"So viel, wie ich heute gelogen habe, kann ich auf einmal nicht beichten." Und damit dürfte Hermine, die resolute Haushälterin im Pfarrhaus in Trieb, sogar Recht haben. Im sonst so ruhigen Pfarrhaus geht es drunter und drüber. Schlimmer noch, dem Pfarrer droht eine Versetzung nach Schney oder gar ins benachbarte Coburg.
In diesem Jahr bringt die Theatergruppe Trieb mit dem Dreiakter "Dem Himmel sei Dank" von Bernd Gombold eine Verwechslungskomödie auf die Bühne. Mit bodenständigem Witz, kernigem Humor und einer ordentlichen Portion Lokalkolorit gelingt es den Schauspielern auch diesmal wieder ihr Publikum bestens zu unterhalten.

Skandalöse Vorgänge

Das Geschehen dreht sich um die skandalösen Vorgänge im Pfarrhaus. Trieb hat mit Pfarrer Alfons (Philipp Gernlein) einen noch recht jungen Pfarrer. Einen Pfarrer, der für die Renovierung der Kirche dringend Geld benötigt. Mit fragwürdigen Methoden wie nächtlichem Kartenspiel oder dem Verkauf von schwarz gebranntem Schnaps versucht Alfons die dringend benötigten Mittel aufzutreiben. Trotzdem reicht es hinten und vorne nicht. Als weitere Geldquelle will Pfarrer Alfons einige Zimmer des Pfarrhauses an Interessierte vermieten.
Die unhaltbaren Vorgänge in Trieb sind bis nach Bamberg gedrungen. Da dies der Kirchenleitung missfällt, schickt das Erzbistum den gestrengen Domkapitular Jüngling (Thorsten Sittig) vor Ort, um nach dem Rechten zu sehen. Mesner Johannes Höll (Jens Müller) kartelt lieber mit Pfarrer Alfons, als seiner resoluten Gattin Emma (Carmen Reuß) bei der Arbeit zu helfen. Und dann ist da noch Pfarrgemeinderatsvorsitzende Elfriede Engel (Gitti Templin), die mit ihren überzogenen Forderungen Pfarrer Alfons penetrant im Nacken sitzt. Des eigenen Vorteils wegen möchte sie ihre Nichte Uschi, - pardon - Ursula Engel als Nonne in einem Kloster in Bamberg unterbringen. Als dann tatsächlich der Domkapitular im Pfarrhaus auftaucht, wird die attraktive Untermieterin Heidi Blum (Claudia Schramm) kurzerhand zur Pfarrsekretärin ernannt. Uschis ebenfalls eingemieteter Freund Siggi Bischoff (Marius Herold) avanciert zum Pastoralreferenten und Uschi selbst befindet sich plötzlich in Hochzeitsvorbereitungen wieder. Als ob das Chaos nicht schon groß genug wäre, tauchen mit Hans Messmer (Andreas Sittig) und Heidemarie Rosenfeld (Adelgunde Krappmann) zwei weitere Untermieter auf. In der "Abgeschiedenheit" des Pfarrhauses wollen sich beide näher kommen. Als es dann noch zu Verwechslungen zwischen Familiennamen und Berufsbezeichnungen kommt, ist das Chaos perfekt. Einzig Pfarrhaushälterin Hermine (Martina Lutter) behält den Überblick.

Schweineleber als Lockmittel

Und wie sagt der Volksmund: Mit Speck fängt man Mäuse. Bei Hermine ist es eher Schweineleber, die sie dem Domkapitular ausgerechnet an einem Freitag zusammen mit als Beerensaft getarntem Hochprozentigen serviert. Am Ende bleibt Pfarrer Alfons den Triebern natürlich erhalten. Doch bis dahin werden die Lachmuskeln noch gehörig strapaziert. Soviel sei dennoch verraten: Vor seinem Abgang verspricht Domkapitular Dr. Jüngling hoch und heilig: "Mich sehen Sie in Trieb nie wieder".
Der Running-Gag der Vorstellung am Samstagabend war der herzerfrischende Auftritt von Emmi Zeulner, die vor Jahren selbst einmal Mitglied der Theatergruppe war und auf der Bühne stand. "In Berlin ist es so schlimm, da gibt es nur Curry-Wurst und Bier aus 0,2-Liter-Gläsern", beklagt sie sich völlig atemlos. Deshalb hat sie sich von einem heimischen Metzger auch ein ordentlich großes Stück Wurst besorgt. Außerdem sei man in der Hauptstadt der Ansicht, dass Trieb und Degendorf in Tschechien liegen. Um die fränkischen Interessen zu wahren, brauche sie unbedingt Verstärkung aus der Heimat. Gut, dass sich Elfriede Engel ohnehin zu Höherem berufen fühlt, als nur zur Pfarrgemeinderatsvorsitzenden. Wie sagte doch Schauspieler Thorsten Sittig eingangs: "Die Chance, in den Bundestag zu kommen, liegt bei der Theatergruppe Trieb bei eins zu 25. Also meldet Euch in den richtigen Vereinen an."
Ebenfalls in einer Gastrolle zu sehen: Jörg Handke. Als Fahrer von Emmi Zeulner drängte er zum Aufbruch, schließlich habe man keine Zeit um sich am Arsch der Welt aufzuhalten.
Weitere Vorstellungen von "Dem Himmel sei Dank" finden heute und am morgigen Dienstag jeweils um 20 Uhr auf der Karolinenhöhe in Trieb statt. Die Karten sind unter der Theaterhotline 0179/8564816 oder an der Abendkasse erhältlich.