Wie ein hässliches Entchen duckt sich der alte Volkswagen zwischen die chromblitzenden Karossen der Oldtimershow in Bad Staffelstein. Aber unter dem fleckigen braungrünen Lack ist der Käfer gesund, kein Loch im Unterboden, und der Motor schnurrt wie auf Samtpfötchen. Stolzer Besitzer ist Manfred Künzel aus Ebern, der sein Kleinod hegt und pflegt. Dieser VW-Zwitter, so der Werksname, rollte im Oktober 1952 in Wolfsburg vom Band. Er ist ein Zwischenmodell, denn ein Jahr später kam der Käfer mit der ungeteilten Heckscheibe.
Das Baugeschäft Peter Müller in Staffelstein suchte damals ein kleines Baufahrzeug mit Heckantrieb, das sich durch den Matsch der Baustellen wühlen konnte. Bei dem Zwitter wurden die Bauleute fündig. Die hintere Sitzbank wurde ausgebaut, damit man Bauteile oder auch mal eine Kiste Bier zu den durstigen Maurern karren konnte. "Bis 1960 ist er gelaufen, der letzte Tüv war 1959", weiß Peter Müller genau. Der Stempel auf dem originalen STE-Nummernschild ist noch gut erhalten. Die Chefin des Unternehmens habe ihn weggestellt. Außerdem fehlten ihm vier Zähne im Kurbelwellenrad.


Kultklassiker ohne große Macken

Vor drei Jahren erfuhr Künzel durch eine ehemalige Mitarbeiterin des Staffelsteiner Unternehmens von der Existenz des Käfers, der seinen Ruheabend in einer Halle verbrachte. "Zwei Jahre hat es gedauert, bis ihn die Chefin hergab", erinnert er sich an die langwierigen Verhandlungen, "denn die Besitzerin wollte sich von dem lieb gewonnenen Veteranen nicht trennen." Viel brauchte der Oldtimerfreund am Kultklassiker nicht machen. Sicherlich musste das Kurbelwellenrad ausgewechselt werden. Aber sonst blieb der Wagen unverändert. Sogar die Klappwinker in den Türholmen funktionieren noch. Wie schnell er denn sei, wollten wir wissen. "Na, hundert schafft er noch, aber danach fragt man nicht", sagte Manfred Künzel leicht verstimmt.

Der Käfer und 250 weitere Oldtimer, Traktoren, Autos und Motorräder setzen sich vom Siedlerheim am Sonntagnachmittag in Bewegung. Der rund 1,5 Kilometer lange Oldtimert ross tourte mitten durch die Badstadt vorbei an Kirche und Rathaus und wieder zurück zum Gelände des Siedlerheims, das eine Flaniermeile edlen Blechs wurde. Die Maisonne zauberte Lichtreflexe auf die verchromten Stoßstangen und die mächtigen Bulldogs pufften schwarze Qualmwolken in den Himmel.

Die kleine "Bavaria Historic", vermittelte echtes Oldie-Feeling und der Vorsitzende der Oldtimer-Freunde Bad Staffelstein Reinhard Derra lächelte zufrieden. "Der offene Treff lockte Besucher aus dem ganzen Frankenland, aus Thüringen und Westfalen an."