Brücken sind ein wichtiger Bestandteil unseres Verkehrsnetzes. Allerdings sind sie dem Verschleiß durch Wind und Wetter sowie durch die hohe Verkehrsbelastung, die sie verkraften müssen, ausgesetzt. Brücken müssen daher gepflegt werden. Das erfordert eine permanente Überwachung ihres Zustandes und rechtzeitige Sanierung bis hin zum Neubau. Wie aber steht es um den Großteil unserer Brücken, mit denjenigen, die sich in kommunaler Hand befinden?
Professor Egbert Keßler von der Hochschule Coburg hat die Straßenbrücken im Lichtenfelser Stadtgebiet und im Landkreis Bayreuth genauestens untersucht und ihren Zustand dokumentiert. Dabei ist er zu interessanten Ergebnissen gekommen.

FT: Welche Brücken haben Sie im Lichtenfelser Stadtgebiet untersucht?
Prof. Keßler: In Lichtenfels ist die Aktenlage sehr gut, alle Brücken sind erfasst und deren Zustand bekannt. Wir haben gemeinsam mit Stadtbaumeister Graßinger alle Brücken besichtigt; der in der Dokumentation erfasste Zustand entsprach jeweils den Tatsachen.

Was ist dabei herausgekommen?
Wie bereits erwähnt, sind die Brücken in Lichtenfels überwiegend in einem sehr guten bis gutem Zustand. Die Brückenprüfungen werden regelmäßig durchgeführt, lediglich der empfohlene Turnus von sechs Jahren wird öfters überschritten. Andererseits erfolgen die Zwischenprüfungen (einfache Sichtprüfungen) durch das Bauamt selbst, und bei Auffälligkeiten im Rahmen dieser Zwischenprüfung erfolgt kurzfristig eine Hauptprüfung. Insgesamt ist sowohl die Aktenlage als auch der Brückenzustand wesentlich besser als in vielen Gemeinden im Landkreis Bayreuth.

Gibt es eine Brücke in Lichtenfels, die besonders sanierungsbedürftig ist?
Die Brücke über die Bahn am südöstlichen Rand von Reundorf (Baujahr 1936) ist sehr baufällig und sanierungsbedürftig. Das Bauamt wollte die Brücke bereits abreißen, da sie verkehrstechnisch nicht erforderlich ist. Allerdings wurde seitens der Politik entschieden, die Brücke stehen zu lassen.

Auf welches Finanzvolumen schätzen Sie den Sanierungsbedarf in Lichtenfels?
Dies kann man leider nicht abschätzen; aus meiner Erfahrung und der Statistik von durchgeführten Untersuchungen schwanken die Sanierungskosten einer Brücken (Kosten je Quadratmeter) mit einem Faktor 50 und mehr. Kostenschätzungen hierzu sind nur Mutmaßungen.
Wichtig ist, in den Köpfen der Politik, der Bevölkerung und auch der Presse das Bewusstsein zu verankern, dass alle Bauwerke, insbesondere jedoch die Ingenieurbauwerke, einem Alterungsprozess unterliegen und dieser Prozess durch regelmäßige Wartung und Pflege deutlich verlangsamt werden kann. Bei einem Auto macht man auch regelmäßig Ölwechsel und wartet nicht, bis der Motor kaputt ist, um ihn dann auszutauschen - und man akzeptiert, dass ältere Autos öfters repariert werden müssen. Ein einmaliger hoher Sanierungsaufwand ist nicht die Lösung, sondern ein festes jährliches Budget, dessen Höhe ca. ein bis zwei Prozent der Summe der Baukosten aller Brücken umfassen sollte. Die Baukosten aller Brücken in Lichtenfels sind mir nicht bekannt, anhand der Daten vermute ich, dass Lichtenfels jährlich im Mittel von ca. 80 000 bis 120 000 Euro für Wartung und Pflege der Brücken ausgeben sollte. Diese Zahl ist nur eine sehr grobe Schätzung; aktuell ist der Bedarf eher niedriger, weil Lichtenfels viele neuere Brücken besitzt. Zudem gibt es auch einige Wartungsarbeiten, die vom Bauamt selbst durchgeführt werden können und deren Kosten nicht genau zugeordnet bzw. erfasst werden.

Wie viele Studierende waren beteiligt und wem werden die bei der Studie ermittelten Daten zugänglich gemacht?
Es waren sechs Studierende beteiligt, die Studie selbst wird veröffentlicht und die erfassten Daten stelle ich auf Anforderung jedem zur Verfügung.

Die Fragen stellte Matthias Einwag