Wer von den rund 40 Besuchern nicht auf der Wiese saß, der lag ihm bei seinen Ostergeschichten eben zu Füßen. Wortwörtlich. Denn Erik Berkenkamp fand auf dem Staffelberg einen festen "Erzählbaum", unter dem er mit dem vorgestrigen Tag beginnend bis Oktober jeden ersten Sonntag im Monat fränkische Sagen und Legenden erzählen wird. Ausgerechnet er. Denn der Mann wirft immer mehr Fragen auf, je länger man sich mit ihm unterhält.
Langer Bart, rotes Band um den Hut, eine fränkisch anmutende Tracht und auf dem Parkplatz ein Auto, das wegen des Schriftzugs BamBerk gänzlich Marketing ist. "Ich bin ein Nischenfinder", sagt Erik Berkenkamp (65) von sich.

Zum Staffelberg gehören er und seine Erscheinung mittlerweile schon längst, man erkennt in ihm "den Geschichtenerzähler". Doch wer da hinter dem Begriff BamBerk, hinter dem Bart und unter dem Hut steckt, ist eigentlich ein Bremer.

Die Legenden um die Effeltricher Tanzlinde sind ihm aber genauso geläufig wie die um den Fisch im Staffelberg. Er spricht Hochdeutsch und springt zur Veranschaulichung des Gesagten auch mal in die Luft. "Habt ihr Kinder es schwappen gehört?", fragt er zu der durch den Sprung doch ganz bestimmt hervorgerufenen Erschütterung im Berg, dort, wo der Fisch gekrümmt im Wasser liegen soll.

Und die Kinder legten ihre Ohren an den Berg an und lauschten. Nach einer guten Stunde des Erzählens, als er seine Flyer verteilt und letzte Kinderfragen zu den Legenden beantwortet hatte, saß Berkenkamp neben der Adelgundiskapelle in der Sonne und genoss sein Bier.

"Jein", antwortet er auf die Frage, ob er denn für seine Auftritte übe. Dass er sich die Geschichten selbst erzählt, so lange, bis sie sitzen, hält er nicht gänzlich für eine Übung und darum das Jein. So um die 100 bis 120 Geschichten habe er auf Lager, und es kämen immer wieder neue dazu.

Als Vorbild nennt er einen Erzähler namens Michael Köhlmeier aus Vorarlberg. Lampenfieber kenne er auch, besonders dann, wenn er eine Geschichte erstmalig erzählt. Dass er das nicht in fränkischer Mundart tut, hat mit seinem Anspruch zu tun, auf seine Weise unverstellt und authentisch zu sein.

Denn wenn er nun mal kein Dialektmuttersprachler ist, dann ist er eben keiner. Aber heimisch, das zeigt sich am Kunstbegriff BamBerk, wurde der in Bamberg wohnende Mann schon.

Denn zwischen Bremen und Oberfranken lag auch eine Station in Kalifornien, wo er an einer Universität unterrichtete. Mittlerweile macht der seit 25 Jahren Wahlfranke in Bamberg Stadt- und Bierführungen oder wird von Unternehmen für den Deutschunterricht ihrer Auslandsmitarbeiter gebucht.


Die Tracht ist gar keine

Mischkalkulation. "Für ein normales Angestelltenverhältnis war ich immer zu feige", sagt er. Wissend, dass man sich über diesen Satz auch wundern könnte. Die Tracht, die er trägt, ist überhaupt keine.

"Es ist keine Tracht, es ist mein Markenzeichen", erklärt er. Denn wem er im Alltag begegnet, dem läuft er dann ebenso mit rot-weiß-kariertem Hemd, in Lederhosen und mit Hut über den Weg. Ja selbst sein Bart, über den er sich während des Erzählens nicht selten streicht, ist gewachsenes Marketing, von Zeit zu Zeit stutzbares Erkennungszeichen. Aber wer ganz sicher gehen möchte, es mit Erik Berkenkamp zu tun zu haben, der sollte auf den Hut achten, der so ein bisschen nach Zimmermannsgesellenhut aussieht. Oberhalb der Krempe verläuft ein rotes Band.

"Damit ich nie den roten Faden verliere", erklärt der Bremer Bamberger.