Den 14. September wird Jörg Will so schnell nicht vergessen. "Ich habe gleich gemerkt: Das ist mein Tag", erinnert er sich an das Bundesschießen für Soldatenkameradschaften. Bis aus dem Gefühl Gewissheit wurde, dauerte es einige Wochen. Denn erst jetzt steht fest: Der Weismainer kann sich Deutscher Meister der SK-Schützen nennen.
30 Schuss - 30 "Zehner". Dass er die bestmögliche Trefferzahl erreicht hatte, wusste Will sofort, als er seine Serie auf dem Schießstand im oberpfälzischen Traunfeld beendet hatte: "Mein erster Gedanke war: Wenn das nicht für einen Platz unter den ersten drei reicht, ist es Zeit, aufzuhören."
Die Sektkorken konnte der 41-Jährige noch nicht an Ort und Stelle knallen lassen. Denn das Schießen findet nicht zentral statt, sondern verteilt sich auf mehrere Wettkampfstätten in den jeweiligen Bundesländern. Die Auswertung erfolgt in Wiesbaden, wo die Resultate der insgesamt 3265 Teilnehmer gesammelt und verglichen wurden. 122 waren es übrigens, die sich in Jörg Wills Kategorie, Luftgewehr Auflage/Alt/Einzel, über ihr Landesschießen für den Bundesentscheid qualifiziert hatten.
"Nervenaufreibende Wochen" vergingen, bis die Auswertung bekannt gegeben wurde. "Ich habe immer wieder im Internet geschaut, ob schon etwas feststeht", blickt Will zurück. Als dies dann der Fall war, kannte seine Freude keine Grenzen: Auf der Ergebnisliste stand sein Name ganz oben. Noch vor sieben weiteren Schützen aus den Verbänden Schleswig-Holstein, Hessen, Niedersachsen und Südhannover-Braunschweig, die ebenfalls 30-mal ins Schwarze getroffen hatten.
Bei Ringgleichheit werden die letzten zehn Schuss "gezirkelt", der Abstand des Durchschlags zur absoluten Scheibenmitte gemessen. Es entschieden also Bruchteile von Zehntelmillimetern - zugunsten von Jörg Will. In seiner Vita stehen mehrere Vereinsmeistertitel und zwei Schützenkönigswürden der Schützengesellschaft, doch die Deutsche Meisterschaft bezeichnet er als größten sportlichen Erfolg seines Lebens. Und in diesem spielt das Sport schützenwesen schon immer eine wesentliche Rolle.
"Ich stamme aus einer echten Schützenfamilie", erklärt er. Seine Eltern Georg und Heidi sowie Bruder Frank schätzen alle, wie er, die Mischung aus Geselligkeit im Verein und Einzelsport im Schießstand. Seit seinem siebten Lebensjahr ist Jörg Will Schütze ("Was heute gar nicht mehr zulässig wäre").
Dem Hobby hat der gebürtige Würzburger trotz mehrerer Umzüge die Treue gehalten. Seit mehr als 20 Jahren gehört er der Weismainer Schützengesellschaft an, seit 16 zusätzlich der Schießgruppe der Soldatenkameradschaft, deren Leiter er inzwischen ist.

Im richtigen Moment konzentriert

"Die Zeiten, in denen ich sechs Tage die Woche zwei Stunden lang trainiert habe, sind vorbei. Jetzt geht es darum, im richtigen Moment voll konzentriert zu sein", antwortet er auf die Frage nach seiner Vorbereitung auf das Bundesschießen, wobei er zugibt, dass sein Sportgerät nicht ganz unwichtig war. Vor eineinhalb Jahre schaffte er sich ein neues Luftgewehr an, ein "Feinwerkbau P700", Kostenpunkt: mehr als 2000 Euro. Zwei Wochen lang verbrachte er jeden Abend damit, die Sportwaffe für sich einzustellen. Ein finanzieller und zeitlicher Aufwand, der sich ausgezahlt hat, wie auch der Vorsitzende der Soldatenkameradschaft, Alexander Müller, bei einer Feierstunde im Schützenhaus bemerkte. Er zeigte sich hocherfreut darüber, dass die Weismainer SK erstmals einen Bundessieger in ihren Reihen hat. Jörg Will habe sich den Titel auch deshalb verdient, weil er in jahrelangen Anläufen meist nur knapp gescheitert war. Müller verwies auf dessen zweiten Platz im Vorjahr.
Bürgermeister Udo Dauer bezeichnete Jörg Will als "sportliches Aushängeschild", das seinen herausragenden Leistungen der vergangenen Jahre mit dem Bundessieg die Krone aufgesetzt habe. Die Stadt Weismain sei stolz auf dessen Leistung und die der gesamten Schießgruppe.