Die Bratwurstbrater stammen ebenso aus dem Weismainer Ortsteil wie die fleißigen Arbeitsbienen am Ausschank. Das halbe Dorf ist auf den Beinen, wenn das Seubersdorfer Scheunafestival über die Bühne geht. An der Scheune gegenüber sitzen die Dorfältesten bei einem Festbier und verfolgen, wie schwarze Gestalten, Bunthaarige und Normalos an der Kasse des Feuerwehrstadels einchecken. Einer, der zum ersten Mal Seubersdorfer Festival-Luft schnuppert, ist Sänger Klaus Schön von der Bayreuther Band Bensin Peniz, die ihren Proberaum in der Gößmannsreuther Kulturschule bei Kulmbach hat. Er gerät sofort ins Schwärmen: "Das ist ein uriges Klein-Wacken mitten in der fränkischen Pampa, bei dem das Dorf mitfeiert. Fehlt nur noch die Blaskapelle, die zur Begrüßung spielt."

Schlagzeuger Markus Weisschädel von der Kasendorfer Band Cosmic Wasteland zieht einen anderen Vergleich: "Wer gerne auf eine Kerwa geht und Musik mag, der fühlt sich hier pudelwohl." "Nur mit einem Unterschied", klinkt sich sein Bandkollege, Gitarrist Stefan Frisch, ein: "Auf einer Kirchweih spielen die Rockbands Songs aus fremder, bei der Seubersdorfer Rock'n'Roll-Kerwa hingegen aus eigener Feder."


Nachwuchscombo überrascht

Dafür sorgt seit 19 Jahren Brandy Schäck aus Peesten, seines Zeichens Sänger der Kulmbacher Kultband Euroschäck. Er hat wieder ein stimmiges Programm auf die Beine gestellt, das weit über 200 Besucher vom Jura und darüber hinaus anlockt.

Es ist wieder die Hölle los im idyllischen Feuerwehrstadel. Für eine Nachwuchscombo teuflisch gut ist die erste Band des Abends. Ihr Name: Devil Train. Frontfrau Simona Arnold spielt nicht die Cholerikerin mit Reibeisenorgan, auch wenn der Bandname anderes vermuten lässt, sondern überrascht und verzaubert die Besucher mit einer Stimme, die gefühlvoll, klar und stark rüberkommt. Damit setzt sie eingängigen Rockhymnen wie "Worst Enemy" das i-Tüpfelchen auf.

"Der Teufel hat den Schnaps gemacht und uns um den Verstand gebracht", heißt es bei der Mittelalterrockband Schandmaul. Bezogen auf das Seubersdorfer Scheunafestival müsste es heißen: "Der Belzebub hat den Rock'n'Roll erfunden". Denn die Gruppen Bensin Peniz und Weak Willies aus Bayreuth brachten mit fetzigen, orkanartigen Klängen zwischen Hardrock und Punk so manchen Fan in Stimmung.

Immer wieder mischt sich der Frontmann der Weak Willies, Peter Weintritt, mit seinen markanten Koteletten unter Dauerwellen, Dreadlocks und lange Matten, wo er zur Freude der Fans eine starke Riffsalve nach der anderen aus seinem Ärmel schüttelt. Doch damit nicht genug: Die Geisterstunde ist angebrochen, und der Höllenschlund hat eine finstere, geheimnisumwitterte Gestalt mit kreidebleichem Gesicht und jeder Menge Knochen um den Hals ausgespuckt: Den "Hexer aus Buchau" bei Mainleus, oder wie er sich neudeutsch nennt: "Witcher from Buchau". Seit einem Jahr begleitet er nun schon die Kasendorfer Band Cosmic Wasteland auf ihren Konzerten.


Okkulte Atmosphäre

"Die Veranstalter des Rise-Of-Chaos-Festivals, das im Altenkunstadter Nepomuk stattfindet, wollten uns zur Top-Band des Abends machen, allerdings unter einer Bedingung: Wir sollten den Fans eine ganz besondere Show bieten. Und so ließen wir uns den Witcher einfallen", erzählt Sänger André Rosenbusch.
Der Furcht einflößende Zeitgenosse, der seinen Namen nicht preisgibt, sorgt mit seinem Auftreten und jeder Menge Weihrauch für eine okkulte Atmosphäre, die wie die Faust aufs Auge zu den tiefer gestimmten, schleppend und langsam gespielten Gitarren und dem beschwörenden Gesang passt. Langsam, aber stetig kriechen die düsteren Töne in die Gehörgänge, wo sie sich festsetzten.

Während die Gedanken der Fans auf dem Nachhauseweg noch bei der diesjährigen Musik sind, kreisen jene von Stefan Hatzold aus Seubersdorf schon wieder um das nächste Jahr: "Im nächsten Jahr feiern wir unser 20-jähriges Bestehen. Da man bekanntlich Feste feiern soll, wie sie fallen, werden wir uns etwas Besonderes einfallen lassen."