten gearbeitet wurde, zeigte sich am Obermain die größte Verbundenheit des Nachwuchses zu der Region. Nach Ausbildung oder Studium wollen 70 Prozent von ihnen wieder oder noch hier leben. Die drei anderen Landkreise schnitten da viel schlechter ab. Der Professor würdigte zudem die positive Einstellung der Jugendlichen: "Das ist ein Pfund!" Im Jugend-Demografie-Dialog sollte der Jugend eine Stimme gegeben werden, den demografischen Wandel mitzugestalten. Die Leuphana-Universität Lüneburg begleitet diesen Prozess, der noch nicht abgeschlossen ist.


Internet verstärkt nutzen

Es war also ein Zwischenstand, was im Landratsamt zu lesen und zu hören war. Stärken und Schwächen der Heimatregion arbeitete das Jugendforum heraus. Zu den Stärken gehören die Gasthaus- und Brauereikultur, landschaftliche Schönheit und Sehenswürdigkeiten, die geografische Lage und niedrige Lebenshaltungskosten. Zu den Schwächen das Fehlen einer Hochschule und wenig belebte Innenstädte. Vielleicht könnte sich mit Tutorial Learning, auf dem Internet basierendes Lehren und Lernen, der Besuch einer Uni einmal erübrigen? Jedenfalls setzen die Schüler auf den Ausbau schnellen Internets durch Glasfaserkabel in allen Orten, ebenfalls auf den Ausbau von Home Offices in einer familienfreundlicheren Arbeitswelt. Sie regen ein Netzwerk von Firmen an, das Werbung an Schulen macht. Sie wünschen sich auch mehr Unterstützung für kleine Handwerksbetriebe und bessere Bezahlung in Handwerksberufen. Zur Verbesserung der Mobilität und Versorgung in den Dörfern haben die Jugendlichen einige Ideen: landkreisübergreifende Semestertickets, ehrenamtlich organisierter Gemeinschaftseinkauf oder registrierte, seriöse Mitfahrgelegenheiten. Natürlich wünschen sie sich mehr Freizeitaktionen speziell für Jugendliche, Musik- und Sport-Events. Manches mag auf den ersten Blick nicht leicht umsetzbar erscheinen. Trotzdem lohnt es sich, hinzuschauen, was jungen Leuten wichtig ist, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Das taten einige Kreisräte. Sie konnten nachvollziehen, dass ehrenamtliches Engagement etwa neben der Schule bei mehreren Tagen Nachmittagsunterricht in der Woche vielen kaum möglich ist, auch wenn sie es gerne tun würden. Anreize über die Schule zu schaffen, wäre wohl ein sinnvoller Weg, den man beschreiten könnte. Die Schüler wollen mitreden, ihre Sicht der Dinge einbringen. Der Lichtenfelser Bürgermeister versicherte, dass er dazu weitere Gelegenheiten anbieten werde.