Viele besorgte Tierfreunde melden sich bei Marion Damm, der Vorsitzenden des Landesbundes für Vogelschutz, Kreisgruppe Lichtenfels, und fragen an, was sie mit jungen Igeln machen sollen. Damm betont, dass der Igel-Nachwuchs noch bis zum Wintereinbruch Zeit hat, sich zu entwickeln. Da Igel streng geschützte Wildtiere seien, sollte man sie möglichst in Ruhe lassen. Gern sei sie aber bereit, bei offensichtlich kranken Tieren unter ihrer Rufnummer 09573/34232 Auskunft zu geben, oder bei Georg Wicklein in Burkheim, Telefonnummer 09572/4083 anzurufen.
Sie bedankt sich bei denjenigen, die wirklich beobachten und naturgemäß handeln. Es sei völlig natürlich, dass noch viele junge Igel unterwegs sind, da sie erst im Spätsommer geboren wurden. "Sie müssen sich für den Winterschlaf noch genügend Fett anfressen, um die Zeit von vier bis sechs Monaten, je nach Wetterlage, in der kalten Jahreszeit schlafend überleben zu können. Deshalb sind die sonst nachtaktiven Igel jetzt auch oft tagsüber zu sehen. Meistens haben die Jungen noch Geschwister, und auch die Igelmutter ist in der Nähe", betont die Vorsitzende. Nur wirklich sichtbar kranke oder abgemagerte Tiere, die jetzt und vor allem spät im Herbst anzutreffen sind, bräuchten Hilfe. Dabei müsse auch der Tierarzt mit einbezogen werden, erklärt Marion Damm. "Auch wenn Igelkinder noch so niedlich aussehen, soll man sie nicht bemuttern", mahnt sie.

Naturnahe statt piekfeine Gärten

"Um den Garten igelgerecht zu machen, bedarf es unbedingt Versteckmöglichkeiten. Reisighaufen und später darüber geschüttetes Laub sind ideal für den Igel. Auch Holzstöße werden von ihm gerne angenommen. Vor allem sollten die Plätze trocken sein. Gärten, die nach dem reinen Sauberkeitsprinzip angelegt werden, sind für den Igel total lebensfeindlich. Diese brauchten nicht nur für den Herbst und Winter, sondern das ganze Jahr Rückzugsmöglichkeiten", betont die Vorsitzende. Außerdem benötigten die Tiere einen sehr großen Radius, um genügend Nahrung zu finden. Deshalb müssten Durchlässe geschaffen werden, damit sie von Garten zu Garten wandern können. Auf übertriebene Reinigungsaktionen sollte man unbedingt verzichten. Dieser ökologische verkehrte Putz koste viele wichtige und notwendige Tierarten unserer Heimat wie die Igel den Lebensraum. "Fest steht auch, dass die Anwendung von Unkraut- und Schädlingsvertilgungsmittel nicht nur die am Boden lebenden Tiere vergiftet, sondern auch zum Beispiel den Igel, der sich davon ernährt", sagt die Vorsitzende.
Die Igel seien aber zähe und wehrhafte Burschen, erläutert Marion Damm weiter. Sie zählten zu den ältesten Säugetieren. Es gebe sie schon seit 65 Millionen Jahren. Der Einfluss durch den Menschen habe aber dafür gesorgt, dass in den letzten Jahren die Landschaft immer mehr ausgeräumt wurde. Damit seien die notwendigen Kleinstrukturen zum großen Teil verschwunden. Naturnahe Gärten könnten da einen kleinen Ausgleich schaffen.

Vorsicht beim Füttern!

Wer glaubt, einen sehr schwachen Igel füttern zu müssen, könne dies am besten mit Katzenfutter oder speziellem Igelfutter tun. Auch ein rohes oder gekochtes Ei sowie Rinderhackfleisch seien für eine ausgewogene Ernährung wichtig. Liegengelassenes Fallobst werde ebenfalls als eine gesunde Zusatzkost angenommen. Damm: "Das gut gemeinte Schälchen Milch am Abend, so wie es immer wieder empfohlen wird, kann dem Igel den Tod bringen. Frisches Wasser aber sollte nicht fehlen."
Es gelte aber, Gefahrenbereiche für den Igel zu minimieren. Gartenteiche mit steilen Ufern seien Todesfallen. Der Igel könne zwar schwimmen, habe aber an glatten, senkrechten Wänden nicht die Möglichkeit, sich hochzuziehen, um aus dem Wasser herauszukommen. Deshalb sollte ein Gewässer im Garten immer flache Uferzonen haben. Marion Damm erzählt, dass ihr heuer schon eine fast verhungerte Igelfamile gebracht wurde, die in ein tiefer gelegenes Beet gefallen war und nicht heraus kam. Christa Schröder