Norbert Jungkunz ist nah dran am Menschen. Auf der Straße entdeckt er zwei Männer, die gerade dabei sind, von ihrem Lkw Getränke abzuladen. Der Pastoralreferent und Betriebsseelsorger bei der Arbeitnehmer-Pastoral in Bamberg findet sofort Zugang zu den beiden Fahrern Dominik Gareis und Norbert Lenker. Er kennt die Probleme und Zwänge, die in diesem Beruf herrschen. Gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi, der Polizei Oberfranken und der Regierung von Oberfranken hat er den Fernfahrer-Frühschoppen initiiert.

Was ist der Gedanke hinter dem Fernfahrer-Frühschoppen?
Norbert Jungkunz: Der Gedanke hinter den Fernfahrer-Frühschoppen ist die Vernetzung der Fahrer in der Region und die Weitergabe von Informationen durch die Veranstalter, also dem Gewerbeaufsichtsamt, der Regierung von Oberfranken, der Polizei und der Gewerkschaft Verdi. Damit wird das Spektrum abgedeckt, aus dem auch die Fragen kommen. Am Fernfahrer-Stammtisch an einer Raststätte in Geiselwind habe ich immer mit Fahrern gesprochen, die waren irgendwo her, aber Oberfranken ist ja eine Logistik-Region. Da gibt es ganz viele Speditionen und auch ganz viele Fahrer. Ich wollte die Fahrer vernetzen und bin auf das Interesse von Gewerbeaufsichtsamt und Polizei gestoßen. Und dieses gemeinsames Interesse, die Fahrer zu vernetzen, zusammenzubringen und mit ihnen ins Gespräch kommen zu wollen, das war der Ursprung des Fernfahrer-Frühschoppens.

Wie läuft der Frühschoppen ab?
Es gibt immer ein übergeordnetes Thema. Dieses Mal geht es es um die Verantwortung in dem Fremdbetrieb. Einer der Veranstalter hält dazu auch ein Referat. Aber es ist dann auch immer so, dass die Fragen gesammelt werden, die die Fahrer mitbringen und das ist das Wesentliche. Es wird auch heiß diskutiert. Vieles, was die Fahrer betrifft, wird mittlerweile auf EU-Ebene entschieden. Oftmals erleben die Fahrer Ungerechtigkeiten, die dem gezollt sind, dass die Politik im Land nicht mitgeht, was Europa entschieden hat.

Was wäre das konkret?
Zum Beispiel sind in Frankreich die Strafen für Zeitvergehen hoch und werden auch konsequent umgesetzt. Bei uns ist das eher noch ein Kavaliersdelikt. Die Strafen sind nicht so hoch. Und dabei achten dann auch oft die Firmen nicht so darauf, dass bestimmte Fahrtzeiten eingehalten werden, und setzen damit die Fahrer unter Druck."

Sie sind ja auch Mitglied in einem Truckerclub, oder?
"Der Fernfahrer-Frühschoppen hat mich den Fahrern näher gebracht und die sind, als sie den Club gegründet haben, auf mich zugekommen, ob ich nicht Mitglied werden möchte. In der Truppe, die da beieinander ist, sind gute Leute, mit denen man auch arbeiten kann. Das zeigt sich auch immer beim großen Truckerfestival in Lichtenfels im September. Das könnten wir nicht auf die Beine stellen, wenn die Truppe nicht so gut wäre.

Hilft das bei Ihrer Arbeit?
Ja, nahe dran sein und Verbindungen pflegen, das ist da natürlich sehr gut möglich. Und nahe dran sein, bedeutet auch, dass man dann natürlich mitbekommt, was im Leben des Einzelnen passiert.

Was ist Ihre genaue Aufgabe in Sachen Seelsorge?
Die Notfallseelsorger, Gott sei dank haben wir die, sind an den Unfällen präsent. Und was dann bei mir aufkommt, ist die Nachbereitung, wenn jemand bestimmte Bilder nicht aus dem Kopf kriegt. Oft sind es auch Lebensfragen, die dann hochkommen. Viele Männer oder Frauen sinnieren lange allein hinter ihrem Lenkrad und irgendwann haben sie dann einfach das Bedürfnis zu reden.

Fernfahrer und Kirche passt das zusammen?
Mit Sicherheit wartet man nicht auf uns Fernfahrer-Seelsorger. Aber dass es uns gibt, das wird als gutes Angebot angenommen. Besonders die Möglichkeit zu sprechen. Natürlich höre ich mir da auch an: "Wo war denn mein Gott, als meine Frau an Krebs gestorben ist? Wo war er denn da?" Du wirst an der Stelle als Christ, als Theologe, als Seelsorger gefragt. Und dann geht man durch das Schweigen und das Schimpfen mit ihm durch. Die meisten schreien es zwar nicht heraus, dass sie katholisch sind - wobei: Das gibt es auch. Manchmal kommen dann auch so Anfragen wie: "Kannst du mich auch trauen?" Dann sage ich: "Ich nicht, aber ich kenne jemanden." Das ganze Leben geht an einem vorbei.

Warum setzen Sie sich so für Trucker ein?
Die Wertschätzung gegenüber den Fahrern habe ich gelernt. Das war auch bei mir ein Bewusstseinsprozess, dass ich erkannt habe, wie wichtig sie sind. Die Fernfahrer sind das letzte Glied in der großen Logistik- Kette. Sie haben oft die Lastesel- Funktion und bekommen von der Gesellschaft nicht den Respekt, der ihnen jedoch eigentlich zukommen müsste.

Das Gespräch führte
Lisa Kieslinger



Informationen zum Fernfahrer-Frühschoppen:
Anmeldung Der Fernfahrer-Frühschoppen findet am Sonntag, 31. Januar, in der Gaststätte Wallachei in Lichtenfels statt. Die Veranstalter bitten um eine Anmeldung bis zum 26. Januar. Entweder per Mail an betriebsseelsorge@arbeitnehmerpastoral-bamberg.de oder telefonisch unter 0951/9169152.