Etwa jeden Tag ereignet sich im Landkreis eine Unfallflucht. 379 Fälle wies die Statistik der Lichtenfelser Polizei für das Jahr 2016 aus. Das ist ein leichter Rückgang von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr, für das die Beamten 388 Fälle registrierten.
Für die Betroffenen ist es eine ärgerliche Sache: Denn neben der Meldung bei der Polizei und dem damit verbundenen Aufwand müssen sie auch noch schauen, wie sie den Schaden reguliert bekommen. Besitzt man nur eine Haftpflichtversicherung und der Schuldige wird nicht ermittelt, trägt man die Reparaturkosten selber, auch eine Teilkasko hilft einem da nicht. Allein eine Vollkaskoversicherung bietet hier einen gewissen Schutz , doch es gibt eine Selbstbeteiligung und man kann zurückgestuft werden, so dass man in den Folgejahren einen höheren Beitrag zu zahlen hat.
Kein Wunder, dass die Geschädigten viel versuchen, um den Täter zu ermitteln. In den vergangenen Tagen tauchten in verschiedenen privaten Facebook-Gruppen des Landkreises wieder mehrere Bilder und Zeugenaufrufe auf.


Sofort die Polizei rufen

Ist man als Geschädigter nun völlig hilflos? Auf alle Fälle sollte man mit der Polizei so schnell wie möglich Kontakt aufnehmen, rät der Lichtenfelser Polizeichef, Alexander Rothenbücher. "Unsere Polizisten fahren gleich raus, das wird bei uns nicht vom Büro aus bearbeitet. Dabei schauen wir sofort nach, ob es Ermittlungsansätze gibt."
Unfallflüchtige werden öfter erwischt als man zunächst denkt: 148 Fälle konnte die Lichtenfelser Polizei im vergangenen Jahr klären - das ist eine Quote von rund 40 Prozent. "Das ist durchaus recht hoch - und vor allem muss man sehen, welches hohe Risiko Personen eingehen, die Unfallflucht begehen", betont Rothenbücher.
Fahrerflucht ist eine Straftat - und das kann teuer werden. Als Beispiel kann man einmal ein Urteil des Oberlandesgerichtes Frankfurt aus dem Jahr 2014 betrachten: Ein Autofahrer war mit 1,84 Promille gegen einen abgestellten Anhänger gefahren, er floh und verständigte die Polizei von zu Hause. Dort behauptete er, er habe wegen des "Schocks" zwei Bier und zwei Schnäpse getrunken.
Der Mann sollte mehr als 8000 Euro Schadensersatz zahlen. Außerdem erging gegen ihn ein Strafbefehl. Er erhielt 65 Tagessätze zu je 50 Euro. Sein Führerschein war auch weg, was aber noch hinzukommt: Die Versicherung versagte den Versicherungsschutz, weil der Mann versucht hatte sie zu täuschen.
Auch bei leichteren Unfällen ohne Alkoholeinfluss kann es schnell teuer werden. "Dafür hat man doch eine Versicherung, damit die den Schaden übernimmt", sagt Rothenbücher. Wer Fahrerflucht begeht, ist schnell seinen Schutz los - und muss selber für den Schaden aufkommen. Er rät außerdem, einfach mit der Polizei Kontakt aufzunehmen, damit die ihm raten kann, wie man sich richtig verhält.


Meist innerorts

Die meisten Fahrerfluchten ereigneten sich im Landkreis innerorts: 337 Fälle - davon 317 auf Gemeindestraßen und Parkplätzen. Parkrempler, unachtsames Rückwärtsfahren, Fehler beim Abbiegen. Zudem ereignen sich die meisten Fahrerfluchten im Berufsverkehr zwischen 7 und 20 Uhr. "Hohe Zahlen gibt es in der Mittagszeit zwischen 13 und 14 Uhr, dann wieder zwischen 15 und 16 Uhr. Allgemein steigen die Fallzahlen ab 7 Uhr an und gehen gegen 20 Uhr zurück." Wenig passiere dagegen am Sonntag: "Da haben ja die Läden geschlossen."
Wie liegen die Lichtenfelser im bayernweiten Vergleich? 76 685 Unfallfluchten gab es 2016 im Freistaat, 29 539 wurden geklärt, 38,5 Prozent. Damit liegt man etwa im Landesschnitt.
In einem ländlichen Raum wie Lichtenfels seien die Leute vielleicht aufmerksamer, dafür sei aber in einer großen Stadt die Wahrscheinlichkeit höher, dass ein Zeuge den Vorfall beobachtet hat. Das würde sich also aufwiegen.
Jede Information hilft, sagt Rothenbücher: "Auch mit bruchstückhaften Kennzeichen können wir etwas anfangen." Zudem habe heute ja fast jeder ein Handy - und könne schnell mit der Polizei Kontakt aufnehmen. Schnell reagieren zu können, hilft allen bei der Aufklärung.
Viele Täter würden dann auch schnell zugeben, schuldig zu sein. Die meist verwendete Ausrede lautet wenig überraschend: "Das habe ich nicht gemerkt."