Das Urteil des Experten ist knapp zwei Jahre alt. Die festgestellten Verbrüche in den historischen Kelleranlagen im Bereich Mühlberg in Redwitz seien alle hausgemacht. "Hier hat nicht die Geologie, hier hat der Mensch versagt." Das schreibt Bernhard Häck vom Baye rischen Landesamt für Denkmalpflege in seinen Bericht, den er der Verwaltungsgemeinschaft Redwitz und der Evang. Kirchengemeinde, in deren Besitz sich elf dieser Keller befinden, zukommen lässt. Die Schadensbilanz basiert auf einer Begehung 2012, nachdem man bemerkt hatte, dass eines der Kellergewölbe eingebrochen war.

Sie beginnt mit einer eindrücklichen Schilderung: "Gleich zu Beginn des Kellereintrittes steht man knöcheltief im Wasser und nimmt einen starken Modergeruch wahr, der durch Mülleinlagerung, eine fehlende aktive Belüftung und das stehende Wasser verursacht wird." Häck kommt gleich zur Sache, was die Ursache für dieses massive Feuchtigkeitsproblem anbelangt. Die vermeintlichen Sicherungsmaßnahmen, die hier gut zehn Jahre vorher durch eine Baufirma vorgenommen wurden, sollten sich als Fehler erweisen. Eine Betonmauer wurde am Hang gesetzt, fast alle Kellereingänge zugemauert. Dadurch - und auch durch den Straßenbau vor den Kelleranlagen - wurden die von den einstigen Erbauern wohl bedacht in den Boden gehauenen Wasserrinnen gekappt, sodass das Bergwasser nicht mehr abfließen konnte. Die Nässe staute sich im Inneren und griff die Sandstein- und Tonschichten an. Das kleine Rohr, das in jede Verschlussfront eingesetzt worden war, konnte keine ausreichende Belüftung und Trocknung leisten.

Pfarrer Till Roth, damals noch nicht in Redwitz, fragt sich heute, warum es nicht schon eher kritische Überlegungen zu dieser Vorgehensweise gab. Er geht davon aus, dass auch das Denkmalamt in diese unter Regie der Landeskirche vorgenommene Maßnahme einbezogen worden war. Weil sich das Geschehene aber nicht mehr rückgängig machen lässt, ist er nicht daran interessiert, auf einen Schuldigen zu zeigen. Vielmehr soll einer weiteren Schädigung der Keller Einhalt geboten werden. Nicht zuletzt geht es dabei auch darum, den Untergrund der St.-Aegidius-Kirche zu sichern. Dass sich Helfer aus seiner Kirchengemeinde unentgeltlich dafür einsetzen, findet Pfarrer Roth besonders lobenswert. Bei einem dreitägigen Einsatz mit durchschnittlich jeweils zehn Leuten schaffte man es im vergangenen Jahr, einen Keller leerzuräumen. Heuer am Pfingstwochenende rückten wieder Freiwillige mit Schaufel und Schubkarren an, um Hausmüll, Bauschutt und feuchtes Bruchmaterial aus den dunklen Gängen zu holen. Immerhin versichert sind sie dabei über die Kirchengemeinde.

"Wenn man nichts macht, bricht immer mehr Erdreich herunter", sagt Thilo Hanft. Für den Vorsitzenden der örtlichen Bezirksgruppe des Geschichtsvereins Colloquium Historicum Wirsbergense geht es darum, ein Kulturgut zu bewahren. Der ganze Redwitzer Marktplatz sei unterkellert, berichtet er. Die meisten Keller seien im 18. /19. Jahrhundert entstanden. Sie dienten zunächst als kühles Lager für Feldfrüchte, später, bis in die 70er Jahre, wurden sie von den beiden örtlichen Brauereien genutzt. Auf eigens dafür geschaffene seitliche Stufen wurden die Bierfässer gelegt. Hanft ist auch Mitglied des Kirchenvorstandes, der 2013 einer detaillierten Vermessung und Dokumentation der Keller als Voraussetzung einer Sanierung beziehungsweise Sicherung als Bau- und Bodendenkmal zustimmte. Die Kosten werden sich Kirchengemeinde und politische Gemeinde teilen.

Das Leerräumen ist die Voraussetzung. Der eingelagerte Müll verunreinigt auch das Grundwasser. Also karren die Helfer rostige Kanister und brüchige Plastikflaschen, Steinbrocken und Schlacke hinaus, sortieren das Material, befüllen Säcke auf dem bereitstehenden Anhänger und kümmern sich um die ordnungsgemäße Entsorgung. Für das Wochenende 25./26. September ist bereits ein weiterer Arbeitseinsatz angesetzt.

Auch Jürgen Klein, wie Hanft kirchlich engagiert, wird dann wohl wieder mit dabei sein. Durch seinen Beruf als Bautechniker kann er den Aufbau der Keller und die Korrosion des Felskörpers durch die nicht abgeleitete Feuchtigkeit anschaulich erklären. Mit Helm und Lampe ausgestattet kann man vorsichtigen Schrittes bis zu 30 Meter in den Berg unter der Kirche vordringen. Der Burgsandstein, der sich in verschiedenfarbigen Gesteinsschichten zeigt, wurde vor über 200 Millionen Jahren gebildet, als hier noch ein Meer existierte. Ob und auf welche Weise die Kelleranlagen einmal wieder genutzt werden, ist offen. "Vieles ist vorstellbar", sagt Jürgen Klein. Als Beispiel nennt er ein "Fledermaus-Klassenzimmer" für Schulkinder. Das Freiräumen der Keller ist praktizierter Natur- und Denkmalschutz zugleich.

Zunächst geht es aber in Redwitz um Schadensbegrenzung. Die Keller und die an ihnen gemachten Fehler sind ein sensib les Thema. Man erinnert sich im Ort auch daran, dass auf der Hangstraße schon einmal ein Auto eingebrochen ist. Um das Jahr 2000 herum soll das gewesen sein. Auf jeden Fall müssten die wasserableitenden Rinnen wieder freigelegt werden, befindet Bernhard Häck in seinem Gutachten. Der Denkmalpfleger wird die Bemühungen vor Ort begleiten und schon im Juni erneut in Redwitz erwartet.