Wenn Waltraud Albert von den Schicksalen ihrer Lieblinge erzählt, kommen ihr sofort die Tränen. Sie muss kurz unterbrechen, bevor sie weiterreden kann. Doch der Kloß im Hals bleibt, wenn sie die Leidensgeschichten ihrer Tiere erzählt. Waltraud Albert gehört die "Traudl's Lucky Horse Ranch" in Pferdsfeld. Was sich so unbeschwert anhört, hat einen ernsten Hintergrund. Waltraud Albert nimmt Tiere - oft alte Tiere - auf, die niemand mehr haben möchte oder rettet ihnen das Leben vor dem Schlachter.

"Angefangen hat alles mit zwei Pferden", erzählt Albert und lacht. Sie und ihr Lebensgefährte fingen nach und nach an selbst zu züchten. "Dadurch sind wir viel rumgekommen und haben viele misshandelte Tiere gesehen." Sie erzählt von dem Besuch auf einem Stutenmilchhof. "Die Stuten bekommen Fohlen und bereits nach wenigen Tagen bekommen diese keine Milch mehr, damit mehr zum Verkauf bleibt", erzählt Albert. Hengstfohlen seien dort unerwünscht und würden direkt zum Schlachter kommen. Allein von dort hat Waltraud Albert fünf Pferde freigekauft. "Das sind Pferde, die waren noch nie draußen. Auf der Weide sind sie erst einmal rumgerast. Und dann kam ein Pferd und legte seinen Kopf auf meine Schulter, als würde es sich bedanken wollen", erzählt Waltraud Albert. Ihre Tränen kann sie nun nicht mehr zurück halten. Selbst nach so langer Zeit kann sie kaum darüber reden.

Auf der Weide hinter dem Haus stehen die Pferde ganz friedlich. Sie strahlen Ruhe aus und kommen langsam auf ihre Besitzerin zu gelaufen. Ramona, ein 40-jähriges Pony kommt als erstes. "Sie ist schon fast wie ein Hund. Läuft mir immer nach." Nach und nach kommen auch die anderen, um sich ihre Streicheleinheiten abzuholen. Auf einmal meldet sich lautstark Esel Ramses zu Wort. Er beobachtet aus einigen Metern seine Besitzerin und möchte auch ein paar Streicheleinheiten abbekommen.

Ein Bild, das verblüfft, wenn man die Schicksale der Tiere im Hinterkopf hat. Gerade bei misshandelten Tieren dauert es oft sehr lange, bis sie wieder Vertrauen finden. "Die Tiere geben mir viel. Da weiß ich, warum ich es mache", sagt sie.


19 Jahre gibt es den Gnadenhof

Im Jahr 1996 hat Waltraud Albert gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten den Hof am Ortsrand von Pferdsfeld gekauft. "Das ging aber nur weil mein Partner hinter mir gestanden hat und wir die aufgenommenen Tiere so mit durchgezogen haben", erzählt sie. Doch vor zehn Wochen der Schock: Der Lebensgefährte von Waltraud Albert stirbt plötzlich.

Als hätte sie damit nicht schon genug zu kämpfen, muss sie nun auch noch um die Existenz ihres Hofes bangen. "Um die Heuernte hat er sich immer gekümmert." Für den Winter hat sie weder Heu noch Stroh. Auch Sägespäne zum Einstreuen der Boxen sind auf dem Hof momentan Mangelware. "Durch die Holzpellets sind die Sägespäne so teuer geworden, das kann ich mir kaum noch leisten." Die Arbeit wächst ihr momentan über den Kopf. Neben dem Gnadenhof betreibt Waltraud Albert einen Stand bei Vierzehnheiligen. Doch das reicht bei weitem nicht aus. Im Jahr braucht sie um die 400 Rundballen. Einer kostet zwischen dreißig und fünfzig Euro. Finanziell für Waltraud Albert nicht zu schaffen. "Das ist damals nur gegangen, weil wir alles selbst gemacht haben. Es geht wirklich um`s nackte Überleben." Nun ist auch noch ihr Radlader kaputt gegangen. Die Verzweiflung ist Waltraud Albert ins Gesicht geschrieben. "Das ist ein Fass ohne Boden." Sie weiß nicht mehr, wie es weiter gehen soll. Hoffnung für den Hof hat sie kaum noch.

Doch noch lässt sie sich nicht unter kriegen, denn sie weiß, dass die Tiere sie brauchen: Futter, saubere Ställe und Streicheleinheiten. Die Schafe hat sie mit der Flasche aufgezogen. Manche Schäfer töten bei Zwillingsgeburten ein Lamm, damit das andere eine höhere Überlebenschance hat. Waltraud Albert konnte nicht wegsehen. Sie hat die Kleinen zu sich geholt und aufgepäppelt. Und das merkt man: Egal, wo sie im Gehege hin geht, die Schafe folgen ihr.


Es fehlt momentan an allem

Melanie See ist durch Zufall auf den Hof aufmerksam geworden und hat sofort beschlossen zu helfen. Gemeinsam mit einer Kollegin sammelte sie Geld- und Sachspenden und brachte sie direkt auf den Hof. "Wir haben gesehen, dass es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist und wussten sofort, da muss mehr getan werden", sagt See.

Egal ob Geld-, Sachspenden oder freiwillige Helfer: Momentan fehlt es an allem. "Es kann nicht sein, dass die Tiere vom Schlachter gerettet wurden, nur um ein paar Jahre später dort wieder hin zu müssen", sagt See. Denn das wäre das Schicksal, wenn Albert den Gnadenhof aufgeben müsste. See appelliert an Bäcker, ihr altes Brot vorbeizubringen, an Bauern, dass sie einen Ballen Heu geben und an sämtliche Tierliebhaber und Futtermittelhersteller: "Hier haben so viele Tiere ein Zuhause gefunden, die keiner mehr wollte. Es kann doch nicht sein, dass es zu Ende ist, nur weil keiner hilft", sagt See. Eine Sache liegt Waltraud Albert noch besonders am Herzen: Die Leute sollen nachdenken, bevor sie sich ein Tier anschaffen. "Viele denken nicht daran, dass Hunde zehn bis 15 Jahre leben und Pferde sogar 30 Jahre." Ein Tier müsse funktionieren und wenn es das nicht tut, komme es einfach weg.

Hilfe für den Gnadenhof
Wer Waltraud Albert auf ihrer Ranch helfen möchte, - egal ob finanziell oder tatkräftig - erreicht sie unter 0175/4153089. Spenden bitte direkt an Waltraud Albert. Konto: IBAN DE47 7835 0000 0009 7931 18, BIC: BYLADEM1COB.