Umhäkelte Straßenlaternen, ein Dorf mit Goldmedaille und ein Abt, der zur Jagd lädt - das Wanderprogramm der Kur- und Urlauberseelsorge musste diesmal sechs Stunden währen. Den Teilnehmern der geführten Tour "Der Abt lädt zur Jagd auf seinen Berg" sollte sich gegen Ende noch ein höchst seltener Blick eröffnen.

Hildegard Wächter ist Wanderführerin und Pilgerbegleiterin. Zumeist schreitet die Seniorin ihren Wandergruppen voran und lässt sich nur ab und an durch Gespräche zurückfallen. Dann, wenn sie gefragt wird, was es mit diesem oder jenem Sachverhalt entlang des Weges auf sich hat. Womit die Seniorin in der Wanderung vom Mittwoch lockte, war auch ein wenig schaurig: Sühnesteine waren im Gespräch. Ob man sich aber wirklich auf die Spur solcher Steine begab, oder sie nur in Gedanken ansteuerte, sollte für eine Weile Rätsel bleiben.


Stoßgebet am Sühnestein

Gegen 10 Uhr traf sich der Tross in Birkach, einem Ort im Raum Ebensfeld, der in seinem Zentrum gar über umhäkelte Straßenlaternen verfügt. Von hier aus sollte es in westlicher Richtung in den Wald gehen, in dem Sühnesteine zu finden wären. Solche gelten als Flur- bzw. Bodendenkmale und haben reichlich Geschichte. Mordsgeschichten sogar, denn im Mittelalter oder der frühen Neuzeit waren sie Mahnsteine, die an Stellen errichtet wurden, an denen ein Mord geschehen war.

"Jemand, der an einem Sühnestein stand, sollte an diese Seele denken und vielleicht ein Stoßgebet sprechen", erklärte Hildegard Wächter, Einblicke in Rechtsgepflogenheiten vergangener Zeiten gebend. Sollten die drei Steine, die oberhalb Birkachs standen, wirklich solche Steine sein? Immerhin handelte es sich um eine alte Handelsstraße und drei Nürnberger Kaufleuten sei vor Jahrhunderten hier etwas zugestoßen.

Die Ehrfurcht vor diesen Steinen wich aber in dem Moment, in dem am dritten Stein die Auflösung erfolgte. Hildegard Wächter hatte einen dramaturgischen kleinen Kniff benutzt, eine Flunkerei, denn in Wirklichkeit markierten die Steine Jagdgebietsabgrenzungen eines Bamberger Abts.

Woher Hildegard Wächter ihre Geschichten bezieht, kann in Büchern stehen. Dabei gilt ihr Interesse allem, "was mit Heimatgeschichte zu tun hat". Doch plant sie eine Wanderroute mit Geschichten und lohnenden Einkehrplätzen, so müssen diese Orte erst angesteuert werden. Immerhin kann ein Buch auch veraltete Schilderungen liefern, die erst überprüft werden müssen. Im Falle der Wanderführerin bedeutet das, dass sie Strecken vorher erst abgehen muss.


Von der Veste zum Michelsberg

Jemand, der immer wieder regelmäßig an den Wanderungen Wächters teilnimmt, ist Anita Meyer aus Bad Staffelstein. "Die Hintergrundinfos und Sagen finde ich toll (...) und dass wir Kleinode entdecken", so die Frau zu den Vorzügen der Wanderungen der Kur- und Urlaubsseelsorge. Wohl um die 15 bis 18 Kilometer lang dürfte der Streckenverlauf gewesen sein, der von Birkach nach Birkach führte: über Medlitz und den Besuch einer Kunstmühle in Mürsbach.

Am Ende, oberhalb eines Höhenzugs bei Birkach, eine letzte Besonderheit: Es gibt eine Achse, über die hinweg man mit Blick nach links und rechts von der Veste Coburg zum Bamberger Michelsberg sehen kann. Jenem Ort also, an dem der Abt Jagdmotive ins Deckenfresko aufnehmen ließ.