Bedrohlich wirken die achtbeinigen Spinnentiere höchstens unter einem Mikroskop. Mit einer Länge von knapp vier Millimetern im ausgewachsenen Zustand ziehen die Blutsauger selbst mit einem Streichholzkopf den Kürzeren. Doch die Optik trügt: Denn kein anderes Tier in Deutschland verursacht jährlich so viele Erkrankungen wie die Zecke.

Ein Fakt, der Menschen besorgt und dadurch den ein oder anderen Mythos hervorbringt. Einer besagt, dass Zecken von Bäumen fallen. "Das ist natürlich ein Irrglaube. Da wären die Zecken schon längst ausgestorben, weil die Trefferwahrscheinlichkeit so gering wäre", sagt Oliver Kröner, Bereichsleiter Forsten am Landwirtschaftsamt in Lichtenfels. Zecken leben in Bodennähe und sind vor allem in Gräsern, Büschen und Sträuchern zu finden.
Durch ihren ständigen Aufenthalt in Waldgebieten gehören besonders Förster, Jäger und Waldbauern zu den Risikogruppen für Zecken. "Meine subjektive Wahrnehmung ist, dass in diesem Jahr viele über Zecken klagen", sagt Kröner. "Zecken sind heute allgegenwärtig. Ob sie vom Klimawandel profitieren, ist ein Thema für die Wissenschaft." In der Regel sind die Blutsauger in Deutschland ab April bis in den Herbst aktiv.


Ein FSME-Fall im Landkreis

Wie ein Großteil von Süddeutschland gehört auch der Landkreis Lichtenfels zu den FSME-Risikogebieten. Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Viruserkrankung, die durch eine infizierte Zecke übertragen werden kann. Nach einer Infektion entwickeln 10 bis 30 Prozent der infizierten Menschen grippeähnliche Symptome. In einer zweiten Krankheitsphase kann es zu einer Hirnhautentzündung und Körperlähmungen kommen.
Trotz der Lage in einem Risikogebiet sind die Fallzahlen für den Landkreis Lichtenfels verhältnismäßig überschaubar. "Nur ein bis fünf Prozent der Zecken sind mit den FSME-Viren infiziert", erklärt Dr. Nataša Luz vom Gesundheitsamt Lichtenfels. In diesem Jahr gab es bislang eine FSME-Infektion im Landkreis, in den vergangenen 15 Jahren wurden dem Gesundheitsamt insgesamt 23 Fälle der Erkrankung gemeldet.


FSME-Impfung wird empfohlen

Zur Vorbeugung empfiehlt das Gesundheitsamt insbesondere den beruflichen Risikogruppen, älteren Menschen und Kindern die Schutzimpfung. Auch Oliver Kröner ist gegen FSME geimpft. Ein Förster aus dem Kreis Lichtenfels war das im vergangenen Jahr nicht, infizierte sich und musste für Wochen stationär versorgt werden, berichtet Kröner. Das insgesamt größere Problem sei aber die Borreliose. Eine weitere Infektionskrankheit, die im Gegensatz zur FSME durch Bakterien übertragen wird. Die Krankheit tritt deutlich häufiger auf, weil bis zu 35 Prozent der Zecken Borrelien in sich tragen. Die Wahrscheinlichkeit dafür steigt mit zunehmendem Alter und der Größe des Tieres. "Je kleiner das Körpervolumen, desto weniger Speicher gibt es für die Bakterien", erklärt Luz. Ein Zeckenstich sollte allerdings noch nicht beunruhigen. "Viele Menschen werden mit dem Erreger infiziert, aber nur bei einigen bricht die Borreliose-Krankheit auch wirklich aus", erklärt Dr. Anja Grottker, Leiterin des Gesundheitsamtes Lichtenfels. In der Regel gelte, je schneller die Zecke entfernt ist, desto unwahrscheinlicher ist eine Infizierung. Typisches Krankheitszeichen für eine Borreliose ist eine kreisförmige Hautrötung an der Stichstelle. Spätestens dann sollte ein Arzt aufgesucht werden, um die potenzielle Krankheit möglichst zeitnah mit einem Antibiotikum zu behandeln.

Die Lyme-Borreliose ist in Bayern seit 2013 meldepflichtig. Seitdem sind die Krankheitsfälle zumindest im Landkreis Lichtenfels gesunken. In diesem Jahr gibt es bisher 14 Fälle, 2013 gab es über das komplette Jahr noch 56 Erkrankungen. Ein Ergebnis, das möglicherweise auch mit erfolgreicher Präventionsarbeit im Landkreis zu tun hat. Im Rahmen der Aktion "Sonne mit Verstand - statt Sonnenbrand" des bayerischen Gesundheitsministeriums klären Mitarbeiter des Landratsamtes in Freibädern Kinder und ihre Eltern auch über die Gefahren von Zecken auf. Die nächsten Termine für die Aktionstage des Landkreises sind bei passendem Badewetter am 26. Juli am Baggersee in Schwürbitz und am 28. Juli am Baggersee in Bad Staffelstein.

Aber wie schützt man sich nun am besten gegen die kleinen Blutsauger? Eine Möglichkeit ist das Auftragen von Mückenschutzmitteln, sogenannten Repellentien. Bei richtiger Handhabung, sprich wiederholtem Einsprühen der Haut und der Kleidung, berichtet Nataša Luz, betrage die Wirksamkeit laut Studien bis 90 Prozent. "Aber viele wissen nicht, dass die Wirkzeit nach zwei, drei Stunden vorbei ist", sagt die Ärztin.

Wichtigste Schutzmaßnahme ist eine passende Kleidung im Gelände. "Festes Schuhwerk, lange Hosen und Hemden", sagt Luz. "Am besten helle Kleidung, um die dunklen Tiere zu erkennen." Was in der Theorie einfach klingt, funktioniert in der Praxis nach den Erfahrungen von Oliver Kröner mit Waldführungen für Schulklassen nicht immer: "Es fehlt das Bewusstsein, die Kinder kommen teilweise mit kurzer Bekleidung. Festes Schuhwerk gibt es kaum mehr."


Die Natur nicht mehr erleben?

Gleichzeitig mangle es aber nicht an der Fürsorge der Eltern. "Es gibt Eltern, die lassen ihre Kinder wegen Zecken nicht mehr zu solchen Schulführungen in den Wald", sagt er. Als zweifacher Vater rät Kröner zu etwas mehr Gelassenheit. "Gefahren gibt es überall, beispielsweise im Straßenverkehr. Man darf seine Kinder deswegen nicht von der Natur abschirmen und Erfahrungen vorenthalten."



Infektionskrankheiten durch Zecken


FSME Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine Viruserkrankung und kann deshalb nur symptomatisch und nicht spezifisch behandelt werden. Eine Impfung ist an drei Terminen möglich und wird empfohlen. Krankheitszeichen bei FSME sind anfangs grippeähnliche Symptome. Nach einer Woche können Gehirn-, Gehirnhaut- oder Rückenmarkentzündung auftreten. Bisher ein Krankheitsfall im Kreis Lichtenfels im Jahr 2016 (Stand 13. Juli).
Borreliose ist eine durch Bakterien übertragene Krankheit. Sie kann mit Antibiotika gut behandelt werden. Eine Impfung gibt es nicht. Ein Anzeichen ist eine örtliche Entzündung der Haut (Wanderröte). Nach Tagen/Wochen kann sich eine Rötung entwickeln, die sich ringförmig ausdehnt. Auch plötzliche Gelenkschmerzen oder Nervenlähmungen sind mögliche Symptome. Bisher 14 Fälle von Lyme-Borreliose im Kreis Lichtenfels 2016 (Stand 13. Juli). Landratsamt LIF