Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wurde gestern bei seiner Ankunft in Weismain mit festlicher Musik und viel Beifall empfangen. Dem Gast aus München, der mit einem symbolischen Spatenstich den Startschuss für den Bau der 7,2 Millionen Euro teuren Weismainer Umgehung gab, wehte aber auch ein scharfer Wind des Protests entgegen - der aus Richtung des Bundes Naturschutz kam.
"Es wird wertvolles Ackerland für eine Maßnahme verbraucht, die angesichts der sehr geringen Verkehrsbelastung Weismains von nur 700 Fahrzeugen am Tag völlig unnötig ist", lehnte deren Kreisgruppenvorsitzender Anton Reinhardt die Maßnahme in Bausch und Bogen ab. "Die Umgehung wurde den Menschen vor Ort nicht übergestülpt - sie haben sie sich vielmehr gewünscht", konterte der Gescholtene.
Während die Umweltschützer auf einem ihrer Plakate die einfache Gleichung aufstellten "Straßenbau = Landschaftsklau", machte der Minister eine ganz andere auf, für die er viel Beifall erntete: "Lärm macht krank. So haben es viele Weismainer empfunden. Sie wollen den Straßenverkehr eben nicht vor ihrem Wohnzimmerfenster."


Überlegungen seit 1922

Was lange währt, wird endlich gut: Nach 95 Jahren kommt es nun endlich zum Bau der Weismainer Umgehung. 1922 hatte man in der Jurastadt die ersten Überlegungen dazu angestellt. Gestern wurde nun im Beisein des Ministers der symbolische Spatenstich vollzogen. Zahlreiche Bürger und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens hatten sich an der Linde unweit der Abzweigung nach Kaspauer eingefunden, um der kleinen Feierstunde beizuwohnen. Für die festliche musikalische Umrahmung sorgten ein paar Straßenmusikanten namens "Cantata Jubilata". Dahinter verbargen sich Musiker des staatlichen Bauamtes in Bamberg. Mit der Weismainer Umgehung, aber auch der geplante Fortführung der Straße über den Jura durch den Landkreis Lichtenfels, werde, so Herrmann, eine gute Anbindung an die A70 geschaffen. Das sei ganz im Sinne der heimischen Wirtschaft und trage zur wirtschaftlichen Stabilität bei. "Die neue Straße ist eine Zukunftsperspektive für die Region rund um Weismain", lautete das Fazit des Redners.
Landrat Christian Meißner (CSU) machte eine ganz andere Rechnung auf: Mit dem Bau der Juraumgehung werde das Kleinziegenfelder Tal konsequent vom Schwerlastverkehr verschont bleiben. Zudem biete die Weismainer Umgehung die Chance, die Innenstadt Weismains neu zu gestalten und zu verschönern. "Heute ist ein Tag, der in die Geschichtsbücher Weismains eingehen wird", frohlockte Bürgermeister Udo Dauer (CSU).
Historie Erste Überlegungen wurden bereits im Jahre 1922 angestrengt. Diese wurden in den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts wieder aufgenommen, aber durch die Wirren des Zweiten Weltkrieges ausgesetzt. In den 90er Jahren wurde das Thema erneut aufgegriffen.
Bei einem Bürgerentscheid entschied sich 1998 die Mehrheit für die Trasse, die jetzt gebaut wird. Der endgültige Durchbruch war die Aufnahme der Trasse in die Dringlichkeitsstufe Eins für den Ausbau der Staatsstraßen.

Gesamtkosten Sie werden sich auf rund 7,3 Millionen Euro belaufen. Davon entfallen auf die Baukosten sechs Millionen Euro und auf den Grunderwerb 1,3 Millionen Euro.

Zeitplan Für 2017 ist der Bau des Kreisverkehrspunkts Süd bis zum Hutzelbrunnen geplant; für 2018 der Kreisverkehrspunkt Nord und die Kreuzung Giechkröttendorfer Straße. Im Jahr 2019 soll nach Feinschliffarbeiten die Umgehungsstraße fertiggestellt sein.

Querschnitte
Der Regelquerschnitt beträgt 9,5 Meter, das bedeutet 6,5 Meter Fahrbahnbreite und zweimal 1,5 Meter Bankett. Die Gesamtdicke für den Fahrbahnaufbau beträgt 80 Zentimeter. Die drei Kreisverkehrsplätze haben einen Durchmesser von 40 Meter. Die Höhe von Lärmschutzwänden beläuft sich zwischen 2,50 und 4,50 Metern. stö