Der Managementplan für das europäische "Natura 2000-Gebiet Steinach- und Föritztal und Rodach von Fürth a. B. bis Marktzeuln" liegt nun vor. Oberregierungsrat Stephan Neumann von der Regierung von Oberfranken überreichte gestern im Landratsamt Kronach den Managementplan für das rund 600 Hektar große Gebiet an die beteiligten Landkreise Kronach, Coburg und Lichtenfels, die Stadt Neustadt bei Coburg, die Märkte und Gemeinden Mitwitz, Marktgraitz, Marktzeuln, Sonnefeld, Schneckenlohe und Redwitz. An den genannten Stellen besteht ab sofort die Möglichkeit zur Einsichtnahme.

Herbert Rebhan, Leiter des Sachgebiets Naturschutz, machte deutlich, dass der Managementplan einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung von "Natura 2000" leiste. Im Plan seien Maßnahmen dargestellt, die notwendig sind, um das Gebiet als europäisches Naturerbe in seinem guten Zustand zu erhalten. Hierzu gehören die angepasste Bewirtschaftung der blütenreichen Mähwiesen sowie die Förderung naturnaher Gewässer und Auwälder. Das Natura 2000-Gebiet umfasse naturschutzfachlich wertvolle Lebensräume des Steinachtals zwischen Fürth am Berg und der Steinachmündunq bei Redwitz. Dazu gehörten außerdem die direkt anschließenden Bereiche der Rodach bis nach Marktzeuln.

Eine hohe Eigenart

Das Fauna-Flora-Habiat-Gebiet (FFH-Gebiet) liegt überwiegend in der Talaue, die von den angrenzenden Talhängen eingerahmt wird. Entsprechend prägen landwirtschaftlich genutzte Äcker, Wiesen und Weiden das Landschaftsbild des FFH-Gebiets, während sich die meist waldbedeckten Hänge an den Talflanken außerhalb befinden. In den Auen bestimmen neben den landwirtschaftlich genutzten Flächen die gewässerbegleitenden Auwälder sowie an einigen Stellen Standgewässer das Landschaftsbild. Nach den Bewertungsstufen des Landschaftsentwicklungskonzept Region Oberfranken-West weisen die Talräume aufgrund der Talauen und der sich anschließenden Hänge in weiten Teilen eine hohe Eigenart auf.

Im FFH-Gebiet wurde im Jahr 2013 eine Biotoptypenkartierung durchgeführt. Im Landkreis Lichtenfels liegt ein Schwerpunkt des FFH-Gebiets. Zwei besondere Biotope sind zwischen Redwitz an der Rodach und Marktzeuln. Es sind ehemalige Abbaugewässer mit Gehölz und eine nur sehr schmalen Verlandungszone. Eins befindet sich direkt südöstlich von Marktzeuln im Stauwurzelbereich des einen Altarms der Rodach. Insgesamt haben diese eine Fläche von 2,54 Hektar.

Der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling flattert im Landkreis

Seltene Schmetterlingsarten wie der Helle Wiesenknopf-Ameisenbläuling findet man in einem Bereich. Einerseits kann durch eine Beweidung die Verbuschung zurückgedrängt und der Lebensraum des Ameisen bläulings erweitert oder wieder hergestellt werden, andererseits sind bei zu intensiver Beweidung auch negative Auswirkungen auf die Population oder auf ihre Wiederansiedlung denkbar.

Der Bestand von Biber-Revieren erscheint stabil. Das nächste Vorkommen befindet sich bei Michelau. Die Region ist flächendeckend besiedelt, nur vereinzelt treten Lücken auf. Hieraus ergibt sich eine gute Bewertung für den Erhaltungszustand der Population.

Auch mit einer artenreichen Vogelwelt ist die Region gesegnet.

Hinweise auf die Große Rohrdommel liegen aus einer Fläche an der Hutweidsee östlich Redwitz an der Rodach vor. Das nächste Brutvorkommen befand sich in der Nähe von Michelau im Maintal. Besetzte Weißstorchhorste wurden im Gebiet nicht ermittelt, auch wenn die Art mehrfach bei der Nahrungssuche in Föritz-, Steinach- und Rodachaue beobachtet wurde. Der nächste bekannte besetzte Horst ist in Hochstadt. 2012 musste der Verlust von Jungvögeln und eines Altvogels beklagt werden.

Vorkommen ermittelt

Brutvorkommen des Wespenbussards gibt es nur südlich und südöstlich von Michelau im Maintal. Hinweise auf ein mögliches Brutvorkommen des Schwarzmilans gibt es in den Waldbereichen östlich von Redwitz. Auch Hinweise auf den Rotmilan gibt es in den Waldbereichen östlich von Redwitz. Die Rohrweihe wurde in allen drei Talräumen mehrfach bei der Nahrungssuche beobachtet. Weitere Arten wie der Zwergtaucher und der Flussuferläufer wurden im Landkreis gesichtet.

Landschaftspflegeverband aktiv

Der Landschaftspflegeverband Lichtenfels erarbeitet derzeit ein Beweidungskonzept, zusammen mit dem Markt Marktgraitz und dem Landkreis Lichtenfels, in Abstimmung mit der Höheren Naturschutzbehörde. Geplant ist eine extensive Beweidung auf ausgewählten Teilflächen, die auch die Belange der Schutzgüter des FFH- und Vogelschutzgebiets berühren kann. Das Beweidungskonzept wird von naturschutzfachlicher Seite im Grundsatz begrüßt, da es vielfältige naturschutzfachliche positive Wirkungen haben kann und eine extensive Landnutzung unter Beteiligung der Gemeinden fördert.

Der FFH-Lebensraumtyp Weichholzauwald ist der einzige Wald-Lebensraumtyp im Gebiet. Aufgrund seiner Fläche von 84,26 Hektar ist er überaus bedeutsam. Derzeit sind für ihn nur geringfügige bis maximal mittlere Beeinträchtigungen oder Gefährdungen abzusehen. Hier ist an erster Stelle die unaufhaltsame Ausbreitung des Indischen Springkrauts zu nennen.

Ebenfalls beeinträchtigend wirken manche Wiesenmahden, wenn sie unmittelbar bis ans Ufer der Fließgewässer in den Auwald hinein geführt werden.