Wenn man die Berufsbezeichnung Landwirt hört, denkt man zuallererst an Kühe, Stall, Traktoren und Wiesen. Das ist auch richtig. Doch ein Hauptbestandteil des Berufes wird immer unterschätzt: die Büroarbeit. Von den Bauern wird sie meist ganz hinten angestellt. Tiere und Mähen gehen meist vor. Ein Fehler. Auf dem Schreibtisch stapeln sich in der Zeit die Papierhaufen. Oft sind die Frauen die große Stütze im Haus und in Sachen Büroarbeit.


Lehrgang zur Agrar-Bürofachfrau

Und genau dort setzt der Bauernverband Oberfranken an. Er bietet einen 17-tägigen Lehrgang zur Agrar-Bürofachfrau an. Selbstverständlich können auch Männer teilnehmen. Aber: "Frauen sind durch die Kindererziehung öfters im Haus und können sich leichter eine halbe Stunde ins Büro setzen", erklärt Dieter Heberlein. Er ist für den Bauernverband im Kreis Oberfranken zuständig.

Die Kursreihe gibt es bereits seit zehn Jahren. Stattgefunden hat sie bereits in Bamberg, Bayreuth und Coburg. Und dieses Jahr ist Bad Staffelstein an der Reihe. Die 41-jährige Andrea Becker aus Niederfüllbach (Landkreis Coburg) war beim ersten Lehrgang vor zehn Jahren in Bamberg dabei. Durch ihre Ausbildung als Bürokauffrau hatte sie schon den fachlichen Hintergrund. "Man lernt immer Neues dazu. Und profitiert davon, wie andere ihr Büro organisieren", erzählt sie.

Der Lehrgang zur Agrar-Bürofachfrau geht speziell auf die Landwirtschaft ein. Neben grundlegenden EDV-Kenntnissen wird das Basis-Wissen im Bereich Buchführung und Steuerrecht vermittelt.

"Für jemanden, der das noch nie gemacht hat, ist das schon sehr hilfreich", meint Andrea Becker. Für sie waren besonders das Wirtschafts-, Arbeits- und Sozialrecht interessant. "Da wurde uns gesagt, wie man mit Fremd-Arbeitskräften am besten umgeht."


Büroarbeit durch drei

Neu war für die gelernte Bürokauffrau die Antragstellung in der Landwirtschaft. "Das ist sehr umfangreich und wird alles immer mehr", sagt Becker. Im heimischen Betrieb kümmern sich ihr Schwiegervater und ihr Mann um die Anträge.

Nach dem Lehrgang könnte es Andrea Becker auch machen. Das fachliche Wissen hätte sie. "Bei uns ist die Büroarbeit auf drei Leute aufgeteilt. Das ist richtig gut, sonst hätte ich allein mit dem Büro einen Fulltime-Job", erklärt die dreifache Mutter.

Das wichtigste in Sachen Büroarbeit: Nichts lange liegen lassen. "Eine Lehrerin meinte, wir sollen uns jeden Tag eine Viertelstunde für die Sachen nehmen. Damit kommt man aber nicht hin. Eine halbe Stunde braucht man immer", sagt Andea Becker. Dieter Heberlein kennt das Problem. "Man muss im Tagesablauf einen festen Zeitpunkt finden. Wenn der Schreibtisch leer ist, dann hat man auch mehr Elan."

Im Büro von Familie Becker sind die beiden Schreibtische im Büro leer. Zettel sind ordentlich in Mappen oder Ordner sortiert. Stifte in einer Box. "Mein Mann und mein Schwiegervater gehen jeden Tag nach dem Frühstück für eine Viertelstunde ins Büro", sagt Andrea Becker. Und das auch Samstag und Sonntag. "Das Büro ist für einen Landwirt genauso wichtig wie die Melkmaschine im Stall", fügt sie hinzu.


Informationen Der 17-tägige Lehrgang in Bad Staffelstein beginnt am 3. November. Nähere Informationen zu Terminen und Inhalte gibt es vom Bayerischen Bauernveband Oberfranken unter 0951/96517120.