Es sollte etwas Euphorisches sein, was zum Jubiläum gespielt wird, fand Achim Melzer. Deshalb haben er und sieben Kollegen sich mit Felix Mendelssohn-Bartholdys Streichoktett in Es-Dur eines der Feuerwerksstücke der Kammermusik vorgenommen, vorher Brahms. Festliches also im Kaisersaal zu Banz, wo die Konzertreihe am 19. Oktober ab 11 Uhr mit einer Gala ihre Jubiläumssaison startet. Mit Thomas Goppel, Minister a. D und Präsident des Bayerischen Musikrates, als Schirmherrn. "Es wird keine politische Veranstaltung, wir machen Musik!", wirft Matthias Krug ein, als ein munteres Trio dieser Tage im noch leeren Saal über das Programm 2014/2015 und 25 vergangene Jahre spricht. Krug ist der Ini tiator und langjährige künstlerische Leiter der "Kammermusik auf Banz", Melzer sein Nachfolger. Als Musiker der Bamberger Symphoniker waren sie Weggefährten, als Liebhaber der klassischen Musik sind sie es immer noch. Krug, inzwischen in Rente, nennt sich selbst einen Musikfanatiker. Nach 40 Dienstjahren genießt er es heute, auf der anderen Seite eines Konzertsaales, nämlich im Publikum, zu sitzen und ihm vertraute Werke mit einem Mal ganz anders zu erleben. Und ab und an spielt er dann auch wieder gerne einmal mit.
Ohne die enge Verbindung zu den Symphonikern, die über den neuen Vorsitzenden bestehen bleibt, wären die hochkarätigen Konzerte im besonderen Ambiente zu Banz vor maximal 200 Gästen nicht möglich. "Die Musiker spielen eigentlich für ein Butterbrot", sagt der Dritte im Bunde, Hans Jürgen Schedel, der Schatzmeister des Vereins. "Ein eingetragener, gemeinnütziger Verein, Spenden sind steuerlich abzugsfähig!" merkt er mit heiterer Note an und verweist auf die Beitrittserklärung am Ende des Programmheftes. Unterstützer, Sponsoren und Mitglieder, können die Kammermusikfreude gut gebrauchen. Allein mit den Eintrittsgeldern, die mit 16 bzw. 20 Euro pro Karte, für Schüler und Studenten nur 5 Euro, bewusst moderat gehalten werden, könnte man nicht auskommen. Schedel ist Bankkaufmann, Finanzen waren einmal sein Beruf, und seit 25 Jahren wirkt er mit daran, eine finanzielle Basis für die Konzertreihe zu schaffen. "Es ist nicht ganz einfach, aber es hat immer funktioniert", sagt er im Rückblick. Inzwischen wisse er, welche Leute man ansprechen müsse. Unterstützung aus dem weiteren Vorstandskreis will er nicht unerwähnt lassen. Sein "Lohn" ist es, selbst im Publikum zu sitzen und die Musik zu genießen.
Achim Melzer ist in die federführende Rolle hineingewachsen. Die Termine auf Banz und nicht zu vergessen die nötigen Proben vorher, müssen mit dem Dienstplan der Bamberger Symphoniker abgestimmt werden. Ansporn für die zusätzliche Arbeit ist auch ihm die Liebe zur Musik. Als künstlerischer Leiter könne er Stücke auswählen, die ihm selbst am Herzen liegen. Und auch für ihn gibt es Neues zu entdecken: "Ich habe noch nie ein Posaunenensemble gehört", gesteht er und freut sich also auf den Beitrag seines Symphoniker-Kollegen Angelos Kritikos. Der Soloposaunist hat zum Konzert am 19. April sieben Freunde eingeladen - alle mit dem gleichen Instrument.

Vielfältiges Programm

Auch im 25. Jahr soll Vielfalt geboten werden, das erkennt das Publikum an, die Auslastung der Konzerte mit etwa 75 Prozent ist gut. Älteren, die gerade im Winterhalbjahr nicht so gerne spätabends mit dem Auto unterwegs sind, kommt man mit mehreren Matineen entgegen. Um bei Jugendlichen die Lust auf klassische Musik zu wecken, hat man Kontakt zu Schulen aufgenommen. Mehr als sieben Einzelveranstaltungen sollen es pro Saison aber nicht werden, sonst würden sich nach Einschätzung der Organisatoren die Reihen wohl eher lichten. Immer noch ist es so, dass die Mehrzahl der Besucher von außerhalb des Landkreises Lichtenfels kommt. Die Idee zu der Kammermusik auf Banz entstand indes durch eine Geburtstagsfeier in der Staffelsteiner Unternehmerfamilie Moll, die eigens dazu einen Flügel in den Kaisersaal hatte bringen lassen. Der Steinway, der heute zum Kaisersaal-Inventar gehört, war in der Folge eine der ersten Anschaffungen des Vereins der Kammermusikfreunde, die dabei auf großzügige Unterstützung der Hanns-Seidel-Stiftung zählen durften. Vom Leiter der Bildungsstätte, Michael Möslein, habe man überhaupt immer Hilfe bei der Realisierung mitunter auch verrückter Ideen erfahren, merkt Matthias Krug an. Er erinnert an den "Spuk auf Kloster Banz", als passend zum Motto der Musik der Dachboden geöffnet wurde, um droben "Gespenster" den Besuchern Sekt anbieten zu lassen. "Darüber sprechen die Leute heute noch."
Im Gespräch bleiben, das wollen die Musiker und Musikfreunde weiterhin. Der direkte Kontakt zum Publikum ist ihnen wichtig. Lob und Kritik, die finden in Banz ganz direkt, meist an der Tür des Kaisersaals, statt.

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