Wenn die Schulglocke mittags an einem warmen, sonnigen Tag erklingt, gibt es für die Kinder an der Grundschule am Markt in Lichtenfels kein Halten mehr: Die komplizierten Matheaufgaben hinter sich lassen und schnell nach Hause und den Nachmittag im Schwimmbad oder auf dem Fußballplatz verbringen. Bevor es aber soweit ist, müssen die Grundschüler noch eine weiße Linie auf dem Kopfsteinpflaster überqueren. Die eigens für die Verkehrssicherheit geschaffene Markierung ist für die Kinder eine unsichtbare Wand - zumindest so lange bis der Mann mit der neongelben Weste und der Kelle da ist.

Seit 25 Jahren ist René Schmölzing nicht nur Hausmeister der Schule, sondern gleichzeitig auch der tägliche Schulweghelfer. "Das gehört zum Sicherheitskonzept der Schule", sagt er. Morgens um kurz vor 8 Uhr steht er an der Bushaltestelle und bringt die Kinder über die Straße und in die Schule, ab 11.15 Uhr führt er sie im Stundentakt wieder zurück bis sie sicher im Bus sitzen. "Die Großen, also die Viertklässler, werden schon manchmal bisschen mucksig, aber im Großen und Ganzen hören alle auf mich", sagt er. Passiert sei unter seiner Obhut noch nie etwas und das soll auch in den fünf Jahren bis zu seinem Ruhestand so bleiben.


Ständige Optimierung der Wege

Am Freitag, 10. Juni, findet in Deutschland der Kindersicherheitstag statt. Ziel des Organisators, der Bundesarbeitsgemeinschaft "Mehr Sicherheit für Kinder e.V.", ist es, das Bewusstsein für Unfallgefahren zu wecken - auch im Straßenverkehr. Im Jahr 2015 haben bei 261 Verkehrsunfällen in Oberfranken 283 Kinder Verletzungen erlitten.

Jeder fünfte Unfall passierte dabei auf dem Schulweg. An einen Schulwegunfall im Landkreis Lichtenfels kann sich Polizeihauptkommissar Jürgen Kremer nicht erinnern. Für den Sachbearbeiter im Bereich Verkehr ist das natürlich kein Grund sich auszuruhen. In Zusammenarbeit mit Behörden und Schulen ist es sein tägliches Brot, die Schulwege im Landkreis sicherheitstechnisch weiter zu optimieren. Wird der Polizei eine potenzielle Gefahrenstelle gemeldet, wird diese im Rahmen einer Verkehrsschau vor Ort penibel überprüft. Mit dabei sind im Regelfall neben der Polizei noch Kommunalpolitiker, der Verkehrssicherheitsbeauftragte des Landratsamts und Elternvertreter. "Jeder versucht dann vor Ort zu reflektieren, wo die Gefahren sind und was man dagegen machen kann", sagt Kremer. Bei der anschließenden Diskussion eine gemeinsame Lösung zu finden, die jeden zufrieden stellt, sei nicht immer ganz unkompliziert. "Die Eltern sind natürlich sehr subjektiv", verweist Kremer auf festgelegte Lösungsansätze, die auf bestimmte Probleme angewendet werden müssen.

Wenn eine Gefahrenstelle allerdings als solche bestätigt ist, werde diese auch sehr zeitnah baulich beseitigt, so Kremer. Dies kann dann durch die Errichtung einer Verkehrsinsel oder eines offiziellen Schulwegübergangs mit entsprechender Beschilderung erfolgen. Von diesen Schulwegübergängen gibt es im Landkreis aktuell 18.
Vor und nach Unterrichtsschluss sind die Übergänge stets von ein oder zwei Schulweghelfern besetzt. "Die Schulweghelfer können auf beide Verkehrsteilnehmer, also auf die Kinder und die Kraftfahrer, einwirken", begründet Kremer die exponierte Rolle der Hilfskräfte bei der Verkehrssicherheit. Stolze 817 erwachsene Schulweghelfer sind dem Landkreis offiziell gemeldet. 817 Menschen, die auch künftig Tausenden Schulkinder im Kreis Lichtenfels einen sicheren Schulweg ebnen werden.