"Da werden alte Erinnerungen wach", sagt ein Mann, der gerade eins der Bilder in der Ausstellung "Das Flechthandwerk vergangener Zeit" betrachtet. Er spricht damit aus, was wohl viele beim Anblick der alten Fotografien empfunden haben. Denn Reaktionen wie "Solche haben wir früher auch gehabt, das weiß ich noch" hört man bei dieser Ausstellung immer wieder.

Erinnerungen, Bilder, alte Geschichten kommen wieder zum Vorschein und darüber wiederum kommen die Besucher der Ausstellung miteinander ins Gespräch. "Es sind Dinge, mit denen ist man groß geworden", meint auch Aussteller Peter Lesch, der in Rothenhof, einem Stadtteil von Rödental aufgewachsen ist. In Coburg haben er und seine Schwester Bettina Lesch-Lasaridis eine Anwaltskanzlei, seit kurzem gibt es eine Zweigstelle im Herzen der Lichtenfelser Innenstadt.


Unter Dach

Ein idealer Ort für eine Ausstellung an einem regenreichen Korbmarktsonntag. Das Material für die Ausstellung stammt von einem Freund, der die Fotos aus dem Nachlass des Korbwarenhändlers Max Deininger aus Wildenheid erhalten hatte.

Zu sehen sind Korbmacher, Möbel, Szenen einer lang vergangenen Zeit, deren Aufnahmen heute eine Ahnung der damaligen Zeit vermitteln. Die Fotos wurden in den Landkreisen Coburg und Lichtenfels aufgenommen.
Da die Porträtierten derzeit unbekannt sind, entspinnt sich bei der Ausstellung dann und wann eine angeregte Unterhaltung darüber, wer darauf zu sehen sein könnte. Ob das einer der alten Korbmacher aus Michelau sein könnte?

Überhaupt regen viele Fragen zu Diskussionen an. Aus welchem Jahr könnte die Fotografie stammen? Welche Automarke könnte es sein?

Alte Fotografien faszinieren viele. Auch eine Frau ist deswegen gekommen: "Ich sammle auch altes Bildmaterial. Da muss ich mal rein", sagte sie sich. Auf den Bildern gibt es viel zu entdecken: viele Körbe natürlich, Möbel, einen alten Lastwagen, auf dem sich zwei Dutzend neue Wäschekörbe stapeln, ein kleines Mädchen, das seine Puppe in einen kleinen Wagen mit Stoffhaube legt, und Korbmacher auf gestellten Gruppenfotos mit ihren typischen Arbeitsschürzen.

Die Bilder erzählen von einer anderen Zeit. Eine Zeit, in der Bilder etwas sehr Besonderes waren und man noch ernst, streng und bisweilen skeptisch in Richtung des Fotografen mit seinem großen Apparat blickte. "Man musste sich Mühe geben mit den Bildern", so Lesch.

Das Design der Möbel hat die Jahre überdauert, denn auch heute findet man viele Korbmöbel und -arbeiten, die so aussehen. In manchen Fällen ist es nicht nur das Design, sondern ein Möbelstück, das schon seit Generationen in Familienbesitz ist.


Qualitätsansprüche bleiben

Auch die Qualitätsansprüche sind heute ähnlich wie vor hundert Jahren. Auf einem alten Werbezettel wirbt man mit den Vorteilen der Korbmöbel: "Naturgemäßes, wohltuendes Sitzen" steht da, Eigenschaften wie "haltbar", "vollkommen geräuschlos" und "kein Staub, kein Bazillenfänger" werden hervorgehoben. Auch heute noch sollen Korbmöbel bequem und stabil sein, nicht knarren oder zum Staubfänger werden.

Ein Besucher bemerkt auch einen wichtigen Aspekt der Körbe in früheren Zeiten: Sie sind zum Transport wesentlich leichter als Holzkisten. Während Wäschekörbe heute aus Kunststoff gefertigt werden, wurden sie damals geflochten. Eine Holzkiste für nasse Wäsche? Viel zu schwer. "Ein Korb war leicht und belüftet."

Lesch freut sich, dass diese Möbel heute wieder mehr geschätzt würden: "Die Leute wollen sie wieder in ihrer Wohnung haben, wenn es schön designte Möbel sind." Und wenn in einigen Jahrzehnten oder in hundert Jahren heutige Fotos der Korbmacherkunst gezeigt werden, dann wird es ähnliche Reaktionen wie heute geben. Damit Erinnerungen wach bleiben.