Am Donnerstagabend ging in der Jahresschlusssitzung ein Gemeinderat von Bord, der für seine klaren Worte bekannt war: Norbert Welscher von der Freien Wähler Gemeinschaft (FWG). Der 65-jährige Altenkunstadter hatte nie viel Aufhebens um sich und seine Person gemacht. Das spürte man auch bei seiner Verabschiedung: "Das muss doch nicht sein", zeigte sich der Freie Wähler ganz von seiner bescheidenen Art, als der Bürgermeister angekündigt hatte, ihn später offiziell zu verabschieden.
"Ich wollte immer für die Allgemeinheit wirken", erklärte er im Gespräch mit der Presse. In seiner öffentlichen Stellungnahme zu seinem Amtsverzicht bilanzierte er: "Es war nicht nur eine Freude für mich, in diesem Gremium wirken zu dürfen, sondern auch eine Ehre." Irgendwann sei aber auch einmal Schluss, fuhr er fort. Der scheidende Gemeinderat hielt sich bedeckt, was die Gründe seines Rücktritts anbetraf. Er sprach lediglich von mehreren Gründen, die im persönlichen Umfeld lägen und der Allgemeinheit nichts angingen. Welscher bedankte sich bei seinen Ratskollegen für die loyale und faire Zusammenarbeit. "Auch aus der Ferne werde ich Euch beobachten, loben und kritisieren", verabschiedete sich Welscher, der 20 Jahre in dem Gremium gewirkt hatte.


Präsentkorb zum Abschied

Lobende Worte für den ausscheidenden Gemeinderat fand Bürgermeister Robert Hümmer (CSU), der ihm einen Präsentkorb schenkte: "Sie haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten, in denen Sie als Fraktionsvorsitzender wirkten, in hervorragender Weise für die kommunalpolitischen Belange der Gemeinde Altenkunstadt eingesetzt. Besonders hervorheben möchte ich Ihre hervorragenden Kenntnisse im Bereich der Informationstechnik. Ihr besonderer Humor sorgte für Erheiterung im Gremium."
Mit Ulrich Leikeim tritt ein alter Bekannter in die Fußstapfen Welschers. Er war von 2008 bis 2014 schon einmal Gemeinderat gewesen. Hümmer teilte mit, dass ihm Leikeim bereits telefonisch zugesagt habe, als Listennachfolger Welschers Amt zu übernehmen. In der Januarsitzung erfolgt nach Auskunft des Bürgermeisters die feierliche Vereidigung.
Für den Straßenausbau vor ihrer Haustüre müssen manche Bürger ganz schön tief in ihren Geldbeutel greifen. Der Straßenausbaubeitragssatzung macht es möglich. Die Gemeinde kann zur Vermeidung unbilliger Härten im Einzelfall seit neuestem auch eine Verrentung der Beiträge zulassen. Das sieht eine Änderung des Kommunalabgabengesetztes vor. Diese wurde nun vom Gemeinderat einstimmig beschlossen. Die jährliche Jahresleistung, die der Hauseigentümer zu bezahlen hat, muss mindestens 600 Euro betragen, was einem monatlichen Betrag von 50 Euro entspricht. "Das ist ein Entgegenkommen gegenüber betroffenen Anliegern", betonte der Bürgermeister.
Einstimmig stellte der Gemeinderat die Ergebnisse für die Haushaltsrechnung 2015 fest. Auf den Verwaltungshaushalt entfallen in Einnahmen und Ausgaben rund elf Millionen und auf den Vermögenshaushalt rund 4,4 Millionen Euro. Der Rechnungsprüfungsausschuss hatte das Zahlenwerk unter die Lupe genommen. Nach Ansicht von Ausschussvorsitzenden Frank Novotny von den Sozialen Bürgern (SB) sollten die Antragstellungen für Förderanträge auf Kostenberechnungen und nicht auf Schätzungen basieren. "Der Aufzug der Mittelschule ist nach der Ausschreibung teurer geworden. Eine Nachförderung wurde nicht gewährt. Damit ist der Fördersatz niedriger geworden als im Gemeinderat vorgesehen", griff der Redner ein Beispiel heraus.


Ein Wort zum Dienstwagen

Die Ausschreibung des Dienstwagens für den Bürgermeister sollte nach Ansicht Novotnys markenneutral und differenzierter erfolgen. Zudem monierte der Redner, dass die Erteilung der 1000 Euro teuren Fliesenarbeiten für den Schulungsraum und die Toiletten im Feuerwehrhaus Maineck ohne Gemeinderatsbeschluss vergeben worden seien. Auftragsvergaben ab einem Wert von 1000 Euro sollten immer vom Gemeinderat vergeben werden, so Novotny.
Bürgermeister Robert Hümmer blickte in seiner Jahresabschlussrede auf das Geschaffene zurück, verlor dabei aber auch nicht den Blick auf das Zukünftige. Zum noch immer nicht realisierten Lehrschwimmbecken bemerkte er: "Landrat Christian Meißner drängt auf eine Verwirklichung des Vorhabens. Im Januar wird sich der Burgkunstadter Stadtrat mit der Thematik auseinandersetzen, im Februar folgt Altenkunstadt."
Viel Beifall erntete Dritte Bürgermeisterin Almut Schuhmann (SPD) für ihre frei gehaltene Rede, in der sie vielen im Gremium aus der Seele sprach. Man spürte, dass es ihr ein Herzensanliegen war, nicht nur Worte des Lobes zu verteilen, sondern auch kritische Anmerkungen zu machen. Zunächst hob sie das gute Miteinander zwischen Bürgermeister Robert Hümmer und seinen beiden Stellvertretern, Georg Deuerling und ihrer Wenigkeit hervor.
Anschließend wurde die Rednerin nachdenklich: In einem Gremium immer nur auf Harmonie und Sonnenschein aus zu sein - das ist für Schumann der falsche Weg. Dadurch würden keine neuen Projekte angestoßen. "Es könne ruhig auch einmal krachen", sagte die Rednerin leicht überspitzt.
Zudem betonte sie, dass Kritik, dort wo sie angebracht sei, auch angenommen werden und zu Veränderungen führen müsse. Zudem erinnerte sie daran, das Wohl der Bürger immer im Auge zu behalten. Schumanns Gedanken schweiften auch zur Klausurtagung des Gemeinderates auf Kloster Banz. "Es herrschte eine Aufbruchsstimmung, bei der viele Ideen entwickelt wurden", sagte sie. Zugleich beschlich sie das Gefühl, dass die Euphorie nachgelassen habe. Die Rednerin appellierte an die Ratsmitglieder, den entstandenen Tatendrang nicht einschlafen zu lassen: "Entwickeln Sie weiter Ideen zum Wohle der Gemeinschaft."
Schumann sprach auch die Überlastung im Sekretariat des Rathauses nach dem krankheitsbedingten Ausfall von Chefsekretärin Andrea Müller an. Sie schlug vor, eine weitere Kraft einzustellen, um Manuela Firnschild und Adelgunde Hollfelder, die Müllers Aufgaben derzeit mit erledigen, zu entlasten.