Das Pressegespräch neigt sich dem Ende zu, als um punkt 19 Uhr die Kirchenglocken ertönen und beim Arbeiter-Samariter Bund (ASB) das Telefon klingelt. Ein Notfall. Der Rettungswagen des Weismainer Rettungsstellplatzes braust davon. Zugleich macht die Kunde, dass auch das Fahrzeug der Burgkunstadter Rettungwache im Einsatz ist, die Runde. "Jetzt bricht eine kritische Zeit an, in der die Helfer vor Ort gebraucht werden, sollte es zu einem weiteren Notfall kommen", führt Johannes Bravo der heimischen Presse die Bedeutung der ehrenamtlich agierenden Rettungskräfte (siehe Infobox) vor Augen.

Schnell über die Bühne

Er leitet das zwölfköpfige Helfer-vor-Ort-Team, das seit Freitag im Einsatz ist. Die dreiwöchige Vakanz, die entstanden war, nachdem das BRK seinen Helfer-vor-Ort-Standort in Weismain aufgegeben hatte, hat damit ein Ende gefunden. Der Weismainer Bürgermeister Udo Dauer, der den ASB persönlich darum gebeten hatte, die Trägerschaft zu übernehmen, freute sich, dass alles so schnell über die Bühne gegangen war. Die Osterzeit verleitete ihn zu folgender Metapher: "Jesus Christi ist nach drei Tagen auferstanden. In Weismain geht nach drei Wochen ein neues Helfer-vor-Ort-Team an den Start. Das ist eine göttliche Fügung."
Einer der sich in dieser Mannschaft tatkräftig mit einbringt, ist Ronny Reichenbach. Fragt man den 38-jährigen Weismainer, ob er das Helfergen in sich trage, dann kommt es wie aus der Pistole geschossen: "Wahrscheinlich ist es der Fall." Es habe ihm schon immer am Herzen gelegen, anderen Menschen zu helfen. Mit 18 Jahren sei er der Freiwilligen Feuerwehr Weismain beigetreten und vor zwei Jahren habe er sich entschieden auch noch bei den Helfern vor Ort Dienst am Nächsten zu tun.
Wenn Menschen in ihrer Wohnung unter Atemnot leiden oder einen Herzinfarkt erleiden, dann ist Reichenbach zur Stelle. "Man darf sich vom Meldebild nicht unter Druck setzen lassen, da es mitunter dramatischer ausschaue als die Realität. Man muss das Geschehen auf sich zukommen lassen, ruhig und überlegt sowie Schritt für Schritt den Patienten behandeln", schildert er seine Vorgehensweise. Allein im vergangenen Jahr wurden die Helfer vor Ort in Weismain zu fast 100 Einsätzen gerufen. Das geht aus einer Pressemitteilung des ASB hervor. Zukünftig werden die Aktiven mit einem neuen Fahrzeug ausrücken, das am Freitagabend seiner Bestimmung übergeben worden war. Der Wagen und die dazugehörige medizinische Ausrüstung werden vom ASB durch Mitgliedsbeiträge der Weismainer Bevölkerung finanziert. Geschäftsführer Thomas Schwesinger vom ASB dankte dem Landesverband, der die Anschaffung großzügig unterstützt hatte.
Bürgermeister Udo Dauer erinnerte daran, dass es in Weismain bereits seit Ende der 90er- Jahre Helfer vor Ort gebe. Defizite bei der Einhaltung der in Bayern gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfristen von zwölf Minuten im großen und verzweigten Stadtgebiet von Weismain mit seinen vielen Steigungen und Gefällen hätten zur Gründung eines Helfer-vor-Ort-Teams geführt. Er dankte dem bisherigen Träger, dem BRK, für die geleistete Arbeit. Auch für die Feuerwehr, die im vergangenen Jahr das BRK mit unterstützt hatte, fand Dauer lobende Worte. Zudem erläuterte der Bürgermeister, wie es um die Aufstufung des Weismainer Rettungsstellplatzes zur Rettungswache bestellt sei: "Das Auswahlverfahren für den Träger der Rettungswache Weismain findet noch in diesem Jahr statt. Spätestens zu Beginn des nächsten Jahres wird die Wache ihren Betrieb aufnehmen."
Zum Abschluss der Veranstaltung warfen die Teilnehmer noch einen Blick in das neue Fahrzeug, das mit Notfallrucksack, einem Defibrilator mit EKG-Funktion und einem Kinderkoffer ausgestattet ist. Bravo öffnete den Rucksack und zum Vorschein kam ein Peiloxymeter, mit dem der Experte bei Bürgermeister Udo Dauer die Sauerstoffsättigung im Blut und den Puls maß. "Alles im grünen Bereich", teilte er dem sichtlich erfreuten Stadtoberhaupt mit.