Bundesweit machten die Kliniken gestern ihrem Ärger wegen der Krankenhausreform Luft und protestierten damit gegen das geplante Krankenhausstrukturgesetz. Dieses soll nach Ansicht von Ärzteschaft und Personal der Kliniken in die falsche Richtung führen.
Neben 60 anderen Orten allein im Freistaat beteiligte sich auch das Bezirksklinikum in Kutzenberg an der Aktion. Kommunalpolitische Redner sprachen Klartext.
"Diese Reform, sollte sie so kommen, geht völlig an der Realität in den Kliniken vorbei", meinte etwa Bezirkstagspräsident Günther Denzler (CSU) vor den zahlreichen Teilnehmern in Kutzenberg, darunter auch etliche Krankenpflegeschüler. Den wenigen aus dem Gesetz resultierenden allenfalls punktuellen Verbesserungen stünden massive finanzielle Kürzungen gegenüber, so Denzler weiter. "Mehr Qualität fordern und gleichzeitig weniger finanzielle Mittel bereitstellen - diese Formel kann nicht aufgehen."
Deshalb sei es wichtig, an diesem Tag ein Zeichen zu setzen. "Der Bezirk Oberfranken und das Kommunalunternehmen Kliniken und Heime des Bezirks werden sich für Änderungen an dem geplanten Gesetz stark machen", versprach er. Denzler verlieh abschließend seiner Hoffnung Ausdruck, dass diese Krankenhausreform nochmals grundsätzlich überdacht werde.
Eine engagierte Rede hielt auch Ebensfelds Bürgermeister Bernhard Storath (CSU): "Die Bundespolitiker beschließen so ein Gesetz - und wir müssen es dann ausbaden. Wenn es um die Gesundheit geht und sogar um Menschenleben, gehört bitteschön auch die Basis mit einbezogen", so sein Appell an die Entscheidungsträger auf Bundesebene.
Storath sicherte Unterstützung im Rahmen seiner Möglichkeiten zu - und das mit deutlicher Wortwahl: "A Briefla schreiben nützt da nichts. Ich werde persönlich die politischen Mandatsträger beknien und Deutsch oder besser gesagt Fränkisch mit ihnen reden. Wir lassen nicht alles mit uns machen." Storath sagte "uns" - es war nicht nur die Rede eines Bürgermeisters - aus seinen Worten sprach die Seele eines Mannes, der 20 Jahre als Krankenpfleger tätig war. Seiner Rede folgt ein donnernder Sonderapplaus.
Tacheles reden war an diesem Vormittag in Kutzenberg angesagt, falsche Zurückhaltung fehl am Platz, so auch die Worte von Geschäftsführerin Katja Bittner: "Das Wichtigste ist die Gesundheitsversorgung und deren Finanzierung. Dafür haben - entschuldigen Sie die Worte - Bund und Länder verdammt nochmal zu sorgen."
Die Notwendigkeit von Änderungen des derzeitigen Gesetzesentwurfs unterstrich auch der ärztliche Direktor des Hauses, Christoph Sommer, der meinte: "Es geht hier nicht um Hochglanzprospekte, wir haben einen Versorgungsauftrag zu erfüllen."
Zum Abschluss der Protestaktion wurde draußen auf dem grünen Rasen der Schriftzug "Krankenhausreform? So nicht!" mit Tafeln gebildet. Zusammen mit den Wünschen und Forderungen im Herzen ließen Ärzte, Politiker und angehende Krankenpfleger dann grüne Luftballons in den - passenderweise trübgrauen - Himmel steigen.