Das Vorhaben der Firma Dechant Baumanagement, die im Bereich "In der Au" Wohnhäuser errichten möchte, stößt auf Widerstand: Der Bund Naturschutz (BN) lehnt die dafür notwendige Einbeziehungssatzung entschieden ab. "Sie würde dazu führen, den naturnahen Bereich im Umfeld der Weismain und des Mühlbaches in ein weiteres Wohnbaugebiet umzuwandeln", erklärte Kreisvorsitzender Anton Reinhardt während eines Ortstermins, bei dem sich auch einige Anwohner gegen die Maßnahme aussprachen.

Fünf Häuser sollen entstehen

Anton Reinhardt befürchtet "einen Naturfrevel ersten Ranges". Bezug nehmend auf das Bundesnaturschutzgesetz und die Wassergesetze sollten besonders die Uferstreifen von Klein- und Fließgewässern in einem möglichst breiten Raum von jeglicher Bebauung freigehalten werden, so der BN-Vertreter. Vor allem stört ihn die in der Einbeziehungssatzung vorgesehene Entfernung von Bäumen. Diese ist notwendig, um die Gefahr durch Baumwurf in dem 0,72 Hektar großen Gebiet zu vermeiden, auf dem fünf ein- oder zweigeschossige Wohnhäuser entstehen sollen.

"Die vorliegenden Wiesengrundstücke bilden mit dem Ufersaum und dem Baumbestand zahlreicher alter Schwarzerlen sowie besonders geschützten Vögeln, etwa Eisvogel und Wasseramsel, ein naturschutzfachlich wertvolles Areal, das nicht für eine Wohnbebauung geopfert werden darf", findet Reinhard. Auch aus städtebaulicher Sicht sei das Vorhabe nahe der "empfindlichen Uferbereiche" unvorteilhaft, da es sich um eine Art "grüne Stadtachse" entlang des Flüsschens Weismain handle und Naturlehrpfad ebenso wie Wasserspielplatz an Qualität einbüßen würden. Der Kreisvorsitzende verwies auf eine Studie der Hochschule Coburg, die in der unberührten Naturlandschaft das größte Potential der Jurastadt sieht.

Auch sechs Anwohner dagegen

Auch ein Teil der Anwohner ist von zusätzlicher Wohnhäusern in ihrer Nachbarschaft nicht angetan. Sechs Haushalte seien gegen das Projekt, berichteten die Bürger vor Ort. Sie kritisieren die fehlende Information durch die Stadt, so habe etwa Petra Gack, die im Anwesen "In der Au 1" wohnt, "im Grunde erst von den Baugebiet erfahren, als die Baufahrzeuge schon an meinem Haus vorbei fuhren. Hätte man nicht zuvor mit uns reden können?"

Gack und ihr im gleichen Haus lebender Vater Georg Dinkel weisen darauf hin, dass der öffentliche Verkehr bereits jetzt ihr Grundstück am Einmündungsbereich von Au und Hollfelder Straße benutzen muss, weil die Straße hier lediglich vier Meter breit ist. Bis jetzt hätten sie dies geduldet, wollen dies aber nun nicht mehr tun, da durch geplanten neuen Häuser mit einer Zunahme des Verkehrs zu rechnen sei. Georg Dinkel argumentiert zudem mit einer wachsenden Gefährdung für Familien und Kinder, die in dem Bereich oft in Richtung Wasserspielplatz unterwegs seien. Schließlich sei die Zufahrtsstraße zum hinteren Bereich der Au auf einer Länge von rund 30 Metern nur 3,50 Meter breit und seitlich jeweils durch Mauern begrenzt.

Während andere Anwohner sich darüber beschwerten, dass vor etwa zehn Jahren das Anlegen von Schrebergärten in dem jetzt für Wohnhäuser vorgesehenen Gebiet vom Landratsamt abgelehnt wurde, erhebt Christoph Wagner, Besitzer des anderen Gebäudes an der Einmündung, schwere Vorwürfe gegen die Begründung der Einbeziehungssatzung: So sei der Satzungsentwurf nicht von der Stadt, sondern von der Firma Dechant Baumanagement verfasst worden; ein Blick auf die städtische Internetseite belege, dass die Begründung falsch sei, wonach kaum Baugrundstücke in Weismain zur Verfügung stehen; zudem führte Wagner Probleme beim Geh- und Fahrtrecht sowie beim Kanalanschluss an und warnte vor der Schaffung eines Präzedenzfalls, wenn die Stadt eine Bebauung innerhalb des vorgeschriebenen 60-Meter-Abstandsbereichs zum Weismain-Fluss zulasse.

Ortstermine ohne Anwohner

Auf Nachfrage dieser Zeitung räumte Werner Zeis vom Bauamt ein, dass mehrere Ortstermine stattgefunden hätten, zu denen die Anwohner aber nicht explizit geladen wurden. Diese hätten jedoch die Möglichkeit gehabt, ihre Stellungnahmen und Bedenken schriftlich vorzubringen, was auch geschehen sei.

Das Vorhaben sei seitens der Behörden, darunter die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt, Wasserwirtschaftsamt und Polizei, positiv bewertet worden. Beispielsweise könne das Zufahrtsproblem durch ein durchgehende Halteverbot und eine Vorfahrtsregelung gelöst werden. Letztlich liege die Entscheidung über die Verabschiedung der Einbeziehungssatzung in den Händen des Stadtrats.

Auch die Firma Dechant verweist auf die erfolgte Klärung von naturschutzrechtlichen Belangen mit der Naturschutzbehörde. Zudem bedürfte eine Baustelleneinrichtung keiner Genehmigung, stellt Alois Dechant klar. Er ist der Meinung, dass durch die Gärten, Hecken und Anpflanzungen rund um Wohnhäuser wieder kleine Biotope entstehen und unterstreicht den Naturschutzgedanken der Firma, die beispielsweise in der Vergangenheit Hunderttausende von Bäumen in Ausgleichsflächen gepflanzt habe.