Die Stoßrichtung war klar: ein Film gegen Miesepetrigkeit und für ein neues Bewusstsein. Yes, we can auf Lichtenfelserisch. Bei der Premiere von "Lichtenfels - Der Film" herrschte am Sonntag gute Laune im Kino Neue Filmbühne. Nach über einem Jahr Arbeit an der Fertigstellung soll der Streifen für die Kreisstadt werben. In allen Belangen.
Thomas Meyer raucht noch eine. In wenigen Minuten wird der Film, für den er verantwortlich zeichnet und all das Filmmaterial zusammengetragen hat, starten. "Ich bin schon auch ein bisschen angespannt", gesteht er, hebt die Arme und beziffert allein seine (als Sprecher bzw. Kamerafrau eingebunden waren unter anderem auch Frank Ziegler und Anna Fehler) Arbeitszeit auf unsichere "über 500 Stunden".
Nicht viel anders sieht es um diese Zeit, kurz vor 11 Uhr, bei Werner Schiffgen aus. Der Citymanager hat im Zusammenwirken mit dem Stadtmarketingverein den Film in Auftrag gegeben, als Werbung für eine Stadt in bewegten Bildern. Ob sie auch bewegen, weiß er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. "Erwartungsvoll, spannend, etwas aufgeregt", sind die Begriffe, die ihm, zu seinem aktuellen Innenleben befragt, über die Lippen kommen. Bei 12 000 Euro lag das Budget für den Image-Film. Darum ist es schon besser, er gefällt.
Pünktlich um 11 Uhr geht das Licht im Saal aus. In ihm versammelt sind geladene Gäste, Menschen, die sich in dem Film zu Lichtenfels äußern, einen Verein oder eine Idee vorstellen, zu der wirtschaftlichen Elite zählen, oder den Streifen mitgetragen haben. Ein 120-köpfiges Premierenpublikum für einen Film, der als DVD für 9,50 Euro in einer Auflage von vorerst 1000 Stück ab sofort erhältlich ist.
69 Minuten Laufzeit mit drei Absichten: Lichtenfels - Der Film richtet sich als Informationsfilm an Auswärtige, auch an auswärtige Unternehmer, für die die Stadt sympathisch dargestellt werden soll. Er richtet sich an den Lichtenfelser selbst, der über eine Auswahl an innovativen Unternehmen, Kulturangeboten und landschaftlichen Schönheit eine neue Sicht auf die Heimatstadt erhalten soll, und er will die Identifikation mit der Stadt stärken.
"Wir wollen zeigen, was wir zu bieten haben. Das wissen ja viele nicht", sagt Schiffgen. Werbung für den Standortvorteil Lichtenfels, Information trifft schöne bewegte Bilder.
Aber der Film hat auch seine Schönheitsfehler. Dazu gehört unter anderem mancher O-Ton der Gefilmten, der so nicht hätten stehen bleiben dürfen. So wie der des Mannes, der durch ein Altenheim führt und davon erzählt, dass mit Hilfe von Filmvorträgen sich die Gedanken der Heimbewohner zurückentwickeln könnten. Gemeint war wohl eher ein wohliges Erinnern.
Am Ende der Premiere, als die Lichter im Saal wieder angingen, folgte eine zweite Premiere: eine "Oscar-Premiere" noch dazu. Die Stadt Lichtenfels hat ab 2014 einen Preis zu vergeben, der für Bürger, Vereine oder Unternehmen gedacht ist, die sich in besonderer Weise im Dienste der Verbesserung Lichtenfelser Zustände verdient machen. Einen endgültigen Namen hat der Preis noch nicht. Applaus hat er aber, gemeinsam mit dem Film, spontan erhalten.