Für die einen ist es ein ganz normales Fortbewegungsmittel, für andere ein Traum aus Eisen und Stahl: auch mehr als 175 Jahre nach der ersten Fahrt in Deutschland hat die Eisenbahn für ihre Fans nichts an Faszination verloren. Das Deutsche Bahn Museum nahm im Depot Lichtenfels am Wochenende die Zuschauer mit auf eine Reise durch die wunderbare Welt der Eisenbahnen, zeigte die Macher und erzählte die Geschichten der historischen Dampfloks oder detailgetreuen Miniatur-Eisenbahnen. Es war der Tag des offenen Denkmals in Lichtenfels.

Im Mittelpunkt standen nicht nur die historischen Dampfloks, auch E-Loks, Schienenbusse und Dieselloks waren echte Hingucker. Norbert Heidrich, Standortbeauftragte des Bahnsozialwerks (BSW), hatte mit seinen Helfern und den Eisenbahnfreunden Lichtenfels das Programm vorbereitet. Nicht nur die großen Ungetüme aus der Zeit der Dampfeisenbahn präsentierten sich rund um den Drehkranz des Lokschuppens, sondern auch die Lichtenfesler Eisenbahngeschichte auf übersichtlichen Infotafeln.

Regina Stirnwels vom BSW-Regionalbüro Nürnberg war sprachlos: "Der ganze Aufbau und die Präsentation vieler Details beeindruckt mich", sagte sie. Dem Thema Holz waren einige Exponate gewidmet. So konnten sich die Besucher über das Modell eines Wagens der 3. Klasse ein Bild machen. "Mit dem Holz der Schwellen fängt es unten an und hört bei den Holzdächern der Waggons auf", erläuterte Heidrich. Bestaunt wurde ein tonnenschweres Wappen aus dem Portal des ehemaligen Bahnübergangs in der Coburger Straße. Herr über 3000 PS einer 45 010 war Dieter Wünschmann aus Leipzig. Der pensionierte Lokführer der Deutschen Reichbahn kann auf eine 50-jährige Erfahrung zurückblicken.

In Lichtenfels war er nach der Wende schon zwei Mal und zwar mit einer Schnellzuglokomotive der Baureihe 01.
Im Gegensatz zur modernen Elektrolokomotive, an der man von ihrer Kraftentfaltung weder etwas sieht noch hört, sei die Dampflokomotive eine "sinnliche" Technik: Die in Stahl gebändigten Naturgewalten Feuer, Wasser und Dampf würden an der Dampflokomotive sinnlich erfahrbar, macht der 74-Jährige eine Philosophie deutlich, die sein ganzen Leben bestimmt hat. Er ist heute der wenigen Lokführer, die diese Naturgewalten zähmen kann.
Dass E-Loks nicht nur flüstern wurde an der elektrischen Mehrzwecklok 144 119-S deutlich, die derzeit im Lokschuppen dank eines privaten Förderers restauriert wird. Das grüne Ungetüm erinnert an die legendären Krokodile der Schweizer Gebirgslokomotiven, die schwere Güterzüge über die Gotthard-Rampe zogen. Die Vorbauten vorn und hinten dienten zur Aufnahme der Antriebstechnik.

14 mal 7 Meter maß die Modellbahnanlage von Erhard Trautner aus Lichtenfels. Seine Life-Steam-Loks der Spur 1 drehten im Lokschuppen ihre Runden. Auf dem dreigleisigen Oval dampften ein Schnellzug mit einer Lok der Baureihe 18 und ein langer Güterzug, der von einer Dampflok der Baureihe 30 gezogen wurde. Zu Besuch waren Mitglieder der internationalen Gruppe der Spur 1 Modelle. Sie bedienten auch die Modellbahnanlage.
Am kommenden Wochenende, 15. Und 16. September, werden die "Tage der offenen Tür" im Depot Lichtenfels fortgesetzt.