Am Freitagnachmittag herrschte in der Streuobstanlage unterhalb von Kloster Banz geschäftiges Treiben. Bereits vor dem offiziellen Beginn um 13 Uhr nutzten die ersten Besucher die Möglichkeit, sich mit selbst gepflücktem Obst einzudecken. Auch das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Strahlender Sonnenschein ließ manche Apfelsorte noch verlockender leuchten.

Der jährliche Obstmarkt für Selbst-Pflücker am 3. Oktober hat schon eine gewisse Tradition. Viele Besucher kommen nicht zum ersten Mal. "Wir sind jedes Jahr da", berichtet Sonja Wicklein aus Lichtenfels. Hatten sie anfangs noch verschiedene Sorten mit nach Hause genommen, haben sich inzwischen gewisse Vorlieben herauskristallisiert. Dass die Äpfel naturbelassen sind, ist ein großer Vorteil für Sonja Wicklein. "Da weiß man, was man hat."

Apfel, Walnuss, Zwetschge

Auf der Streuobstwiese stehen rund 240 Obstbäume unterschiedlichen Alters, darunter 150 Apfelbäume, 20 Birnbäume sowie einige Walnuss- und Zwetschgenbäume sowie weiteres Steinobst. Das Angebot des Kreisverbandes für Gartenbau, der die Anlage auch regelmäßig pflegt, nutzten am Freitagnachmittag besonders viele Familien mit Kindern. Die Familie Reich aus Trieb hat zu Hause selbst einige Apfelbäume. In die Streuobstanlage sind sie gekommen, um Äpfel für die Saftgewinnung zu erstehen. "Äpfel esse ich sehr gerne", erzählt die zwölfjährige Rut, "am liebsten aber als Apfelstrudel oder gedörrt als Apfelchips."

Wer nicht Papa und Mama bei der Ernte helfen will, der kann am Lagerfeuer Stockbrot backen. Die Erwachsenen haben da eher schon die Qual der Wahl am reichhaltigen Küchenbüfett unter freiem Himmel. Apfelkuchen unterschiedlichster Zubereitung dominiert das Angebot. Neben Kaffee gab es auch frisch gepressten Apfelsaft.
Emma und Friedel aus Redwitz haben aus der Tageszeitung vom Obstmarkt für Selbstpflücker erfahren. "Das wollten wir uns unbedingt einmal anschauen", erzählen die beiden Frauen in den Sechzigern. Jede ist mit einem Eimer und einigen Stofftaschen ausgerüstet. Nach einer kurzen Kaffeepause nehmen die beiden Frauen einen Eimer voll Birnen zum Einwecken mit und einen weiteren Eimer voll Lageräpfel für den Winter.

Zeitgenossen, die in Nacht- und Nebelaktionen Obstbäume leeren, sind nicht nur privaten Besitzern von Obstbäumen in der Flur ein Dorn im Auge, auch der Kreisverband kann davon ein Lied singen.

Besonders die begehrten Sorten und Bäume mit reicher Ernte werden auch in der Banzer Streuobstwiese schon mal ein Opfer dreister Diebe. "Da werden die Äpfel sogar über Nacht hier 'rausgeklaut", berichtet Kreisfachberater Michael Stromer sichtlich verärgert. Das seien Leute, die nicht den offiziellen Termin abwarten könnten, sondern sich vorher schon unerlaubt bedienten.

Am Preis kann es sicher nicht liegen, denn der liegt mit 50 Cent pro Kilogramm gepflücktem Obst deutlich unter dem Ladenpreis. Fallobst für die Saftgewinnung oder zum Kuchenbacken ist schon für 20 Cent pro Kilo zu haben. Durch die Diebstähle haben diejenigen Besucher der Streuobstwiese das Nachsehen, die sich auf eine ganz bestimmte Sorte gefreut haben.

Vielfalt, wie es sie in keinem Laden zu kaufen gibt

Mit dem Verlauf des Obstmarktes ist Michael Stromer dennoch zufrieden. Am Nachmittag werden Körbe von Obst zum Wiegen gebracht und für wenig Geld nach Hause transportiert. Obst, das vielleicht nicht immer ganz makellos ist, aber in reicher Vielfalt vorhanden ist, die es in keinen Laden zu kaufen gibt. Hinzu kommt das einzigartige Naturerlebnis in der Anlage. "Wenn die Besucher das nachempfinden können, dann lohnt sich unsere Arbeit", sagt Stromer.