,"Verdammt. Sind wir jetzt im Krieg?‘, schoss es mir im ersten Moment durch den Kopf." Christian Sünkel vom "Rock-im-Wald"-Team kann es noch immer nicht fassen: Rockfans, die er alle Jahre wieder im Neuenseer Waldstadion als friedliche Zeitgenossen erlebt, werden in Paris zur Zielscheibe von Terroristen.
Eine sinnlose Tat, die im 815 Kilometer entfernten Neuensee große Bestürzung unter den Veranstaltern von "Rock im Wald" auslöst. An diesem rabenschwarzen Freitag, den 13., im November vergangen Jahres, sterben 89 Personen im Kugelhagel der Islamisten. Auf der Bühne des "Bataclan"-Theaters stehen nicht irgendwelche Bands, sondern zwei, die in einer gewissen Beziehung zu dem fränkischen Festival stehen, das sich in den vergangenen Jahren zu einem Publikumsmagneten gemausert hat. 2015 hatte es zum ersten Mal "Ausverkauft!" geheißen, feierten rund 1600 Fans auf dem heiligen Rasen von Neuensee eine Rock' n' Roll-Sause. In diesem Jahr geht das Festival am 29. und 30. Juli im Waldstadion von Neuensee über die Bühne.
Doch zurück zu jenem Abend, der für weltweites Entsetzen sorgte. Sünkels Gedanken beim Pressegespräch im Altenkunstadter "Nepomuk" kreisen um die White Miles, eine österreichische Rockgruppe, die bei der Terror-Attacke einen Roadie und einen Freund verlor. "Wir hatten die Combo, die am 30. Juli bei uns spielen wird, gerade für unser Festival ins Auge gefasst, als plötzlich die schreckliche Nachricht aus Paris hereingeplatzt kam, die uns alle bis ins Mark erschütterte", schildert er die Gefühlslage im neunköpfigen, ehrenamtlich agierenden Veranstalterteam.


Was wäre wenn gewesen?

"Wenn die Eagles Of Death Metal und ihre Vorband, die White Miles damals nicht in Paris, sondern in Nürnberg gespielt hätten, dann wäre ich hingefahren, denn das ist genau die Musik, die auch auf unserem Festival zu hören ist. Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie es gewesen wäre, wenn ..."
Ebenfalls nicht erfreulich: Wetterkapriolen verhageln in zunehmendem Maße vielen Open-Air-Veranstaltern das Geschäft. Am vergangenen Wochenende musste das Mega-Festival "Rock am Ring" wegen eines Unwetters vorzeitig die Segel streichen und auch bei "Rock im Wald" weiß man ein Lied davon zu singen. "Im vergangenen Jahr machte uns am zweiten Festivaltag ein Sturm zu schaffen. Äste fielen von den Bäumen herab und Bauzäune kippten um. Wenn so etwas passiert, dann muss man der Situation angemessen entscheiden. Wir sahen uns im vergangenen Jahr dazu gezwungen, einzelne Bereiche abzusperren." Eine Ausweichmöglichkeit gibt es in diesem Jahr für den Fall der Fälle nicht. "Die Angerturnhalle in Michelau ist inzwischen zu klein für uns geworden, die Lichtenfelser Stadthalle bereits belegt."
Nach dem Abbruch von "Rock am Ring" wird die Frage diskutiert: "Gibt es einen Anspruch auf Teilrückzahlung?" Sollte ein solcher kommen, dann würde das für viele, vor allem kleinere Veranstalter das Aus bedeuten: "Wir würden uns zweimal überlegen, ein Festival aufzuziehen, da wir mit unserem Privatvermögen haften müssten."
Manche Veranstalter klagen, dass Headliner-Bands heute dünner gesät seien, als noch vor ein paar Jahren. Gehen den Veranstaltern von "Rock im Wald" auch die Top-Kapellen aus? "In unserem Hard- und Stonerrock-Metier wird die Luft langsam dünner. Deshalb wollen wir uns in den kommenden Jahren stilistisch etwas breiter aufstellen, ohne von unserer Grundausrichtung ,hart und fetzig‘ abzuweichen."
Gegen Ende des Gesprächs hellt sich Sünkels Miene wieder auf. Darauf angesprochen, wie es um den Vorverkauf bestellt sei, strahlt der 48-Jährige übers ganze Gesicht: "Wir haben bereits zwei Drittel der Tickets verkauft. Wenn es so weitergeht, sind wir Mitte Juli ausverkauft."
Die Bands Freitag, 29. Juli (vom Headliner abwärts): Graveyard, Imperial State Electric, Bombus, Dead Lord, Year Of The Goat, Honeymoon Disease und "Cannahan. Samstag, 30. Juli: Mantar (Late Night Special), Kvelertak, Uncle Acid And The Deadbeats, Spidergawd, Planet Of Zeus, White Miles, Mother Engine und Dead And Stoned

Infos und Tickets www.rock-im-wald.de