Vor kurzem trafen sich Vertreter mehrerer Bürgerini tiativen im Weismainer Ortsteil Modschiedel, um ihren Protest landkreisübergreifend zu bündeln. Im Gasthaus Herold gründete sich ein Netzwerk von Windkraftgegnern, das nur ein Ziel kennt: den Bau weiterer Windkraftanlagen auf dem Jura zwischen Azendorf und Wattendorf zu verhindern. "Nur gemeinsam sind wir stark", sprach Jürgen Kreutzer aus Modschiedel allen aus der Seele.
Stolz präsentierten Vertreter aller Bürgerinitiativen bei der Veranstaltung ihre Unterschriftenlisten. Insgesamt rund 3000 Unterschriften hatte man in den vergangen Monaten gesammelt.
Die Arbeit des Netzwerks trägt bereits Früchte: Ein gemeinsames Flugblatt wurde erarbeitet, mit dem die Windkraftgegner auf ihre Ziele aufmerksam machen wollen. Zudem wird ein Einspruchsschreiben verfasst, das die Bürger als Vorlage für ihren persönlichen Widerspruch gegen das Anhörungsverfahren benutzen können.

Keinen Grund verpachten


"Alle Einwohner auf dem Jura sollen begründet ihr Veto gegen die Ausweisung von Windrädern einlegen. Außerdem wollen wir die Grundstückseigentümer dafür sensibilisieren, keinen Grund und Boden für den Bau einer solchen Anlage zu verpachten", nannte Sandra Schmidtlein aus Wattendorf zwei wichtige Ziele.
"Nur die Grundstückseigentümer können ein Vorhaben blockieren", pflichtete ihr Gisbert Sattler aus Kulmbach bei, der für Modschiedel und Fesselsdorf zuständiger Jagdpächter ist. Edwin Bergmann aus Fesselsdorf von der Bürgerinitiative Jurawindpark warnte ausdrücklich davor, Grundstücke für den Bau von Windkraftanlagen herzugeben. Er ließ eine Liste herumgehen mit Standorten von Windrädern, deren Betreiber nach drei Jahren Insolvenz angemeldet hätten. "Damit ist nichts verdient", meinte der Windkraftgegner. Seiner Einschätzung nach eigne sich der Jura nicht für den Bau solcher Anlagen. Die Windgeschwindigkeiten, die er bei einer Höhe von 140 Metern auf durchschnittlich fünf Meter pro Sekunde bezifferte, seien hierfür einfach zu klein, so Bergmann.
Zudem fragte er sich mit Blick auf die bereits aufgestellten acht Windräder, die acht Biogasanlagen und die über 100 Hektar große Freiflächenphotovoltaikanlage: "Wird auf dem gesamten Jura nicht schon genügend Strom produziert?" Bergmann befürchtet, dass bei einer verplanten Fläche von 1200 Hektar bis zu 120 Windräder auf dem Jura errichtet werden könnten. "Der ganze Jura wäre zugepflastert. Das kann doch nicht sein!", gab ihm Kreutzer Recht, der ungläubig den Kopf schüttelte.

Sinken Immobilienpreise?


Thematisiert wurden auch die Auswirkungen der Windkraftanlagen. Mehrere Redner befürchteten einen Verfall der Immobilienpreise, der dazu führen werde, dass die Banken keine Kredite mehr vergeben werden. Nach Ansicht Schmidtleins werde der Tourismus darunter leiden, da die Anlagen das Landschaftsbild verschandelten und im Winter eine Unfallgefahr durch Eiswurf bestehe. "Was soll dann aus der Langlaufloipe bei Wattendorf werden?", fragte sie sich. Sattler wiederum sieht schützenswerte Tierarten, wie Fledermäuse, Turm- und Wanderfalken bedroht.
Die Tatsache, dass der Ort Litzendorf im Landkreis Bamberg von Windkraftanlagen ausgespart werden soll, brachte die Teilnehmer auf die Palme. Vor allem die Begründung, der Ort liege im Naturpark Fränkische Schweiz Veldensteiner Forst, konnten sie nicht nachvollziehen. "Auch wir liegen darin", meinte Volker Will. Für den Wölkendorfer hat das Ganze ein G'schmäckle: "In Litzendorf wohnt der Chef des Planungsverbandes, der Bamberger Landrat Günther Denzler, der ohne Blick auf ein Windrad leben möchte."