Seit ihrer Gründung vor 17 Jahren bietet die Kultur-Initiative Staffelstein (KIS) ein vielseitiges Programm an, das von Musik- und Kabarettveranstaltungen, über archäologische Exkursionen, bis hin zu Dichterlesungen und Fotoausstellungen reicht. Doch so ganz glücklich scheinen die Mitglieder mit der aktuellen Kulturszene in der Badstadt nicht zu sein, wie eine Diskussion über die künftige Ausrichtung der KIS zeigte. Ganze 14 Leute des knapp 200 Mitglieder starken Vereins waren am Freitagabend zur Mitgliederversammlung in der "Alten Darre" erschienen.
Der Stadt fehle es an kulturellen Visionen und einer kulturellen Identität, lautet die Meinung von Hermann Hacker, dem Vorsitzenden der KIS. Einer kulturellen Identität wie sie beispielsweise Kronach mit den Faust-Festspielen besitze. Laut Hacker wird die Außenwirkung der Stadt hauptsächlich durch die Therme, durch Adam Riese und das Altstadtfest, eine Art Pseudo-Mittelalter, geprägt. Ein "fränkisches Landstädtchen" wie es viele gebe.
Was an künstlerischen Aktivitäten stattfindet, seien zum größten Teil rein kommerzielle Veranstaltungen wie Dorffeste und Laientheater. Kulturveranstaltungen ohne lokalen Bezug seien dagegen deutlich in der Minderheit. Das Ergebnis einer Mitgliederbefragung mit Vorschlägen, wie sich die KIS den Kulturbetrieb in der Stadt vorstellen kann, hat Hacker an den Bürgermeister und an alle Fraktionen im Stadtrat geschickt. Das Ergebnis sei enttäuschend gewesen. "Es gab keine einzige Antwort." Hackers Vorschläge umfassen fünf Punkte. Es brauche eine bessere Koordination von Veranstaltungen. Bisher galt das Windhundprinzip. Sprich: Wer zuerst seinen Termin anmeldete, hatte ihn. Alle anderen mussten sich dem unterordnen. Ferner müsse es mehr qualitativ hochwertige Veranstaltungen geben, die dem Anspruch Kurstadt auch gerecht werden. Gefordert seien auch ein Kulturreferent und ein echter Kulturausschuss sowie eine gemeinsame Entwicklung von kulturellen Visionen. Hacker fehlt in der Stadt auch ein zentraler Mittelpunkt als Treffpunkt und Veranstaltungsort, beispielsweise ein Kurhaus mit komplett ausgestatteter Bühne, einer Gastronomie und mit ausreichend Parkplätzen. Die große Halle der Adam-Riese-Halle sei aufgrund ihrer mangelhaften Akustik nicht für hochwertige kulturelle Veranstaltungen geeignet. Gleiches treffe auch auf das Foyer zu.
Mitglied Rolf Kraus sprach von einer zu weit führenden Diskussion, der Stadt zu sagen, sie solle ein Kurmittelhaus bauen. Man sollte es vielmehr bei der eigenen Raumsituation belassen. Dem hielt Hacker entgegen, dass sich die KIS auch als Ideengeber verstehe. Als kaum realisierbar wurde der Vorschlag, bei Veranstaltungen auf entsprechende Räumlichkeiten in den Dörfern auszuweichen, verworfen. Der Aufwand sei zu viel zu groß, hieß es.
Für Mitglied und Stadträtin Bärbel Köcheler liegt das große Plus der Kultur-Initiative im Bereich der Kleinkunstbühne. Auch widersprach sie dem Argument, dass der Stadt die KIS nicht wichtig sei. "Die KIS ist in der Stadt hoch angesiedelt."
Der derzeitige Schnitt von 30 bis 50 Personen pro Veranstaltung zeige, dass die Räumlichkeiten in der "Alten Darre" ausreichen, stellte Anton Köcheler fest. "Dass die Stadt für uns eigenes Gebäude baut, können wir uns abschminken."
Sein Vorschlag war, sich wieder mehr auf die Traditionen zu besinnen. Vielleicht könnte die KIS beim Mittelalterfest den Vorplatz vor der Polizei und möglicherweise auch deren Hinterhof für Aktionen nutzen, lautete sein Vorschlag.
Helmbrecht von Mengershausen plädierte für eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit. "Wir müssen eine breitere Schicht der Bevölkerung auf die kulturellen Anliegen der KIS ansprechen."
Rosi Jörig gab zu bedenken, dass die Arbeitsbelastung einzelne Mitglieder heute schon an ihre Grenzen bringe.