Hildegard von Bingen hätte ihre helle Freude am Speiseplan der Mutterhausküche der Franziskusschwestern gehabt. Die Benediktinerin hatte im 12. Jahrhundert erkannt, dass Lebensenergie aus den Lebenskräften der Natur entsteht. Die Franziskusschwestern eifern heute dieser Maxime nach und erfreuen sich einer gesunden und ausgewogenen Ernährung. Sie halten Arbeit und Muße im harmonischen Gleichgewicht und stärken seelischen Abwehrkräfte durch einen optimistischen Lebenssinn.
In der Küche schwingt die Hauswirtschafterin Margarethe Höh den Kochlöffel. Sie zaubert mit ihren drei Mitarbeiterinnen und einem Lehrling "himmlische Gerichte" auf dem heiligen Berg. Ihr Erfolgsrezept liegt in der Verwendung hochwertiger Lebensmittel. Dabei werden nicht behandeltes Obst und Gemüse aus eigenem Anbau verarbeitet. Die bodenständige, in den Ursprüngen bäuerliche Küche bietet Bräten, Knödelgerichte, Vegetarisches und Mehlspeisen. Das Fleisch wird vor allem von Bauernhöfen mit artgerechter Tierhaltung bezogen.

Neueste Technik in der Küche

Die Köche in der Mutterhausküche bedienen sich neuester Technik mit dampfbeheizten Kochherden und Hightechkomfort; das macht es ihnen möglich, die Speisen schonend zu garen. Rund 80 Essen werden hier täglich zubereitet. An Festtagen können es bis zu 300 werden.
Um sechs Uhr beginnt das Küchenteam täglich mit der Vorbereitung des Frühstücksbüffetts. Auch hier wird kalorienbewusst aufgefahren: Müsli, Quark, Hefezopf und die schmackhaften Gelees und Marmeladen aus eigener Herstellung. Obst steht immer bereit.
Kaum ist das Büffett gerichtet, beginnen die Vorbereitungen für das Mittagessen, das zwischen 11.30 und 12.15 Uhr ausgegeben wird. Die Spätschicht beginnt um 11 Uhr und sorgt für das warme und kalte Abendessen. Zwischendurch wird gebacken und eingemacht, Gelee und Marmelade werden eingekocht oder Desserts vorbereitet.
Küchenchefin Margarete Höh erinnert sich mit Unbehagen daran, dass Anfang März die Hauptleitung vom Wasserhochbehälter brach und die gesamte Wasserversorgung in Vierzehnheiligen lahm legte. Nach dem Professjubiläum der Schwestern war ein feierliches Mittagessen mit dem Bischof vorgesehen, und kein Dampfofen funktionierte. "Für die Soße haben wir Mineralwasser genommen", erinnerte sie sich. Das Mittagessen sei durch schnelle nachbarschaftliche Hilfe gesichert worden. Erzbischof Ludwig Schick habe die "Katastrophe" zum Anlass genommen, auf die ständige Verfügbarkeit des wichtigen Lebensmittels Wasser bei uns in Deutschland hinzuweisen. In Ägypten hingegen müssten viele Menschen auf Müllhalden leben - ohne Wasser und elektrisches Licht, berichtete er von seiner jüngsten Reise nach Afrika.

Beruf und Berufung

Schwester Claudia Hink, die 1963 in Hersbruck geboren ist, leitete die Großküche im Mutterhaus Vierzehnheiligen 18 Jahre lang, bis sie 2003 zur Hausoberin ernannt wurde und als solche weiter für die Versorgung der Schwestern zuständig ist. Sie hatte zunächst Hauswirtschafterin gelernt. Mit 18 Jahren entschied sie sich für das Ordensleben. Nach der Weiterbildung zur Hauswirtschaftsmeisterin legte sie 1990 die Ewige Profess ab. Schwester Claudia ist glücklich in ihrem Beruf, der ihre Berufung ist.