Tatsächlich könnte der Landkreis seine Kreisumlage sogar um drei Prozentpunkte senken, doch dann würde er sich jeglichen Spielraum nehmen, erklärte Landrat Christian Meißner (CSU) am Freitag dem Kreisausschuss. Deshalb werde man die Städte und Gemeinden mit "nur" zwei Prozentpunkten weniger entlasten; auf 44,5 Prozent beläuft sich die Umlage dann. Möglich machen das erhebliche Verbesserungen bei der Steuer- und Umlagekraft. Diese haben zur Folge, dass der Landkreis auch mit einer niedrigeren Umlage mehr Geld in die Kasse bekommt, und zwar rund 3,2 Mio. Euro mehr als im Vorjahr. Auf Landesebene betrug der durchschnittliche Kreisumlagen-Hebesatz 2015 47,4 Prozent.


Schulen und sozialer Bereich

Es ist ein 71,6-Millionen-Haushalt, den Kreiskämmerer Holger Stingl den in dem vorberatenden Ausschuss vertretenen Kreisräten präsentierte. Entscheiden wird der Kreistag in seiner Sitzung im April über das Zahlenwerk. Vor allem der Verwaltungshaushalt, jener Teil, der die Einnahmen und Ausgaben des laufenden Betriebes beinhaltet, macht die vielfältigen Aufgaben des Landkreises deutlich. Den größten Zuschussbedarf hat hier der soziale Bereich mit 10,1 Mio. Euro. In der Jugendhilfe bleiben es die Kinder und Jugendlichen, die nicht bei ihren Eltern leben, für die die größte Summe aufgewendet wird: Die Heimerziehung für angenommene 26 Fälle ist mit 1,8 Mio. Euro veranschlagt. Die Kosten für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sind nicht in dem Betrag enthalten. Sie werden - wenn auch zeitversetzt - vollständig vom Freistaat übernommen.
Der zweitgrößte Zuschussbedarf besteht für die kreiseigenen Schulen, rund fünf Mio. Euro.
Fehlbeträge bei der Abfallentsorgung werden durch Rücklageentnahmen von rund 370 000 Euro ausgeglichen. Kompostieranlage und Wertstoffhöfe, aber auch die Sickerwasserentsorgung der längst geschlossene Deponie Oberlangheim kosten Geld.
Der Schuldendienst wird durch notwendige Kreditaufnahmen in den kommenden Jahren weiter steigen. Diese Mehrausgaben können künftig nur durch die Kreisumlage gedeckt werden. Der Schuldenstand des Landkreises wird von 38,1 Mio. Euro (31.12.2015) auf 40,1 Mio. Euro - 601,85 Euro je Einwohner - steigen. Am Ende des Finanzplanungszeitraumes, 2019, wird gar mit 47 Mio. gerechnet. Der größte Teil davon, rund 30,7 Mio. Euro, steht im Zusammenhang mit dem Klinikneubau. Auch ein Darlehen von 14,2 Mio. Euro ist in der prognostizierten Summe enthalten, das die Helmut-G.-Walther-Klinikum GmbH mit Zins und Tilgung bedienen wird.


Klinikneubau schlägt zu Buche

"Es gibt kein Klinikum zum Nulltarif", fasste Landrat Christian Meißner zusammen. Die finanzielle Situation des Landkreises werde dadurch schwieriger werden, darauf wolle man heute schon einstimmen. "Ich werde öfter mal sagen müssen, das können wir so oder in dem Umfang nicht machen", kündigte er an. Auch, dass bei steigendem Schuldendienst wieder eine Anhebung der Kreisumlage unumgänglich wird. Man habe auch in der Vergangenheit Investitionen nicht zu Lasten der Kommunen, sondern über Kredite finanziert. Inzwischen ist der Landkreis Lichtenfels aber, was die Verschuldung betrifft, im bayerischen Vergleich auf einen der vorderen Plätze gerückt. "Das muss nicht sein, hier Tabellenführer zu werden", räumte Meißner ein.
Für die Städte und Gemeinden ist der aktuell vorgelegte Etatentwurf zunächst einmal eine Entlastung. "Die Senkung der Kreisumlage tut den Kommunen gut", betonte der Lichtenfelser Bürgermeister Andreas Hügerich (SPD). Sie gebe Freiraum, um besser wirtschaften zu können. "Das hilft uns gewaltig!" Für die Kreisstadt bedeuten die zwei Prozentpunkte Kreisumlage, die weniger zu zahlen wären, 400 000 Euro. Für eine Gemeinde wie Redwitz schlägt die geplante Senkung immerhin mit rund 100 000 Euro zu Buche.


Ein Platz blieb leer

Ein Platz blieb leer im Kleinen Sitzungssaal des Landratsamtes, wo gestern der Kreisausschuss tagte. Stattdessen lag ein Strauß roter Rosen mit Trauerband dort, wo sonst ein engagiertes Mitglied dieses Gremiums saß: Winfred Bogdahn. Die Kollegen gedachten seiner in einer Schweigeminute.
Bogdahn war am 18. Februar im Alter von erst 63 Jahren plötzlich verstorben. Der ehemalige Bürgermeister von Lichtenfels (1991-2002) gehörte dem Kreistag seit 1996 an. Als Kreisausschuss-Mitglied arbeitete er im Bauausschuss Neubau Klinikum mit, daneben auch im Ausschuss für Kreisentwicklung und in der Verbandsversammlung Konventbau Klosterlangheim. Stellvertretendes Mitglied war er im Umweltausschuss. Winfred Bogdahn war Studiendirektor und als ein beliebter Lehrer für Deutsch, Geschichte, Sozialkunde und Ethik am Gymnasium Burgkunstadt tätig. In einer bewegenden Trauerfeier auf dem Friedhof von Lichtenfels hatten vergangene Woche Hunderte von ihm Abschied genommen.
Wie Landrat Meißner ausführte, ist Simon Ehnes aus Redwitz der Nachrücker für die SPD im Kreistag. Seine Vereidigung soll in der Sitzung am 11. April erfolgen.


Weitere Themen Asylanten und Stromtrasse

Landrat Meißner stellte klar, dass die Halle in der Matthäus-Kraus-Straße in Lichtenfels wirklich nur als "Not-Not-Unterkunft" betrachtet und möglicherweise, wie bisher die Turnhalle der Pater-Lunkenbein-Schule in Ebensfeld, gar nicht gebraucht werde. Man wolle aber definitiv "raus aus den Turnhallen", um uneingeschränkt Sportbetrieb zu ermöglichen.

Die in der Region bekämpften Stromtrassenvarianten P44 und P44mod. sind auch im zweiten Entwurf der Netzbetreiber noch enthalten. "Es bleibt spannend", sagte der Landrat, der auf die Entscheidungen der Bundesnetzagentur bzw. des Bundestags hofft.