Wichtige Begriffe sind heute üblicherweise dem Englischen entlehnt: Urban Mining bedeutet übersetzt städtischer Bergbau. Dabei geht es um das Ausbeuten materieller Ressourcen, die sich in Lagerstätten von Menschenhand finden. Landfill Mining ist ein Teilgebiet des Urban Minings, wobei hier die Potenzial-Abschätzung der Ressourcen im Mittelpunkt steht.

Auf Antrag der Bündnis-Grünen befasste sich der Umweltausschuss am Dienstag mit Überlegungen, ob die Ressourcen der 2005 geschlossenen Abfalldeponie Oberlangheim genutzt werden können. Konkret ging es darum, ob das austretende Deponiegas zur Wärmeerzeugung verwendet werden kann und ob unter den abdeckenden Kunststofffolien und dem Lehmmantel eventuell Stoffe lagern, die zur Energiegewinnung gehoben werden könnten. "Kann man auf dem Deponie-Standort etwas ernten?", fragte Landrat Christian Meißner (CSU).

Um es vorweg zu sagen: Das würde sehr teuer. "Es rechnet sich nicht", wie sich Abfallberater Wolfgang Schneider ausdrückte, der detailliert auf die Geschichte und das Sicherheitskonzept der Deponie einging, in der ab 1973 Haushalts-, Gewerbe- und Industriemüll eingelagert wurde. In dem ehemaligen Steinbruch seien rund zwei Millionen Kubikmeter Müll verdichtet. 1977 übernahm der Kreis Lichtenfels die Deponie, die 1982 erweitert und 1987 mit einer Überhöhung versehen worden sei. Nachdem 1989 das Müllheizkraftwerk Coburg den Betrieb aufgenommen habe, wurden in Oberlangheim vor allem Kunststoffabfälle aus Industriebetrieben gelagert, die einen zu hohen Heizwert besitzen und nicht verbrannt werden durften, weil dadurch das Kraftwerk beschädigt worden wäre.

Würde man nun die schützenden Folien und den Lehmmantel durchbrechen, um an diese Stoffe zu gelangen, so würde man unter anderem auf zig Tonnen asbesthaltiges Material stoßen, das dort in Säcken eingelagert sei. Beim Ausbaggern wäre dies ein enormer finanzieller Faktor. Schneider: "Das wäre eine wilde Mischung, die uns erwartet."


Sickerwassermenge wird weniger

Das Sickerwasser sei einst mit Lastwagen nach Coburg zum Heizkraftwerk gebracht worden, um im Ofen zerstäubt und verbrannt zu werden, fuhr er fort. Inzwischen betreibe der Zweckverband eine eigene Sickerwasser-Kläranlage. Zudem seien vier Grundwassermesspegel installiert, deren Daten dokumentiert würden, was vom Wasserwirtschaftsamt geprüft werde. Tendenziell sei die Sickerwassermenge rückläufig und mit der Niederschlagsmenge identisch.

Ende Mai 2005 sei die Deponie geschlossen worden. Etwa 40 Kubikmeter Gas pro Stunde würden momentan abgesaugt und der Deponiegasfackel zugeführt, so Schneider weiter. Im Jahr 2015 seien insgesamt rund 309 000 Kubikmeter Gas abgefackelt worden. Angesichts der rückläufigen Menge und hoher Anschlusskosten rechne es sich nicht, dieses Gas zur Wärmegewinnung zu nutzen.

Die Setzungen des Deponiekörpers, der aufgebaut sei wie ein großer Badeschwamm, seien inzwischen nur noch gering, etwa ein bis zwei Zentimeter pro Jahr. Die Nachsorgekosten, die sich die Kreise Lichtenfels und Kronach je zur Hälfte teilen, bezifferte Schneider auf jährlich rund 180 000 Euro.

Bernhard Christoph (Bündnis-Grüne) erklärte: "Wir wollten eine Gefährdungsanalyse - und die ist in Ordnung." Gleichwohl gab er zu bedenken, dass es "eine schleichende Einbringung von Stoffen in den Untergrund" sei, die hier geschehe. Er schlug vor, angesichts des nicht rentablen Umbaus der Deponie zu prüfen, ob dafür ein staatliches Pilotprojekt gefunden und angezapft werden kann. In Deutschland gebe es schließlich Tausende solcher Deponien, die in den nächsten Jahrzehnten saniert werden müssen. Für den Staat wäre es sicher interessant, ein Forschungsprogramm zu haben, dessen Ergebnisse aufzeigen, wie bei einer solchen Sanierung zu verfahren ist. Der Landrat sicherte zu, bei einschlägigen Ministerien anzufragen.






Weitere Themen, die im Umweltausschuss beraten wurden

Lärmschutz An welchen Stellen des 175 Kilometer langen Kreisstraßennetzes ist es für die Anwohner besonders laut? Das hat Heiko Tremel, Leiter des Kreisbauhofs, zusammen mit seinem Team in den vergangenen Monaten durch eigene Messungen überprüft. Dabei ergaben sich folgende Brennpunkte, die nun besonders beobachtet werden sollen: An der Kreisstraße LIF 13 in Michelau, Bahnhofstraße (7647 Kraftfahrzeuge pro Tag, davon 503 aus dem Schwerlastbereich), und in Michelau, Freiherr-v.-Stein-Straße (7039 insgesamt/276 Lkw), sowie an der Kreisstraße LIF 2 in Schney (7374 insgesamt/233 Lkw). Eine Anspruchsgrundlage für die Bürger resultiere daraus nicht, denn verpflichtend sei nur die Lärmvorsorge beim Straßenneubau, nicht aber die Lärmsanierung an bestehenden Straßen, wie Regierungsdirektor Anton Fleischmann erklärte. Landrat Christian Meißner sagte: "Die Zahl der Brennpunkte ist überschaubar." Wenn die Feinbetrachtung vorliege, könne seiner Meinung nach eventuell über einen Zuschuss des Kreises für Schallschutzeinrichtungen an Privathäusern nachgedacht werden.

Wertstoffzentrum Die Neuausschreibung zum Betrieb eines Wertstoffzentrums in Lichtenfels vom 1. Januar 2019 bis 30. Juni 2016 wurde vom Umweltausschuss erörtert. Diese Neuausschreibung erfolgt, um die Vertragslaufzeiten der Wertstoffentsorgung mit jener des Wertstoffzentrums zu synchronisieren. Im Unterschied zu den Wertstoffhöfen nimmt das Wertstoffzentrum größenunabhängig alle Elektro-Altgeräte an. Zudem ist es durchgehend geöffnet, während Wertstoffhöfe oft nur stundenweise Güter annehmen. Derzeit führt die Firma Panzer & Kraus das Lichtenfelser Wertstoffzentrum in der Krappenrother Straße. Das Gremium empfiehlt dem Kreistag, der Neuausschreibung zuzustimmen.