Haßler, Haßler - da war doch mal was ... Nur was? Egal, bei dem Besuch des FT am Vorvortag eines Wiegenfestes soll es ja ausschließlich um diesen Geburtstag gehen. Um jenen "ersten" Geburtstag einer Vierjährigen. Kurios, aber durch Schaltjahre erklärbar. Feenja Stadter gehört zu den wenigen Menschen, die an einem 29. Februar Geburtstag haben.
Ihr Vater Michael legt Holz im Kamin nach, die Waffeln für die Kindergartengeburtstagsfeier werden von ihrer Mutter Miriam garniert. Eine geborene Haßler. Haßler, Haßler - da war doch mal was ...
2012 wurde Feenja an einem 29. Februar geboren. Ein Datum, das es nur sehr selten gibt. Seit ihrer Geburt kamen für das Mädchen höchstens achtundzwanzigste Februar- oder erste Märztage infrage. Jetzt, Feenja ist von Familiengeburtstagsgeschichten nur so umgeben, freut sie sich auf etwas, das sie noch gar nicht richtig versteht. "Da kommt man einem so kleinen Kind gegenüber schnell in Erklärungsnot", erklärt ihre Mutter zum Thema Schalttag und Schaltjahr.
Schalttage hin, Schaltjahre her, eines weiß Feenja zu ihrem Geburtstag ganz sicher: "Kuchen wollen wir natürlich." Kurz hilft sie ihrer Mutter beim Garnieren der Waffeln, dann spielt sie mit ihrem Hündchen. Später steigt sie auf ein Bänkchen hinter einem Mikrofon und richtet das Wort an ein imaginäres Publikum: "Liebe Zuschauer, was soll ich heute für Sie singen?" "Eine vorwitzige Maus, ein kleiner Schlaumeier", kommentiert ihre Mutter. Sie kennt sich aus mit einer Frage, die immer kommt, sobald sie jemandem vom Geburtstag ihrer Tochter erzählt: "Wie feiert ihr denn?" Das zeugt von Bedenken, aber die, so Miriam Stadter, hätten noch vor dem heranrückenden Geburtstermin die größten Ausmaße erreicht. "Es hatten damals viele Muttis einen geburtsvorbereitenden Kurs - die waren alle panisch, dass ihre Kinder am 29. Februar zur Welt kommen könnten. Ich wurde auch im Nachhinein bemitleidet", erklärt die junge Frau.
Wolfgang Haßler ist Feenjas Opa. Als seine Tochter ihn dazu befragt, welche Reaktionen das Geburtsdatum seiner Enkelin bei seinen - zwangläufig etwas älteren - Bekannten auslöse, hat der Mann eine gänzlich andere Antwort parat. "90 Prozent der Leute haben gesagt: Oh, da wird sie ja nur alle vier Jahre älter - eine andere Generation eben, der andere Dinge wichtig sind."


In Gedanken bei Ur-Oma

Feenjas Ur-Oma hieß Emmi. Sie hatte am 1. März Geburtstag. und damit der Ur-Opa eine Freude beim Gedenken an seine verstorbene Frau hatte, wurde Feenjas Geburtstag am 1. März gefeiert. Das wird auch der Tag sein, an dem die Kindergartenkinder Feenja ein Ständchen bringen werden. Probleme hat Familie Stadter mit Feenjas Geburstdatum bislang keine gehabt - Behörden, Ämter, Einrichtungen haben Formulare oder Formulierungen zu 29. Februaren parat, so Mutter Miriam.
Überhaupt gibt die Liste prominenter Maler, Schriftsteller und Musiker, die am 29. Februar geboren sind, was her (siehe Kasten). Mutter Miriam, die selbst Musik macht, stutzt zunächst, betreibt aber schnell ein Gedankenspiel, wonach es Feenja mal ins künstlerische Fach verschlagen könnte. Jetzt macht es Klick: Haßler, Haßler... Der FT fragt auf leisen Verdacht nach, ob verwandtschaftliche Beziehung zu jenem Komponisten Hans Leo Haßler (1564-1612) besteht, der das berühmte Kirchenlied "O Haupt voll Blut und Wunden" schrieb, das Johann Sebastian Bach neudeutsch coverte - für seine Matthäuspassion. Wolfgang Haßler verlässt den Raum und kehrt alsbald zurück: In Händen eine Studienarbeit zur Lehrerprüfung, 180 Seiten dick. Über Haßler, seinen Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Opa.
Feenja kümmert das nicht. Sie spielt schon seit drei Wochen Geburtstag ...